Ist eine Weisheitszahn Entfernung wirklich immer notwendig?


Ist eine Weisheitszahnentfernung wirklich immer notwendig

Die Weisheitszahnoperation ist in Deutschland eine der häufigsten durchgeführten ambulanten operativen Eingriffe. Die Folgen des Eingriffs sind für einige Tage recht unangenehm und viele Patienten stellen sich die Frage, ob eine Entfernung immer zwingend notwendig ist?

Die Entfernung der Weisheitszähne ist in den meisten Fällen durchaus sinnvoll und sollte wenn möglich zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr erfolgen. Häufig bietet der Kiefer nicht ausreichend Platz für die Zähne, was zu Schädigungen der Nachbarzähne, Druckschmerz oder Entzündungen führen kann. Diese Symptome treten oft erst im fortgeschrittenen Alter auf, dennoch ist eine Entfernung aufgrund der geringeren Komplikationsgefahr im jüngeren Alter absolut zu empfehlen.

Jede Situation sollte natürlich durch ein Arzt-Patient Gespräch individuell beurteilt werden.
Weisheitszähne werden auch als „Achter“ bezeichnet, da sie den achten Platz in jedem Quadranten des Mundes einnehmen.

In folgenden Fällen ist eine Weisheitszahnentfernung sinnvoll:

Entzündungen und Infektionen

Eine recht häufige Situation, die beobachtet werden kann, ist der teilweise Durchbruch der Weisheitszähne in die Mundhöhle. Diese ist daran zu erkennen, dass der Zahn nur mit einer Spitze oder zur Hälfte in der Mundhöhle sichtbar ist, der übrige Teil des Zahnes aber noch unter dem Zahnfleisch versteckt ist. Bakterien und Speisereste können sich so leicht unter der sogenannten „Zahnfleischkaputze“ oder auch „Zahnfleischtasche“ sammeln und dort entzündliche Reaktionen auslösen. In Fachkreisen wird das als Dentitio difficilis bezeichnet.

Die typischen Symtpome sind eine leichte Rötung und auch Schwellung des Zahnfleisches. Dazu kommen meist Starke, sehr unangenehme Schmerzen. Häufig bildet sich auch eitriger Ausfluss in der Tasche. Sollten Sie zu lange warten, kann sich diese Entzündung auch bis hin zum Abszess ausweiten und dann zu ernsten Problemen führen.

Der Zahnarzt kann hier direkt helfen: Die Tasche muss gereinigt und gespült werden. Dazu kann mit Hilfe von sogenannten „Scalern“ die Tasche ausgekratzt werden und mit einer Spüllösung desinfiziert werden. Die Einlage einer Salbe kann zur Unterstützung Sinn machen. In etwas schwerwiegenderen Fällen sollte zusätzlich ein Antibiotikum verordnet werden. Sollte bereits ein Abszess entstanden sein, so sollte dieser Eröffnet werden.

Die Zahnfleischtasche wird langfristig nur dann eliminiert, wenn der schuldige Zahn entfernt wird. Bei kleineren Zahnfleischüberschüssen, kann es allerdings auch ausreichen, diese zu entfernen.

Zahnfleischüberschuss entfernen:

Es gibt mehrere Wege das überschießende Zahnfleisch, oft auch als Zahnfleischkapuze bezeichnet, zu entfernen.

Wegschneiden: Der Überschuss kann mittels Skalpell weggeschnitten werden. Dies ist der klassische und am meisten durchgeführte Vorgang.

Laser: Die Zahnfleischkapuze kann mittels Laser entfernt werden. Laser arbeiten blutungsfrei. Nachteil: Hier können unter Umständen private Kosten entstehen.

Zystenbildung

Weisheitszähne können in einigen Fällen Zysten um die Zahnkrone herum ausbilden. Diese Zysten werden als follikuläre Zysten bezeichnet und wachsen zunächst unbemerkt. Follikuläre Zysten können sehr groß werden und benachbarte Strukturen, zum Beispiel die Zähne dauerhaft schädigen.

Die Ausbildung einer Zyste kann unterschiedlich lange dauern, in viele Fällen kann diese allerdings durch regelmäßige röntgenologische Kontrolle frühzeitig erkannt werden. Im Anfangsstadium kann eine leichte „Blase“ um die Zahnkrone ausgemacht werden, die als „Perikoronale Aufhellung“ bezeichnet wird. Häufig ein Hinweis auf eine mögliche Zystenbildung.

Druckschmerz und Spannungsgefühl

Weisheitszähne können Druck und Spannungsgefühle auslösen, die zu starken Kopfschmerzen führen. Diese können phasenweise oder auch dauerhaft vorliegen und so die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

Weisheitszähne haben, wie bereits angesprochen, häufig nicht ausreichend Platz im Kiefer, sodass es zu sehr engen Lagebeziehungen der Zähne kommt. Die Weisheitszähne drücken gegen die benachbarten Zähne, was zu dem beschriebenen Druck und Spannunsgefühl führt. Wird dieser Druck immer stärker entwickeln sich daraus Kopfschmerzen. Zur akuten Behandlung dieser Situation kann es sinnvoll sein Schmerzmittel einzunehmen. Die Schmerzen vergehen allerdings erst dann dauerhaft, wenn die Zähne entfernt wurden.

