16 Essentielle Fakten zur Wurzelbehandlung


15 essenzielle Fakten zur Wurzelbehandlung

Die Wurzelbehandlung oder genauer die „Wurzelkanalbehandlung“ beim Zahnarzt ist für viele Patienten ein Schreckgespenst. Wurzelbehandlungen werden oft mit Schmerzen und langen Sitzungen in Verbindung gebracht. Um besser zu verstehen was bei dieser Behandlung passiert und warum die einzelnen Arbeitsschritte manchmal sehr lange dauern, haben wir den folgenden Artikel verfasst.

Die Wurzelkanalbehandlung wird in Fachkreisen auch als „endodontische Behandlung“ bezeichnet. Diese Behandlung verfolgt das Ziel, einen Zahn, dessen Zahnnerv (Pulpa) abgestorben ist zu erhalten. Dabei wird das abgestorbene Gewebe aus der Zahnwurzel entfernt und durch eine Füllung ersetzt. Diese Routinebehandlung wird mehrmals täglich in der Zahnarztpraxis durchgeführt. Die behandelten Zähne können so oft noch viele Jahre erhalten bleiben.

In diesem für Sie verfassten Artikel erfahren Sie über die 16 dargestellten Fakten alle wesentlichen Informationen zum Thema Wurzelbehandlung.

1. Die Gründe für eine Wurzelbehandlung

Der häufigste Grund für eine Wurzelbehandlung ist die Entzündung des Zahnnervs, auch Pulpa genannt. Der Zahnnerv, der sich im Inneren jedes Zahnes befindet, wird oft durch ein tiefes „Loch im Zahn“, also Karies gereizt. Falls Sie den Zahnaufbau nicht im Kopf haben, können Sie in unserem Artikel über die verschiedenen Zahnstrukturen nochmals nachlesen.

Verschiedene Stadien der Karies

Im oberen Bild werden die verschiedenen Stadien der Karies dargestellt. In der ersten und zweiten Zeichnung können Sie den gesunden Zahn und die Strukturen im Inneren des Zahnes erkennen. Die weiße äußere Schicht des Zahnes ist der Zahnschmelz, das Dentin ist leicht hellrot gezeichnet. Das Nervgewebe und die Blutgefäße im Inneren des Zahnes stellen die Zahnpulpa dar.
Die Karies beginnt zunächst an einer Stelle des Zahnes und arbeitet sich schrittweise in die Tiefe vor (Zeichnung 3 und 4). In diesem Stadium würde eine Füllung ausreichen um das entstandene Loch zu füllen. Ist die Karies allerdings bereits in der Nähe des Nervens angekommen (Zeichnung unten Mitte), so ist eine Wurzelkanalbehandlung unumgänglich. Der Zahnnerv ist mit Bakterien infiziert und kann nicht mehr erhalten bleiben. Sie können in der letzten Zeichnung erkennen, dass die Bakterien bereits den gesamten Wurzelkanal durchquert haben und an der Zahnwurzelspitze eine Entzündung hervorrufen.

Ausgeprägte Zahnfüllung

Wenn eine Füllung sehr ausgeprägt ist, sich also kurz vor dem Zahnnerv befindet, dann kann es sein, dass durch die Behandlung der Zahnnerv gereizt und traumatisiert wird. In diesen Fällen kann es einige Wochen nach der Füllungstherapie zu Beschwerden kommen. Eine Wurzelbehandlung ist dann Mittel der Wahl, um die Beschwerden zu lindern.

Folgen und andere Ursachen

Durch die Entzündung des Zahnnervens entstehen oft starke Zahnschmerzen, da sich das Gewebe der Zahnpulpa ausdehnt und gegen die „inneren Zahnwände“ drückt. Weitere Symptome sind auftretende Überempfindlichkeiten des Zahnes auf Kälte und Wärme. Zusätzlich wird der Zahn beim Zubeißen oft als „zu hoch“ wahrgenommen.

