8 Fakten zur Lokalen Betäubung beim Zahnarzt


Lokale Betäubung beim Zahnarzt large

Die lokale Betäubung oder Lokalanästhesie ist die häufigste in der Zahnarztpraxis eingesetzte Art der Schmerzausschaltung. Dabei werden gezielt Bereiche des Mundes betäubt, die einer zahnärztlichen Behandlung bedürfen. Die Dauer und Wirkstärke der Anästhesie ist von verschiedenen Faktoren wie beispielsweise der eingespritzten Menge abhängig.
Die lokale Betäubung ist ein extremer Gewinn, da durch sie Behandlungen beim Zahnarzt weitgehend schmerzfrei durchgeführt werden können. Überlegen Sie nur Sie müssten Wurzelbehandlungen ohne Schmerzausschaltung durchstehen? Keine schöne Vorstellung.
Doch wie funktioniert das eigentlich genau? Kann ich nach der Spritze noch Auto fahren? Alle diese Informationen finden Sie im folgenden Artikel. Wir haben die 8 wichtigsten Fakten zum Thema lokale Betäubung für Sie zusammengestellt.

Wie die lokale Betäubung funktioniert

Die lokale oder auch örtliche Betäubung wird mittels Spritze an die Stelle appliziert, die behandelt werden soll. Dabei werden extrem dünne Nadeln benutzt, die kaum Schmerzen verursachen. Sobald der Wirkstoff eingespritzt wurde beginnt dieser zu wirken. Genau genommen wird die Weiterleitung der Nervenfasern blockiert, also wird logischerweise auch die Schmerzweiterleitung blockiert. Dabei kann Druck nicht ausgeschaltet werden, sodass während der Behandlung ein Druckgefühl auftreten kann.

Wenn Behandlungen im Oberkiefer stattfinden wird eine sogenannte Infiltrationsanästhesie durchgeführt, hierbei ist nur ein kleiner Bereich des Mundes betroffen. Im Unterkiefer hingegen wird meistens die gesamte Seite pelzig oder taub, da ein großer Gefühlsnerv den Unterkiefer durchquert und wie eine Leitung komplett blockiert wird. Daher der Name „Leitungsanästhesie“.

Tip: Wer dennoch Angst oder Sorge vor dem Einstich hat sollte den Arzt nach einer Oberflächenbetäubung fragen. Diese wird auf die Schleimhaut aufgebracht und betäubt bereits oberflächlich die geplante Einstichstelle.

Warum die lokale Betäubung überhaupt notwendig ist

Eine lokale Betäubung beim Zahnarzt ist notwendig, um die Behandlung schmerzfrei zu gestalten. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass nicht jede Behandlung zwingen eine lokale Betäubung benötigt. Kleinere Eingriffe wie eine oberflächliche Füllung oder das Entfernen von Fäden kann durchaus ohne Betäubung durchgeführt werden.
Andere Behandlungen hingegen sollten immer mit Betäubung erfolgen. Die Entfernung von Zähnen oder das Setzen eines Implantats ist mit großen Schmerzen verbunden, die ohne Anästhesie kaum auszuhalten wären. Sprechen Sie im Zweifel immer mit Ihrem Zahnarzt. Dieser kann häufig sehr gut einschätzen wie schmerzhaft die Behandlung werden könnte und Ihnen eine Empfehlung geben. Ich würde Ihnen raten im Zweifel immer die Betäubung zu wählen, da Sie dann beruhigter der Behandlung entgegensehen können.

Welche Wirkstoffe werden verwendet

Das Lokalanästhetikum was Ihnen gespritzt wird besteht aus dem Wirkstoff an sich, einer gefäßverengenden Substanz (Vasokonstriktor genannt) und weiteren Zusatzstoffen die weniger entscheidend sind. Der Wirkstoff selber ist für die Blockade in den Nervenfasern zuständig. Er blockiert Ionenkanäle und verhindert die Entstehung von sogenannten Aktionspotentialen, die für die Signalweiterleitung der Nerven benötigt werden. Der Vasokonstriktor hat eine gefäßverengende Wirkung. Das hat unter anderem den Vorteil, dass der Wirkstoff länger an der applizierten Stelle verbleibt und somit nicht ständig nachgespritzt werden muss. Weiterhin ist das Gebiet blutungsärmer, was für einige Behandlungen, besonders im chirurgischen Bereich, optimal ist.

