Parodontitis (Parodontose) selber erkennen und behandeln


Parodontitis erkennnen und behandeln groß

Hilfe meine Zähne werden locker!

Wieso passiert das und was kann ich tun? Vermutlich leiden Sie unter einer Form der Parodontitis, die umgangssprachlich immer wieder (fälschlicherweise) als Parodontose bezeichnet wird. Diese Erkrankung ist wesentlich schwieriger zu verstehen als andere Erkrankungen der Zähne(wie zum Beispiel Karies) und deswegen ist es umso wichtiger sich selber zu informieren und seinen Wissensschatz zu erweitern.

Das Wort Parodontitis setzt sich aus dem Wort „Parodont“ – Zahnhalteapparat und der griechischen Endung „-itis“ zusammen. Parodontitis ist demnach die Entzündung des Zahnhalteapparates. Der Zahnhalteapparat besteht aus Kieferknochen, Zahnfleisch, Bindegewebsfasern und Wurzelzement. Alle diese Strukturen werden durch die Entzündung zerstört und können so Ihre Funktion nicht mehr ausreichend wahrnehmen. Das Zahnfleisch schwillt an, ist meist stark gerötet und schmerzt. Die Zähne werden als Folge häufig locker. Unbehandelt kann die Erkrankung zu Schwellungen, Abszessen, Zahnfleischbeschwerden und Zahnverlust führen.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie bereits die ersten Zeichen von Parodontitis erkennen können und wie Sie selber und Ihr Zahnarzt die Erkrankung behandeln sollten.
Eine wichtige Information vorab: Falls Sie einmal Parodontitis Patient sind, bleiben Sie das für den Rest Ihres Lebens! Ihre Mitarbeit ist der entscheidende Baustein einer erfolgreichen Therapie!

Was ist Parodontitis (umgangssprachlich Parodontose)?

Klinische Parodontitis
Sie erkennen geschwollenes und gerötetes Zahnfleisch verursacht durch eine Entzündung am Zahnhalteapparat.

Als Parodontitis wird die Entzündung des Zahnhalteapparates beschrieben. Doch welche Strukturen gehören eigentlich zum Zahnhalteapparat?
Der Zahn ist über verschiedene anatomische Strukturen in seinem Knochenfach verankert. Vereinfacht ausgedrückt besteht der Zahnhalteapparat aus dem Kieferknochen, dem Zahnfleisch, der Wurzelhaut und dem Zahnzement. Diese Strukturen sorgen für die Stabilität des Zahnes in der Mundhöhle.
Es reicht für den Einstieg allerdings, wenn Sie sich folgendes Bild machen: Der Zahn ist über Bindegewebe im Knochenfach befestigt und im Bereich des Zahnhalses lagert sich das Zahnfleisch an den Zahn an. Falls Sie Ihr Wissen über den Zahnaufbau nochmals auffrischen wollen, so können Sie sich diesen Artikel anschauen.

Zahnhalteapparat schematisch gezeichnet
Der gesunde und der erkrankte Zahnhalteapparat schematisch dargestellt.

Im ersten Schritt sollten Sie sich zunächst die linke Bildhälfte ansehen. Sie können den Zahn und die gesunden Strukturen des Zahnhalteapparates erkennen. In der rechten Zeichnung des Bildes sehen Sie das Krankheitsbild der Parodontitis. Sofort fällt das entzündete, stark gerötete Zahnfleisch ins Auge. Die Ursache der Parodontitis ist die sichtbare Plaque und der Zahnstein der den Zahn befallen hat. Weiterhin wird ersichtlich, dass sich Zahnfleischtaschen bilden. Das Bild zeigt lediglich den Beginn der Erkrankung, an diesen Punkt reicht es allerdings aus den Aufbau des Zahnhalteapparates verstanden zu haben.

Wenn die beschriebenen Strukturen abgebaut oder zerstört werden, so verliert der Zahn langfristig an Stabilität und wird locker. Dieser Lockerungsgrad kann von Zahnarzt oder Patientin festgestellt werden. Warum das genau passiert, wird im weiteren Verlauf des Artikels genau beschrieben.

