Milchzahn unter Eiter – Wie helfe ich meinem Kind?


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Ihr Kind klagt über Beschwerden beim Essen oder nimmt weniger Nahrung zu sich ohne offensichtlichen Grund? Sprechen Sie das Kind auf die Zähne an und versuchen Sie so, dass Problem ausfindig zu machen.

Milchzähne können oft Auslöser für Schmerzen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich sein. Sie sind wesentlich weniger widerstandsfähig als die Zähne eines Erwachsenen und anfälliger für Karies. Vor allem wenn bereits Behandlungen an den Milchzähnen durchgeführt worden sind, ist es durchaus möglich, dass bereits behandelte Zähne beginnen zu schmerzen. Das könnte daran liegen, dass die Füllung die sich im Zahn befindet sehr nah am Zahnmark lokalisiert ist. Milchzähne haben sehr ausgedehntes Zahnmark und ist daher schnell betroffen.

Lesen Sie in diesem Artikel wie Sie erkennen, dass ein Problem vorliegt und was sie gegen die akuten Schmerzen tun können. Sie sollten in jedem Fall den Zahnarzt aufsuchen, dieser kann meist schnell für Besserung sorgen.

Wenn Sie langfristig eine optimale Mundhygiene beim Ihrem Kind erzielen wollen, sollten Sie sich diesen Artikel zum Thema „optimale Mundygiene“ anschauen. Wieterhin sollten Sie erwägen verschiedene Produkte für die Zahnpflege einzusetzen, die wir Ihnen HIER empfehlen.

Wieso bilden sich Entzündungen an Milchzähnen?

Es gibt ganz eindeutige Gründe für die Bildung von eitrigen Entzündungen an den Milchzähnen ihres Kindes:

Karies

Löcher in den Zähnen, die auch als Karies bezeichnet werden, sind der häufigste Grund für eine Entzündung. Die Karies dringt so weit in den Zahn vor, bis sie zum Zahnmark (Zahnnerv) gelangt. Der Zahnnerv stirbt durch die Bakterien ab und sie können ungehindert in die Tiefe vordringen.

Füllungen

Wird die Karies rechtzeitig erkannt, so kann eine Füllung beim Zahnarzt durchgeführt werden. In einigen Fällen sind die Füllungen allerdings so tief, dass diese sich bereits unmittelbar vor dem Zahnnerv befinden. Dieser wird durch die Behandlung dauerhaft geschädigt und stirbt ebenfalls ab.

Bruch des Zahnes

In wesentlich weniger Fällen kann auch der Bruch (Fraktur) des Zahnes für die Entzündung verantwortlich sein. Durch externe Gewalteinwirkung wie beispielsweise einem Unfall aber auch durch Zerbeißen zu harter Lebensmittel können Zähne frakturieren. Durch den so entstandenen Spalt können Bakterien ebenfalls „in die Tiefe“ eindringen. Die Bakterien gelangen bis zum Kieferknochen und lösen dort Entzündungen aus.

Wie erkenne ich das ein Milchzahn unter Eiter steht?

Eitriger Milchzahn

Zunächst sollten Sie das Verhalten ihres Kindes genau beobachten. Das offensichtlichste Symptom ist wohl die verminderte Nahrungsaufnahme. Zähne die auf Eiter sitzen sind extrem druckempfindlich. Das liegt daran, dass sich der Eiter meist an der Zahnwurzelspitze befindet und bei jeder Belastung in die Entzündung hinein „gedruckt“ wird.
Auch wenn Ihr Kind plötzlich weniger trinkt, kann das ein Anzeichen für einen entzündeten Zahnnerv sein. Die Zähne werden unter Umständen temperaturempfindlich und schmerzen dann bei der Aufnahme von heißen und kalten Getränken.

Schauen Sie in den Mund des Kindes und achten Sie zunächst auf braune, dunkle Löcher. Das sind kariöse Stellen die häufig durch übermäßigen Zuckerkonsum und schlechter Mundhygiene ausgelöst werden. Sobald die Karies so weit fortgeschritten ist, dass Sie bis zum Zahnnerv vorgedrungen ist, beginnen die Schmerzen.
Überlegen Sie ob in letzter Zeit Behandlungen an den Zähnen durchgeführt wurden. Tiefe Füllungen sind häufig Auslöser für starke Beschwerden und die Bildung von Eiter am Zahn.

In vielen Fällen lässt sich der Eiter entweder an einer Schwellung, ein sogenannter Abszess, oder aber an einem kleinen Eiterpickel im Zahnfleisch in der Nähe des Zahnes erkennen. Dieser Eiterpickel wird auch Fistel genannt.

Befragen Sie ihr Kind. Wo tut es weh? Je nachdem wie alt das Kind ist können sie meistens sehr genau zeigen wo die Schmerzen herkommen.

Abszess – Akute Behandlung nötig!

Sollte Ihr Kind an einer Schwellung leiden, die rot, warm und schmerzhaft ist, so handelt es sich meistens um einen Abszess. Ein Abszess ist eine Eiteransammlung, die durch Entzündung und Gewebszerstörung (Gewebseinschmelzung) entsteht. Abszesse sind nicht zu unterschätzen und können extrem gefährlich werden! Die Schwellung muss sofort behandelt werden.
Wenn ein Abszess behandelt wird werden immer zwei Ziele verfolgt:

  1. Die Ursache beheben: In unserem Fall muss der Milchzahn entfernt werden..
  2. Den angesammelten Eiter durch einen kleinen Schnitt abfließen lassen.