Der Wirkstoff

Es gibt unzählige verschiedene Wirkstoffe, im Folgenden werden die in Deutschland am häufigsten verwendeten aufgelistet:

  • Articain (Ultracain): Das wohl am meisten verwendete Lokalanästhetikum ist das Ultracain mit dem Wirkstoff Articain. Articain ist ein relativ neues Präparat (ca. 1960) welcher eine sehr hohe Proteinbindungskapazität aufweist. Der Wirkstoff ist daher auch relativ bedenkenlos bei Schwangeren einsetzbar, da sehr wenig von dem Wirkstoff die Plazenta passiert.
  • Mepivacain: Mepivacain kommt immer dann zum Einsatz, wenn Sie eine Adrenalin Unverträglichkeit oder Allergie haben. Weiterhin gibt es Menschen, die mit einem extremen Pulsschlag auf Adrenalin reagieren. Adrenalin ist die oben schon erwähnte gefäßverengende Substanz, die notwendig ist, damit der Wirkstoff nicht innerhalb kürzester Zeit abtransportiert wird. Mepivacain selbst hat eine gefäßverengende Wirkung und benötigt daher nicht zwingend Adrenalin. Daher kann dieses Präparat bei Ihnen eingesetzt werden, wenn Sie auf das Adrenalin in den anderen Präparaten reagieren.
  • Lidocain: Das früher meist eingesetzte Betäubungsmittel, also der Vorgänger von Articain. Bringt den großen Nachteil, dass die Einwirkzeit zum Teil sehr lange ist, sodass der Zahnarzt 15-20 Minuten warten muss bevor er anfangen kann zu behandeln. Die Tiefe der Anästhesie reicht ebenfalls nicht an das Articain heran.

Nebenfakt: Das Ultracain (Wirkstoff: Articain) gibt es in der sogenannten „Forte“ Variante. In diesem Präparat ist die Adrenalin Konzentration etwas höher, sodass der Wirkstoff noch besser zur Geltung kommt. Wird beispielsweise eingesetzt bei der Behandlung von entzündeten Zähnen.

Der Vasokonstriktor

Als gefäßverengende Substanz wird in der Zahnarztpraxis meistens Adrenalin eingesetzt. Adrenalin ist eine körpereigene Substanz, die daher in geringen Dosen unbedenklich ist. Dennoch sollte es mit Bedacht bei Patienten mit Herz- und Kreislaufproblemen eingesetzt werden. Informieren Sie Ihren Zahnarzt daher über alle wichtigen Einschränkungen oder Behandlungen die am Herzen bei Ihnen durchgeführt wurden.

Verzichten Sie vorerst auf Essen und Trinken

Sie sollten mit dem Essen und Trinken warten, bis die Betäubung vollständig verschwunden und Sie Ihr normales Gefühlsempfinden wiedererlangt haben. Das hat zum einen den Grund, dass Sie damit verhindern sich in die Lippe, Zunge oder Wange zu beißen. Sie könnten sich erhebliche Schäden am Weichgewebe zuziehen. Da Sie kein Schmerzempfinden haben bemerken Sie selbst stärkere Einbisse, die zu beeindruckenden Defekten führen können, nicht.
Verzichten Sie zum anderen auch auf den Konsum von heißen Getränken so lange die Betäubung noch anhält. Auch die Temperaturrezeptoren sind ausgeschaltet, sodass Sie sich leicht Verbrennungen zuziehen können.

Außerdem merken Sie beim Essen nicht wenn beispielsweise die neue Füllung oder Krone noch zu hoch sein sollte und laufen so Gefahr, diese direkt wieder zu beschädigen.

Lokale Betäubung nüchtern?

Für die lokale Betäubung ist es nicht notwendig nüchtern zu sein, Sie können ganz normal essen und trinken bis unmittelbar vor der Behandlung.

Für Narkosebehandlungen ist selbstverständlich erforderlich, dass Sie nüchtern sind. Darüber wird der Narkosearzt mit Ihnen ausführlich sprechen. Nüchtern sind Sie, wenn Sie mindestens 6 Stunden vor dem Eingriff nichts mehr zu sich nehmen. (Auch keine Getränke oder Zigarettenkonsum).