Es gibt weitere Gründe, die eine Wurzelbehandlung nötig machen, wie beispielsweise der Bruch des Zahnes. Eine andere denkbare Ursache könnte ein Überbelastung durch ein Zahntrauma sein.

2. Welche Ziele werden bei der Behandlung verfolgt?

Ziele der Wurzelbehandlung
Das Ziel der Wurzelbehandlung besteht darin, die Entzündung an der Wurzelspitze des Zahnes zu behandeln. In diesem Bild sehen Sie die vollständige Ausheilung der Entzündung nach Wurzelbehandlung.

Das Ziel einer Wurzelbehandlung ist es, die durch die Bakterien ausgelöste Entzündung zu behandeln und Beschwerdefreiheit des Patientin zu erreichen. Das kann durch die folgenden Etappenziele erreicht werden:

  • Der Zugang zu den Wurzelkanälen sollte möglichst schonend und grazil ausfallen, sodass eine spätere Versorgung des Zahnes einfacher wird.
  • Das entzündete Pulpagewebe muss aus den Wurzelkanälen entfernt werden.
  • Durch verschiedene Spüllösungen und Medikamente werden die Kanäle so behandelt, dass diese möglichst bakterienfrei sind.
  • Die sauberen Kanäle werden dann mit Füllmaterial so abgedichtet, dass Bakterien die Kanäle nicht mehr besiedeln können.

Die Wurzelfüllung dient letztendlich als Platzhalter für den Bereich der Zahnnerven.

3. Wie ist der Ablauf der Wurzelbehandlung?

Im oben eingebundenen Video sehen Sie die einzelnen Schritte der Wurzelbehandlung visualisiert. Nachdem Sie das Video geschaut haben, erfahren Sie im folgenden Text noch weitere Details über den Behandlungsablauf.

Die Wurzelbehandlung erfolgt in mehreren Sitzungen und ist daher mit einigen Zahnarztbesuchen verbunden.

Behandlungsstart

Beim ersten Termin wird zunächst die akute Situation behandelt:
Der Zahn wird eröffnet und die Wurzelkanäle müssen gefunden werden. Einige Kanaleingänge sind sehr einfach aufzufinden, andere wiederum sind extrem eng oder sogar komplett verschlossen. Das Auffinden dieser Kanäle dauert in der Regel deutlich länger. Bei einigen Zähnen ist es hilfreich, wenn diese mit einer Lupenbrille oder unter dem Mikroskop betrachtet werden. Je nach Zahn kann dieser Prozess sehr lange dauern, insbesondere bei den seitlichen Backenzähnen, die häufig 3 bis 4 oder sogar mehr Kanäle haben.
Wenn die Kanaleingänge erfolgreich gefunden wurden, müssen diese mittels verschiedener Instrumente gereinigt und von Gewebe und Bakterien befreit werden. Häufig werden dafür Feilensysteme benutzt, die die sogenannte „mechanische“ Reinigung der Wurzelkanäle übernehmen. Zusätzlich werden die Kanäle mit verschiedenen Substanzen gespült, um auch eine „chemische“ Reinigung zu erzielen und Bakterien zu bekämpfen. Danach wird in die Kanäle ein Medikament eingelegt, welches bakterizid ist. An dieser Stelle wir der Zahn zunächst provisorisch verschlossen und die Behandlung pausiert. Das eingebrachte Medikament kann so über die nächsten ein bis zwei Wochen seine Wirkung entfalten.

Ruhephase

Bei den folgenden ein bis zwei Terminen wird ein sogenannter Medikamentenwechsel durchgeführt. Dabei muss zunächst die provisorische Füllung aus dem Zahn entfernt werden. Durch die Spülung der Kanäle kann das „alte“ Medikament entfernt und erneut eingebracht werden. Dieser Behandlungsschritt sollte solange durchgeführt werden, bis der Zahn beschwerdefrei ist. Sollte dies der Fall sein, kann zum finalen Teil übergegangen werden.