Dieses Video gibt einen kurzen Überblick über das Krankheitsbild „Parodontitis“.

Arten der Parodontitis

In der Medizin wimmelt es von lateinischen Fremdwörtern und Begriffen, die für Laien häufig schwer zu verstehen sind. Damit Ihnen die Bedeutung eines wichtigen Unterschiedes klarer wird, wird dieser hier kurz angesprochen:

Die an der Wurzelspitze befindliche Entzündung wird auch Parodontitis apicalis genannt und hat mit der „Parodontose“ nichts zu tun. Diese kann durch eine Wurzelbehandlung behandelt und therapiert werden.

Der vorliegendem Artikel behandelt die Parodontitis marginalis, die Entzündung des Zahnfleischs und Zahnhalteapparates. Um keine Verwirrung zu stiften, wird diese fortlaufend nur als Parodontitis bezeichnet.

Ursachen der Parotontitis

Die Ursache der Entzündung des Zahnhalteapparates sind Bakterien, die sich über eine längere Zeitraum in der Nähe des Zahnfleisches befinden. Der Beginn der Erkrankung wird in den meisten Fällen durch eine mangelnde Mundhygiene ausgelöst. Als Folge nicht optimalen Zahnreinigung kommt es zur Ansammlung von Belägen und Zahnstein an den Zahnoberflächen.
Der Zahnbelag, auch als Plaque oder Biofilm bezeichnet, löst Abwehrreaktionen des Körpers aus, die durch angeschwollenes, rötliches Zahnfleisch sichtbar werden. Diese typischen Entzündungszeichen werden zunächst als Zahnfleischentzündung (Gingivitis) bezeichnet. Im gezeigten Bild sind gelbliche Beläge an nahezu allen Zähnen zu erkennen, die das gerötete Zahnfleisch im gesamten Mundraum verursachen. Dieses Stadium der Zahnfleischentzündung ist das Frühstadium der Parodontitis.

Zahnfleischentzündung

Sollte auch jetzt die Ursache, also der Zahnbelag, nicht entfernt werden, so dehnt sich die Entzündung auf die umliegenden anatomischen Strukturen wie die Wurzelhaut und den Kieferknochen aus. Zunächst bilden sich tiefe Zahnfleischtaschen, da sich dass Gewebe vom Zahn löst. Diese tiefen Taschen bieten wiederum die optimalen Bedingungen für einen starken bakteriellen Befall und zusätzliche Plaqueanlagerung. In diesem Stadium können Sie alleine nicht mehr gegen die Erkrankung ankämpfen. Spätestens jetzt benötigen Sie einen Zahnarzt, der die Taschen unter Betäubung säubert., da Ihre Zahnbürste die Taschen nicht erreicht. Dieses Vorgehen wird als Parodontitis Therapie bezeichnet und wird meist zum großen Teil von der Krankenkasse übernommen.

Parodontitis Folgen und Ursache
Die unterschiedlichen Stadien der Parodontitis schematisch dargestellt. Im Text erfahren Sie die genauen Details zu den jeweiligen Auswirkungen.

Sollten Sie Ihre Erkrankung weiterhin ignorieren, dann wird sich der Kieferknochen im Zuge der Entzündung zurückziehen. Jetzt ist die Parodontitis röntgenologisch sichtbar und diagnostizierbar. Wenn Sie in diesem Stadium nicht handeln, so werden Ihre Zähne locker und fallen letztendlich aus. Weitere Symptome können eitrige Schwellungen (Abszesse) sein, die zu starken Beschwerdebildern führen können.

Wie wird die Parodontitis behandelt?

Parodontitis Behandlung mit Ultraschall
Ultraschallgerät zum säubern der Taschentiefe.

Der wichtigste Schritt ist, alle möglichen Entzündungsquellen vollständig zu eliminieren. Regelmäßig durchgeführte Zahnreinigungen beim Zahnarzt sind sinnvoll. Die Häufigkeit sollte individuell von der bestehenden Situation und auch der eigenen Mundhygiene abhängig gemacht werden, minimal sind aber zwei Termine im Jahr Pflicht. Zwei mal im Jahr sollten generell alle Patienten Zahnreinigung und Prophylaxe Termine wahrnehmen.