Lokale Betäubung in der Schwangerschaft?

Klären Sie alle Fragen bezüglich Schwangerschaft IMMER mit ihrem Zahnarzt und zusätzlich auch mit ihrem Frauenarzt ab.

Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund-, und Kieferheilkunde beantwortet diese Frage eindeutig. Die Empfehlung lautet, dass unter anderem Articain verwendet werden darf. Articain hat eine sehr hohe Proteinbindungskapazität und tritt damit nur in geringem Rahmen vom mütterlichen ins fetale Blut über. Die Adrenalindosierung sollte nicht zu hoch gewählt werden, um eine Konstriktion (Zusammenziehen) des Uterus (Gebärmutter) zu vermeiden. Hier kann laut der Leitlinie eine Konzentration von 1:200000 gewählt werden.

Nebenfakt: Als Schmerzmittel wird Paracetamol während der Schwangerschaft empfohlen!

Lokale Betäubung Stillen?

Hier gilt dasselbe wie in der Schwangerschaft, lokale Betäubung ist möglich.

Vermeiden Sie das führen von Kraftfahrzeugen nach der lokalen Betäubung

Dieses zugegeben sehr heikle Thema ist bisher nicht eindeutig geklärt. Dennoch sollten Sie, um auf der sicheren Seite zu sein, nach einer Betäubung das Autofahren vermeiden. Auch aus versicherungstechnischen Gründen könnten Sie bei möglichen Schäden am Auto unter Umständen Probleme bekommen.

In einer Stellungnahme der DGZMK ist dazu zu finden: Es wurden mehrere Untersuchungen durchgeführt, bei denen festgestellt werden konnte, dass die Fahrt zum Zahnarzt aufgrund von Nervosität und Angst meist ein größeres Problem darstellt, als die Fahrt nach erhaltener Lokalanästhesie. Eine Beeinträchtigung des Fahrvermögens konnte nicht bewiesen werden. Unsere Empfehlung lautet dennoch: Versuchen Sie sich fahren zu lassen oder benutzen sie öffentliche Verkehrsmittel.

Alternativen zur lokalen Betäubung

Sollte für Sie eine lokale Betäubung nicht ausreichen, so gibt es weitere Möglichkeiten die Behandlung beim Zahnarzt durchzustehen. Diese werden hier nur kurz angesprochen, da sie nicht der eigentliche Gegenstand des des Artikels sind. Diese Verfahren werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen und sind daher Privatleistungen.

Sedierung oder Lachgas

Es gibt Möglichkeiten der Sedierung oder der Lachgasbehandlung. Diese werden oft als Zwischenstufe zwischen lokaler Betäubung und Vollnarkose bezeichnet und können die Behandlung erträglicher machen. Sprechen Sie den jeweiligen Behandler an.

Vollnarkose

Eine Vollnarkose ist bei Patientin mit extremer Angst oder bei größeren Eingriffen wie Weisheitszahnentfernungen anzuraten. Sie bekommen in diesen Fall nichts von der Behandlung mit. Eine Vollnarkose ist nicht zu empfehlen, wenn es sich um kleinere Behandlungen wie Füllungen handelt, da die Narkose selbstverständlich auch mit Risiken und Nebenwirkungen behaftet ist. Diese sind zwar nicht gravierend, sollten aber wann immer möglich vermieden werden. Dennoch kann eine Narkose in speziellen Fällen durchaus Sinn machen.

Quellen:

[1]https://www.dgzmk.de/uploads/tx_szdgzmkdocuments/Zahnaerztliche_Behandlung_in_der_Schwangerschaft_2001.pdf

[2]https://www.dgzmk.de/uploads/tx_szdgzmkdocuments/Verkehrstauglichkeit_nach_Lokalanaesthesie.pdf

Wir stellen unsere Informationen mit größter Sorgfalt zusammen, können aber niemals für Vollständigkeit oder Richtigkeit garantieren. Sie sollten sich IMMER mit dem behandelnden Arzt über die geplante Schritte vor Ort in einem persönlichen Arzt-Patientin Gespräch aufklären lassen.
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Auf dem Gebiet der Medizin befindet sich alles im ständigen Wandel, sodass verschiedene Informationen bereits veraltet sein können, wenn Sie diesen Artikel lesen.

Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

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