Wurzelfüllung

In der letzten Sitzung werden die Wurzelkanäle mit einem geeigneten Füllmaterial abgefüllt. Dieses besteht meistens aus einer festen und einer flüssigen Komponente. Dabei sollte, wenn möglich, der gesamte Bereich des Wurzelkanals mit der Füllung ausgefüllt werden. Das Wurzelfüllmaterial befindet sich in den Bereichen, in denen vorher das Nervgewebe zu finden war. Durch die Wurzelfüllung kann gewährleistet werden, dass der Kanal nicht mehr von Bakterien besiedelt werden kann.
Zuletzt muss der Zahn noch mit einer definitiven Füllung verschlossen werden.

4. Ist die Wurzelbehandlung schmerzhaft?

Schmerzen durch Parodontitis

Wurzelkanalbehandlungen sind mit den Möglichkeiten der heutigen lokalen Betäubungsmittel in der Regel nahezu schmerzfrei durchführbar. Wir haben für Sie einen kompletten Artikel über lokale Betäubungsmittel verfasst.

Akut entzündete Zähne sind oft etwas schwieriger zu betäuben, da das örtliche Betäubungsmittel durch die Entzündung inaktiviert wird. Normalerweise wird durch mehrmaliges Nachspritzen allerdings eine ausreichende Tiefe der Betäubung erreicht, die eine schmerzfreie Behandlung ermöglicht. Durch die heutige Möglichkeit der direkten Betäubung des Zahnes, die sogenannte „Intraligamentäre Anästhesie“ ist nahezu jeder Zahn vollständig zu betäuben.
Sollte auch das nicht zum gewünschten Erfolg führen, kann ein Antibiotikum verabreicht werden, um die akute Entzündung zu unterdrücken und einige Tage später die Behandlung schmerzfrei durchführen zu können.

Vor einigen Jahren wurden Zähne die sich nicht betäuben ließen aufgebohrt und es wurde ein Medikament auf das Nervgewebe gelegt, welches die Nerven abgetötet hat. Diese Art der Behandlung ist nicht unumstritten und wird daher heute weniger bis nicht mehr angewendet.

5. Wie sind die Kosten für eine Wurzelbehandlung? 

Kosten der Wurzelbehandlung

Wurzelkanalbehandlungen werden durch neue Instrumente, Techniken und Materialen immer fortschrittlicher und aufwendiger. Durch diese verbesserte Therapie erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behandlung enorm. Dabei steigt allerdings sowohl der Materialaufwand, als auch der zeitliche Aufwand für den Zahnarzt. Beide Faktoren sind schlussendlich verantwortlich für eine erhöhten finanziellen Aufwand. Die Krankenkasse übernimmt oft nur einen Teil der anfallenden Kosten, die übrigen Kosten werden privat in Rechnung gestellt. Dabei ist dies je nach Praxis aber auch von dem zu behandelnden Zahn unterschiedlich und kann zwischen 50 bis 200 Euro aber auch bis zu 1500 bis 2000 Euro pro Zahn betragen. Wird ein Seitenzahn behandelt, so liegen die Kosten oft höher, da dieser Zahn in der Regel mehr Wurzelkanäle hat als ein einwurzliger Zahn. 

Die Positionen die meistens in Rechnung gestellt werden sind dabei die „elektronische Längenbestimmung“ und die „chemisch und physikalische Spülung“ der Zahnkanäle. Die Länge der Wurzelkanäle kann millimetergenau mittels elektronischem Längenmessgerät ermittelt werden. Dadurch weiß der Zahnarzt, wie lang die spätere Wurzelfüllung sein muss.
Heutzutage gehört es fast zum Standard, dass unterschiedliche chemische Spüllösungen eingesetzt werden, um die Bakterien zu eliminieren. Dieser erhöhte Aufwand wird nicht durch die gesetzliche Krankenkasse getragen.