Sollte sich bereits eine Parodontitis manifestiert haben, könnte eine Zahntaschenreinigung unter Betäubung sinnvoll sein. Dabei ist es dem Behandler möglich, unterhalb des Zahnfleisches die Bereiche des Zahnes zu säubern, die der Patient selbst nicht mehr reinigen kann. Diese Behandlung wird klassisch als Parodontitis-Therapie bezeichnet.

Parodontitis Therapie

Parodontitis Behandlung mit Kürette
Reinigung der Zähne mittels „Handinstrumenten“ wie der Kürette.

In der ersten Sitzung muss die Parodontitis Erkrankung genau untersucht werden. Dafür wird zunächst ein Röntgenbild erstellt, auf dem der Knochenverlauf dargestellt werden kann. In diesem Bild ist deutlich ersichtlich, in wie weit sich der Knochen bereits zurückgezogen hat. Zusätzlich wird die Tiefe der Zahnfleischtaschen gemessen und notiert. Weitere Risikofaktoren wie Diabetes, erbliche Ursachen und auch der Zigarettenkonsum werden dokumentiert.

In der nächsten Phase wird versucht, die Mundhygiene des Patienten zu optimieren. Diese Phase wird durch die professionelle Zahnreinigungen unterstützt.

In den folgenden zwei Sitzungen erfolgt eine gründliche Zahnreinigung unter Betäubung. Dazu wird ein Teil des Mundes betäubt und der Zahnarzt kann jetzt die Zahnfleischtaschen reinigen. Gereinigt wird in den meisten Fällen mit dem Ultraschallgerät, dass auch bei der Zahnreinigung eingesetzt wird. Zusätzlich gibt es sogenannte „Küretten“, dass sind einseitig scharfe Instrumente, zum „Freikratzen“ der Wurzeloberflächen. Am Ende der Behandlung wird ein Medikament in die Taschen eingelegt, damit das Zahnfleisch wieder vollständig ausheilen kann.

Chirurgische Behandlung

Bei weiter voran geschrittenen Krankheitsverläufen kann es sinnvoll sein, das Zahnfleisch zur Seite zu legen, um die Zahnoberfläche unter Sicht zu säubern. So hat der Zahnarzt mehr Kontrolle über ein erfolgreiches Behandlungsergebnis. Dieses Verfahren wird als offene chirurgische Taschenreinigung bezeichnet. Das Verfahren macht Sinn, falls die normale Behandlung nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat oder aber die Zahnfleischtaschen sehr tief sind (ab 6 mm Taschentiefe).
In der Regel werden einzelne Zahnfleischtaschen seperat chirurgisch behandelt.

Vereinzelte Taschen können mit Emdogain und Knochenersatzmaterial aufgefüllt werden. Dieses Vorgehen ist allerdings finanziell aufwendig und hat nur in bestimmten Situationen die Chance auf Erfolg. Sprechen Sie hier ausführlich mit Ihrem Zahnarzt.

Der wichtigste Baustein der Behandlung sind SIE!

Wenn Sie von Parodontitis betroffen sind, so müssen Sie ihre innere Einstellung gegenüber der Mundhöhle und Ihren Zähnen verändern. Dieser Schritt ist unerlässlich und wird von vielen Patienten aber auch Behandlern unterschätzt. Wenn Sie Ihre Mundhygiene nicht verbessern verlieren Sie langfristig Ihre Zähne. Viele Patienten beschäftigen sich nicht ausreichend mit diesem Thema und verstehen erst zu spät wieso eine optimale Mundhygiene der Schlüssel zum Erfolg ist.