Schädigung der Nachbarzähne

Weisheitszähne die sich im Kiefer befinden, können die Nachbarzähne dauerhaft schädigen. Das passiert meist durch eine zu enge Lagebeziehung der Zähne zueinander:

Der Weisheitszahn kann den Zahnhalteapparat des bleibenden Backenzahnes schädigen, indem die Zahnkrone oder auch die Zahnwurzeln zu dicht an den empfindlichen Strukturen zum liegen kommen. Wird der Achter letzendlich entfernt, so liegt die hintere Wurzel des Backenzahnes unter Umständen frei.

Außerdem kann eine zu enge „Nachbarschaft“ dazu führen, dass der Weisheitszähn die Wurzel des bleibenden Backenzahnes „anknabbert“, in Fachkreisen wird von „Resorption“ gesprochen. Werden die Weisheitszähne zu spät entfernt, dann ist in solchen Fällen gelegentlich eine Wurzel des nebenstehenden Zahnes nicht mehr vorhanden. Um solche Schädigungen zu verhindern sollten die Achter frühzeitig entfernt werden.

Weisheitszähne sind nicht erhaltungswürdig

Weisheitszähne können wie alle anderen Zähne auch erkranken.

Karies

Durch Karies wird die Zahnhartsubstanz geschädigt. Häufig sind die Weisheitszähne betroffen, da diese weit hinten im Kiefer lokalisiert sind. Die Möglichkeit der Reinigung sind deutlich schlechter als bei den weiter vorne befindlichen Zähnen. Durch Karies entsteht ein „Loch“ im Zahn, dass Schmerzen verursachen kann. Spätestens sobald die Karies an den Zahnnerv vorgedrungen ist, wird dies der Fall sein.

Der Weisheitszahn schiebt sich aus dem Kiefer

In einigen Fällen schieben sich die Weisheitszähne aus dem Kiefer, sie werden „länger“. Das passiert immer dann, wenn der obere Weisheitszähne keinen Gegenspieler hat und somit die Abstützung fehlt. Diese Situation wird spätestens dann problematisch, wenn Sie sich mit dem Zahn auf den Gegenkiefer beißen. Der Vorteil hier: Die Zähne sind in der Regel sehr leicht zu entfernen, da Sie ja schon ein Stück weit aus dem Kiefer gewachsen sind. Diese Situation wird auch als „Elongation“ des Zahnes beschrieben und kommt sehr viel häufiger bei Oberkieferzähnen als im Unterkiefer vor.

Weitere Erkrankungen wie die Entzündung des Zahnhalteapparates bei Weisheitszähnen sind zwar weniger häufig und typisch, allerdings ebenfalls möglich.

Zahnstellung suboptimal

Durch einen Platzmangel im Kiefer finden die Weisheitszähne häufig nicht ihre gewohnte Position in der Zahnreihe. Dies kann dazu führen, dass die angesprochenen Zähne schräg stehen und so beispielsweise Weichgewebsstrukturen in unmittelbarer Nachbarschaft schädigen. Das typische Beschwerdebild sind Einbisse in der Wange, die sehr schmerzhaft sein können.

Prophylaktische Entfernung

Aufgrund der weiter oben aufgezählten Gründe sollten Weisheitszähne entfernt werden. Doch häufig liegen zum Zeitpunkt der Entfernung noch gar keine Beschwerden vor. Dennoch kann durch die Lage der Zähne im Röntgenbild meist schon geahnt werden, ob die Zähne in der Zahnreihe ausreichend Platz haben werden. Lassen Sie einen Zahnarzt, Oralchirurgen oder Kieferchirurgen die Zähne beurteilen.

Im Zweifel würde ich dazu tendieren, die Zähne entfernen zu lassen, da diese im jungen Alter deutlich einfach und komplikationsfreier herausoperiert werden können. Der optimale Zeitpunkt zur Operation liegt meistens zwischen dem 15-19 Lebensjahr. Im höheren Alter können die Zähne selbstverständlich immer noch herausoperiert werden.

Wann ist eine Weisheitszahnentfernung nicht sinnvoll?

Die Weisheitszahnentfernung macht immer dann KEINEN Sinn, wenn die Zähne ohne Probleme ihre optimale Position in der Zahnreihe finden.

Entwicklungsgeschichtlich bedingt ist das allerdings immer seltener der Fall, da der Kiefer des Menschen sukzessive kleiner wird und daher weniger Platz für die Weisheitszähne bietet. In ferner Zukunft werden vermutlich weniger Weisheitszähne angelegt sein, da diese in vielen Fällen überflüssig sind.

Ein weiterer sehr ausführlicher Artikel zum Thema Weisheitszahnentfernung mit allen Informationen um die Operation herum finden Sie hier:

Weisheitszahnentfernung – Antworten ohne Mythen und Panikmache

Quellen:

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/007-003.html Aktuelle Leitlinie der AMWF erstellt durch die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG).

Als pdf ist die Leitlinie hier zu finden: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/007-003l_S2k_Weisheitszahnentfernung_2019-08.pdf

Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

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