Zahnärzte die sich auf Wurzelkanalbehandlungen spezialisiert haben werden auch als Endodontologen bezeichnet. Diese führen die Wurzelbehandlung mittels Mikroskop oder Lupenbrille und dadurch erheblichem erhöhten Zeitaufwand durch, was sich häufig preislich niederschlägt. Bevor die Behandlung beginnt sollte aber in jedem Fall eine Mehrkostenvereinbarung geschlossen werden. 

6. Wie lange dauert eine Wurzelkanalbehandlung?

Dauer der Wurzelbehandlung

Die Behandlungsdauer der Wurzelkanalbehandlung ist von mehreren Faktoren abhängig:

Die Anzahl der Wurzelkanäle

Die verschiedenen Zähne haben unterschiedliche viele Wurzeln und somit auch Wurzelkanäle. Ein oberer Schneidezahn hat in der Regel ein oder zwei Kanäle, daher ist die Behandlung ist zeitlich weniger intensiv als ein Backenzahn mit drei oder mehr Kanälen.
Im Übrigen ist es kein Ärgernis, falls ein zusätzlicher Kanal im Wurzelbereich des Zahnes gefunden wird. Jeder gefundene Kanal vergrößert die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behandlung.

Die Position des Zahnes

Je weiter vorne sich der Zahn befindet, umso leichter ist er zugänglich. Das vereinfacht die Behandlung der Zähne ungemein, sodass eine kürzere Behandlungsdauer möglich ist.

Mitarbeit des Patienten

Die Mitarbeit des Patienten ist ein weiterer wichtiger Faktor für eine erfolgreiche und zügige Behandlung. Je mehr Sie sich gegen die verschiedenen Behandlungsschritte wehren, umso länger und anstrengender ist die Behandlung.

Fähigkeiten des Zahnarztes

Generell sind alle Zahnärzte im Bereich der Wurzelkanalbehandlungen durch das Studium an der Universität optimal vorbereitet. Dennoch arbeiten einige Zahnärzte schneller als andere. Außerdem haben sich einige Zahnärzte im Bereich der Endodontie durch verschiedene Curricula und Weiterbildungen fortgebildet.

Grundsätzlich ist die Zeit, die dem Zahn bei einer Behandlung gewidmet wird als positives Zeichen anzuerkennen. Langfristig ist eine gründliche Behandlung für Sie besser, auch wenn eine lange Sitzungsdauer für den Moment natürlich belastend ist.

Gesamtdauer der einzelnen Behandlungen

Für die erste Sitzung wird beim Zahnarzt zwischen 60 bis 90 Minuten veranschlagt. Diese umfasst das aufbohren des Zahnes und die erste Reinigung der Kanäle.

Die Medikamentenwechsel kosten nur etwa 10-15 Minuten Zeit.

Für das Einbringen der Wurzelfüllung sollten nochmal 60-90 Minuten gerechnet werden.

7. Warum wird ein Spanngummi über den Zahn gelegt?

Das Spanngummi, dass gelegentlich verwendet wird, wird Kofferdamm genannt. Der Kofferdamm muss an einer oder mehreren Stelle gelocht werden, sodass nur der zu behandelnde Zahn und die Nachbarzähne durch den Kofferdamm „durchschauen“.

Kofferdamm für die WUrzelbehandlung
Der Kofferdamm dient als Schutz für den Zahn vor Speichel und Bakterien.

Das Spanngummi dient hauptsächlich als Schutz vor Speichel und somit Bakterien. Bei geöffnetem Zahn ist das Wurzelkanalsystem des Zahnes vom Rest der Mundhöhle abgeschottet. Der Kofferdamm kann bei vielen Zähnen verwendet werden, dennoch gibt es Situationen in denen kein Spanngummi möglich ist. Im Allgemeinen ist Kofferdamm als Qualitätsmerkmal anzuerkennen, auch wenn dieser manchmal sehr unangenehm zu tragen ist.
Weiterhin sorgt der Kofferdamm als Schutz dafür, dass keine Behandlungsinstrumente in den Rachenraum gelangen können. Sie sind durch das Gummi also auch vor Fremdkörpern geschützt.