Nach der Behandlung wird meistens noch ein Antibiotikum verschrieben. Die Bestimmung des Präparates und der Dosierung erfolgt anhand des Alters und des Körpergewichts des Kindes.

Was tun bei einer Fistel?

Sollte Ihr Kind einen kleinen Eiterpickel im Mund haben, ist dies meist weniger schmerzhaft als ein Abszess. Eine Fistel ein „Gang“ oder „Kanal“ der von der Entzündung, also meistens der Zahnwurzel bis zum Zahnfleisch führt. Über diesen Gang entleert sich der Eiter der Entzündung in die Mundhöhle. Das hat den Vorteil, dass es (vorübergehend) nicht zum Abszess kommt. Auch wenn ihr Kind keine Schmerzen hat, zeigt eine Fistel akuten Behandlungsbedarf an.

Wie sollte ein entzündeter Zahn behandelt werden?

Das Kind mit einer akuten Entzündung zu behandeln kann eine schwierige Angelegenheit sein, da durch die Schmerzen oft eine mangelnde Kooperationsbereitschaft besteht. Die Ursache für die Entzündung ist der Zahn, der also in jedem Fall entfernt werden sollte. Ist dies zunächst nicht möglich, so muss der Zahnnerv eröffnet werden. Wenn Zähne bereits unter Eiter stehen, ist das Zahnmark oder der Zahnnerv bereits abgestorben. Daher ist die langfristige Erhaltung des Zahnes nicht mehr möglich.

Sollte die Zahnentfernung im Zustand der akuten Entzündung nicht vorgenommen werden können, ist es vorübergehend in Ordnung den Zahn offen im Mund zu belassen. Dazu sollte eine antibiotische Abschirmung erfolgen. Je nach Situation ist es ebenfalls notwendig den Abszess aufzuschneiden.
Sobald die Situation nicht mehr akut ist, sollte der Zahn entfernt werden.

Auch Zähne mit Fisteln müssen aus dem Mundraum entfernt werden, da diese langfristig zu Schädigungen an den bleibenden Zähnen führen können. Durch Entzündungen am Milchzahn können Strukturen der bleibenden Zähne verändert werden, diese Zähne werden dann „Turnerzähne“ genannt. Fisteln können außerdem jederzeit zu wiederkehrenden Abszessen führen, was unter allen Umständen vermieden werden sollte.

Diese Vorgehensweise wird in der Wissenschaftliche Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) vorgeschlagen und empfohlen. [1]

Was Sie tun können bis Ihr Kind beim Zahnarzt ist

Sie sehen Ihr Kind leiden aber der Zahnarzttermin ist noch mehrere Stunden entfernt. Hier finden Sie einige nützliche Tips zur schnellen Hilfe:

Eisbeutel: Das Kühlen mit einem Eisbeutel lindert die Schmerzen. Vermeiden Sie in jedem Fall Wärme, denn Wärme dehnt das Gewebe aus, was zu weiterem Druckschmerz führt.

Hausmittel:

Pflanzliche Mundspülungen oder Tees wie Kamillentee sind leicht entzündungshemmend und können für eine vorübergehende Besserung des Schmerzes sorgen.

Nelkenöl ist ein sehr wirkungsvolles entzündungshemmendes, pflanzliches Hausmittel, welches unmittelbar empfindliche Zähne beruhigt. Sie können auch eine Nelkenblüte in den Mund legen und das Kind darauf kauen lassen.

Zwiebelwickel sind bekannt um Ohren und Halsschmerzen zu kurieren, können aber auch im Falle von Zahnschmerzen angewendet werden. Da sie ebenfalls antibakterielle Eigenschaften vorweisen, sollten die Zwiebel in kleine Stücke schneiden und dem Kind zum Kauen in den Mund legen.

Salzspülung: Das Salz hat eine antibakterielle Wirkung. Das Kind sollte die Salzlösung allerdings nicht trinken, lediglich für etwa zwei Minuten im Mund behalten und danach ausspülen.

Narkose

Sollte sich Ihr Kind unter keinen Umständen in lokaler Betäubung behandeln lassen, besteht die Möglichkeit zu einem speziell auf Kinder ausgerichteten Zahnarzt zu gehen. Sogenannte Kinderzahnärzte sind spezialisiert auf schwierige Behandlungssituationen und könne diese meistens gut handeln.

Sollte auch dieser Versuch scheitern, so muss überlegt werden ob eine Behandlung unter Narkose für das Kind am besten geeignet wäre. Insbesondere wenn mehrere Zähne behandlungsbedürftig sind, so sollte diese Möglichkeit in Betracht gezogen werden.

Zahnlücke, was jetzt?

Sie haben sicher schon davon gehört, dass nach Milchzahnentfernungen Platzprobleme der bleibenden Zähne auftreten können. Das ist in jedem Fall richtig und kann durch einen Platzhalter verhindert werden. Platzhalter werden entweder durch den Hauszahnarzt oder aber durch einen Kieferorthopäden hergestellt. Stellen Sie ihr Kind nach erfolgreicher Sanierung beim Kieferorthopäden vor und besprechen Sie das weitere Vorgehen.

Quellen

[1]https://www.dgzmk.de/uploads/tx_szdgzmkdocuments/2011-03-25_Stellungnahme__MZ-Endo_korrigiert.pdf

Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

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