8. Feile abgebrochen bei der Wurzelbehandlung?

Feilen für die Wurzelbehandlung
Feilen für die Säuberung der Wurzelkanäle.

Während der Wurzelbehandlung wird der Wurzelkanal mit dünnen Feilen gesäubert. Diese Feilen sind entweder mit der Hand zu benutzen oder auch an einen zahnärztlichen Motor angeschlossen. Die Feilen bestehen aus unterschiedlichen Materialien, zum Beispiel Nickel-Titan Legierungen.

Mit etwas Pech brechen diese Instrumente während Sie sich im Zahn befinden ab. Je nachdem an welcher Stelle des Wurzelkanals die Feile bricht, ist eine Entfernung des Fragments schwierig bis unmöglich. Je tiefer die Feile abbricht, umso schwieriger ist diese zu entfernen. Spezialisten haben mit Hilfe des Mikroskops sicherlich die besten Chancen das Fragment zu entfernen. Ist dies nicht möglich stehen Ihnen drei Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Es besteht die Möglichkeit, dass Fragment über eine Wurzelspitzenresektion zu entfernen. Diese Operation macht Sinn, wenn sich das abgebrochene Stück der Feile im unterster Drittel der Wurzel befindet. Bei der Wurzelspitzenresektion wird dieser Teil der Wurzel abgeschnitten und somit auch die Feile entfernt. Wenn Sie einen ausführlichen Artikel zum Thema Wurzelspitzenresektion lesen möchten, klicken Sie auf unseren Link.
  • Sie können das Fragment belassen und als Teil der späteren Wurzelfüllung ansehen. Häufig heilen Zähne mit Instrumenten innerhalb des Kanalsystems reizlos aus und machen Ihnen keine Probleme oder Beschwerden.
  • Als letzte Option bleibt nur die Zahnentfernung, die Sie erst nach dem ausschöpfen der anderen Behandlungsoptionen wählen sollten.

Es ist festzuhalten, dass ein Feilenbruch kein „Behandlungsfehler“ darstellt, lediglich ein meist unvermeidliches Vorkommnis. Die Wurzelkanäle sind zum Teil extrem gekrümmt, sodass die Feilen sich stark verbiegen. Dabei kommt es von Zeit zu Zeit zum Materialbruch.

9. Zahnwurzeln behandeln trotz Krone auf dem Zahn?

Sollte sich auf dem zu behandelndem Zahn bereits eine Krone befinden, so muss diese aufgebohrt werden. Grundsätzlich ist eine Behandlung trotz Krone möglich.

Kronen verändern allerdings die natürliche Zahnachse optisch, sodass es in einigen Situationen sein kann, dass eine Wurzelkanalbehandlung nur möglich ist, wenn die Krone komplett vom Zahn abgenommen wird. Falls die Krone vom Zahn abgenommen werden muss, wird diese dabei zerstört, sodass nach der Behandlung eine neue Versorgung hergestellt werden muss. Warten Sie mit neuem Zahnersatz etwa 3 Monate nach Fertigstellung der Wurzelbehandung.

Eine Wurzelkanalbehandlung stellt immer ein Risiko für den vorhandenen Zahnersatz dar!

10. Weiterhin Schmerzen nach der Behandlung?

Schmerzen auch nach der Behandlung

Schmerzen, die in den ersten Tagen nach der Behandlung auftreten sind als normal anzusehen. Die Irritationen am Zahn und eventuell auch am umliegenden Gewebe, die durch die Wurzelbehandlung ausgelöst wurden, machen sich die ersten Tage noch deutlich bemerkbar.

Spätestens 3-4 Tage nach der Behandlung sollte das Beschwerdebild aber merklich weniger werden. Die Schmerzen dürfen jetzt nicht mehr zunehmen, sonst muss gegebenenfalls nochmals kontrolliert werden. In vielen Fällen kann die Entzündung, die sich im Zahnnerv festgesetzt hatte, in den umliegenden Knochen übergetreten sein, sodass die Behandlung keinen Erfolg zeigt.
Dann haben Sie verschiedene Optionen für das weitere Vorgehen:

  • Revisionsbehandlung – Eine Revisionsbehandlung ist die erneute Wurzelbehandlung. Dabei wird zunächst das alte Wurzelfüllmaterial entfernt und die Kanäle werden wieder gereinigt. Nach einigen Sitzungen kann die Wurzelfüllung erneuert werden.
  • Wurzelspitzenresektion – Wie oben bereits angesprochen, kann auch in diesem Fall eine Wurzelspitzenresektion den gewünschten Erfolg bringen. In unserem Artikel zu Wurzelspitzenresektionen erfahren Sie warum!
  • Zahnentfernung – Die Zahnentfernung sollte auch hier als letzte therapeutische Konsequenz in Betracht gezogen werden.

Eine Wurzelbehandlung kann leider niemals eine 100 % Erfolgsgarantie haben; statistisch liegt die Erfolgswahrscheinlichkeit etwa bei 90 %.

Der Grund dafür ist, dass der Mensch und die Mundhöhle als biologisches System immer ein Restrisiko für Bakterien und Entzündungen bieten. Daher ist keine Situation zu 100 % vorauszusagen.

11. Der Zahn ist „tot“ aber schmerzt trotzdem?

Die Aussage, dass der Zahn „tot“ ist, ist nicht ganz zutreffend. Das Gewebe im Zahn, dass sogenannte Pulpagewebe, wurde aus dem Zahn entfernt und durch die Wurzelfüllung ersetzt. Der Zahn ist allerdings weiterhin im Knochen über den Zahnhalteapparat verankert. Der Zahnhalteapparat besteht unter anderem aus Fasern und Gefäßen, die auch nach der Wurzelkanalbehandlung ihre Funktionen wahrnehmen.

Außerdem haben Entzündungsprozesse, wie zum Beispiel Zysten, häufig bereits den umliegenden Knochen befallen. Kleine Entzündungen im Knochen können zu Zysten werden. Diese sind oft an der Wurzelspitze im Röntgenbild als eine Art „Kreis“ um die Wurzelspitze zu erkennen.

Die beschriebenen entzündlichen Prozesse, die im Kieferknochen oder am Zahnhalteapparat vor sich gehen, können Schmerzen verursachen auch wenn der Zahn selber bereits wurzelbehandelt ist. Ein Wurzelbehandelter Zahn ist keine Garantie auf Schmerzfreiheit!

Sollte die Wurzelbehandlung nicht zum gewünschten Ergebnis führen stehen Ihnen drei Optionen zur Verfügung. Die erneute Wurzelbehandlung, die Wurzelspitzenresektion oder die Zahnentfernung. Im nachfolgenden Abschnitt werden diese drei Behandlungen erklärt.

Wiederholung der Wurzelfüllung (Revision)

Die Erneuerung der Wurzelfüllung, auch Revisionsbehandlung genannt, ist relativ aufwendig, da zunächst das alte Wurzelfüllmaterial entfernt werden muss. Je nachdem wie lange sich das Material schon in der Wurzel befindet, kann dieser Prozess sehr einfach oder auch schwieriger sein. Sie sollten die Überlegung anstellen, sich bei einem Spezialisten für Wurzelbehandlungen vorzustellen, der die Behandlung unter dem Mikroskop durchführt. Diese Leistung ist zum Teil privat zu bezahlen und kann finanziell aufwendig sein.

Die Wurzelspitzenresektion

Die Wurzelspitzenkappung ist die letzte Alternative den Zahn noch zu erhalten. Dabei wird das Zahnfleisch seitlich eröffnet und die Wurzelspitze wird entfernt. Gleichzeitig werden die Entzündungsprozesse mit entfernt, sodass ein kleiner Hohlraum im Knochen entsteht. Dieser sollte dann in den folgenden sechs Monaten vollständig ausheilen.

Sollte auch eine Wurzelspitzenresektion keine Aussicht auf Erfolg bieten, so ist die Zahnentfernung die letzte noch übrige Option das Problem zu beheben.

12. Die Weiterbehandlung des Zahnes

Nach erfolgreichem Abschluss der Wurzelbehandlung sollte der Zahn zunächst für eine Weile beobachtet werden. Diesen Zeitraum legt jeder Zahnarzt individuell fest, der Zeitraum kann allerdings bis zu sechs Monate betragen. Sollte der Zahn dann symptomfrei und auch röntgenologisch unauffällig sein, so kann dieser Weiterversorgt werden. In den meisten Fällen sollte die Zähne überkront werden.

Stabilisierung des Zahnes durch eine Zahnkrone

Der Zahn wurde durch die bisher durchgeführten Behandlungen in seiner Substanz geschwächt, sodass eine Zahnkrone hergestellt werden sollte. Durch die Krone kann der Zahn wieder stabilisiert werden, um die Bruchgefahr zu reduzieren. Wenn Sie alle Details zur Zahnkrone erfahren wollen schauen Sie sich diesen Artikel an.

Viele Zähne halten nach der Wurzelkanalbehandlung dem normalen Kaudruck nicht mehr stand und brechen nach einiger Zeit ab. Liegt dieser Bruchspalt ungünstig, so kann der Zahn unter Umständen nicht mehr erhalten werden. Diese Situation ist doppelt ärgerlich wenn man bedenkt, dass viel zeitlicher und auch finanzieller Aufwand investiert wurde.
Die Zahnkrone umschließt den Zahn und stabilisiert so die äußeren Zahnwände.

Grundsätzlich sollte nahezu jeder wurzelbehandelte Zahn überkront werden.

13. Welches Medikament wird in den Zahn eingebracht?

Wurzelbehandlung unter dem Mikroskop

Zwischen den einzelnen Behandlungen, wird in der Zahn wiederholt ein Medikament eingelegt. Dabei handelt es sich meistens um eines der folgenden zwei Medikamente:

Calciumhydroxid

Calciumhydroxid Präparate sind das erste Mittel der Wahl bei einem infizierten Wurzelkanalsystem. Die chemische Formel des Wirkstoffs lautet CA(OH)2.
Durch das dauerhafte Freisetzen von Hydroxid-Ionen werden die Zellwände der Bakterien zerstört und die Mikroorganismen gehen zugrunde. Calciumhydroxidpräparate sollten 1 bis 3 Wochen in den Kanälen einwirken können.

Ledermix

Ledermix wird häufig bei akuter Schmerzsymtpmatik verwendet. Dieses Präparat besteht aus einem Tetrazyklin und einem Kortikosteroid und kann somit einen schmerzstillenden Effekt haben. Dieses Präparat sollte nicht ständig angewendet werden, da es unter Umständen sogar das Ausheilen der Entzündung verlangsamen kann.

Kein Medikament

Aktuelle Studien belegen, dass die Wirkung des Calciumhydroxids zumindest umstritten ist. Sollte Ihr Zahnarzt also kein Medikament verwenden, so muss das kein Fehler sein.
Wenn ein noch vollständig lebender Zahn Wurzelgefüllt werden muss, so sollte sogar auch die medikamentöse Einlage verzichtet werden, da in diesem Fall möglichst schnell die Wurzelfüllung eingebracht werden sollte.
Auch bei Allergien auf eine der oben genannten Medikamente muss selbstverständlich ohne eine Einlage gearbeitet werden. Bringen Sie daher unbedingt immer den Allergie Pass zum Zahnarzt mit.

Bevor die Wurzelfüllung in den Zahn eingebracht wird, sollte die gesamte medikamentöse Einalge wieder entfernt werden. Dies kann durch gründliches Spülen mit geeigneten Instrumenten ohne weiteres erreicht werden.

14. Wie viele Termine werden für die Wurzelbehandlung benötigt?

Für eine Wurzelbehandlung werden mindestens zwei bis drei Termine eingeplant . Diese Anzahl ist in der Regel die Mindestanzahl, die sinnvoll für eine Wurzelbehandlung ist.
Zwischen den Terminen sollte das Medikament die Zeit haben seine Wirkung ausreichend zu entfalten.

Daher können Wurzelbehandlungen auch nur sehr schlecht bis gar nicht in Narkose durchgeführt werden, da in Narkose sinnvollerweise alle Behandlungsschritte abgeschlossen sein sollten. Mehrere Narkosen für eine Wurzelbehandlung durchzuführen wäre medizinisch höchst umstritten.

15. Krankschreibung nach Wurzelbehandlung?

Es ist nicht üblich, nach einer Wurzelbehandlung eine Krankschreibung auszustellen. In besonderen Fällen bei starken Zahnschmerzen oder auch Schwellungen kann in Ausnahmefällen eine Krankschreibung ausgestellt werden.

Nach chirurgischen Eingriffen beim Zahnarzt oder Oralchirurgen werden Krankschreibungen häufiger notwendig als bei anderen Behandlungen.

16. Wurzelbehandlungen bei Kindern

Wurzelbehandlung bei Kindern

Tatsächlich gibt es Situationen, in denen Wurzelbehandlungen bei Kindern durchgeführt werden sollten oder könnten. Es handelt sich zwar „nur“ um Milchzähne, diese erfüllen aber wichtige Funktionen. Die Wurzelbehandlung bei Milchzähnen dient dem Erhalt des Zahnes bis zum regulären Zahnwechsel.

Gründe für eine Wurzelbehandlung bei Milchzähnen

  • Werden zu viele Milchzähne entfernt, so kann es zu Zahnverschiebungen und Platzmangel kommen. Die folgenden, bleibenden Zähne finden dann häufig nicht genug Platz in der Zahnreihe vor, sodass sich eine Engstand ausbildet.
    Sollten Milchzähne über eine Wurzelbehandlung erhalten werden, so dienen diese als „Platzhalter“ und verhindern so Zahnfehlstellungen.
    Ein ausgeprägter Zahnengstand führt zwangsläufig zu einer aufwendigen kieferorthopädischen Behandlung.
  • Die phonetische Entwickelung des Kindes wid durch fehlende Zähne unter Umständen gebremst. Die Lautentwicklung im Bereich der „S-Laute“ wie „S“; „SCH“ und „Z“ kann nicht wie gewohnt stattfinden und so müssen später gegebenenfalls Logopäden eingeschaltet werden.
  • Ästhetische Einschränkung durch fehlende Zähne. Das Kind kann zum Opfer von Hänseleien durch Mitschüler werden, wenn dauerhaft Zähne fehlen. Die psychische Entwicklung des Kindes kann so aufgrund fehlender Zähne beeinträchtigt werden.

Behandlungsunterschiede zum bleibenden Zahn

Der größte Unterschied besteht darin, das Kinder wesentlich weniger geduldig und belastungsfähig sind. Die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern ist wesentlich kürzer, sodass die Behandlungsdauer entsprechend angepasst werden sollte.

Von den Arbeitsabläufen ist die Behandlung ähnlich wie bei bleibenden Zähnen. Auch in diesem Fall wird das infizierte Pulpagewebe entfernt und der Zahn wird mit einer Wurzelfüllung verschlossen.

Mögliche Abweichungen:

  • Die Milchzahnwurzel befindet sich noch im Wachstum. In diesen Fällen muss in den unteren Teil der Wurzel eine Art „Stop“ eingebracht werden, damit das Füllmaterial nicht über den Zahn hinaus gedrückt wird.
  • Die Entzündung ist noch im sehr frühen Stadium. In diesen Fällen kann ledilich der obere Teil des Pulpagewebes entfernt werden. Auf den unteren Teil der Pupla wird ein Medikament aufgebracht.

Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

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