Zunächst müssen Sie die Erkrankung verstehen, dass versuchen Sie grade, sonst wären Sie nicht hier. Akzeptieren Sie den Fakt, dass Sie alleine die Verantwortung für Ihre Zähne haben. Hören Sie auf, allgemeine (Stammtisch)-Floskeln wie „Zahnreinigung macht die Zähne schlechter“ oder „Es gibt keine Studien die die Wirkung der Zahnreinigung verbessern“ ernst zu nehmen. Überlegen Sie sich bitte mit Ihrem gesunden Menschenverstand, ob saubere Zahnoberflächen gut für Ihre Mundgesundheit sind oder nicht? Als positiv festzuhalten ist, dass sich viele Medien und auch die Krankenkassen intensiv mit der Wirkung der Prophylaxe beschäftigen und zu positiven Ergebnissen kommen. [1] In dem verlinkten Artikel der Techniker Krankenkasse wird ebenfalls erwähnt, dass die Zahnreinigung keine Schäden an Zähnen verursacht.

Die Behandlung der Parodontitis endet niemals! Im Grunde beginnt diese erst mit der Wiederherstellung einer bakterienarmen Mundsituation. Der Behandlungserfolg bei der Therapie hängt zum großen Maße von der Mitarbeit des Patienten ab. Lassen Sie erneute Plaque und Bakterienbildung zu, so stellt sich umgehend die gleiche problematische Situation wie vor der Behandlung ein. Die Erkrankung schreitet bei der Wiederkehr viel schneller voran, da das Zahnfleisch eine andere Struktur aufweist als beim Gesunden.

Einstellung gegenüber der Mundhygiene

Merken Sie sich: Nur mit optimaler Mundhygiene kann ein langfristiger Behandlungserfolg erzielt werden!

Symptome bei Parodontitis?

Wenn Sie unter Parodontitis leiden, werden sich unter Umständen die im nächsten Abschnitt des Artikels vorgestellen Symptome bei Ihnen einstellen. Die Symptome können vereinzelt oder auch alle auftreten:

Rötung des Zahnfleischs

Rötung und Schwellung des Zahnfleischs ist das häufigste Zeichen einer frühen Zahnfleischentzündung, die sich unbehandelt zur Parodontitis ausweiten kann. Mit der Rötung geht auch häufig das Zahnfleischbluten beim Zähneputzen einher. Durch die stärkere Durchblutung des Gewebes bei Entzündung kommt es durch mechanische Irritation zu kleinen Blutungen. Sie müssen Ihre Zähne gründlicher sauber halten! Machen Sie sich einen Termin zur Zahnreinigung aus.

Typischer Geruch

Über die Zeit stellt sich ein säuerlicher, durchdringender Geruch aus Ihrer Mundhöhle ein, der für Sie und Ihre Mitmenschen störend sein kann. Falls Sie häufiger Mundgeruch haben, sprechen Sie ihren Zahnarzt an.

Lockerung der Zähne

Falls Sie merken, dass Ihre Zähne locker werden, so leiden Sie mit relativ hoher Sicherheit an Parodontitis. Wenn Sie die Behandlung beim Zahnarzt noch weiter aufschieben, werden Sie die betroffenen Zähne in jedem Fall verlieren. Lockere Zähne haben allgemein allerdings eine eher schlechte Prognose.

Wiederkehrende Schwellungen am Zahnfleisch und eitriger Geschmack

Häufig schwillt das Zahnfleisch und es entleert sich regelmäßig Eiter. Dieser macht sich als „komischer Geschmack“ im Mund bemerkbar.

Parodontitis Auswirkungen auf den gesamten Körper?

Parodontitis und die Allgemeine Gesundheit
Parodontitis beeinträchtigt Ihre allgemeine Gesundheit! Kümmern Sie sich rechtzeitig um eine ausreichende Behandlung.

Viele Menschen sind davon überzeugt Zähne wären für die Allgemeine Gesundheit nicht wichtig oder entscheidend. In den letzten Jahren konnte allerdings festgestellt werden, dass viele Erkrankungen im Mundbereich Auswirkungen auf verschiedene Organe des Körpers haben. Die Bakterien aus der Mundhöhle gelangen über den Blutkreislauf zu anderen Organen und können dort Schäden anrichten.

Herz-Kreislauf System

Besonders gut erforscht sind bereits die Auswirkungen der angesprochenen Bakterien auf das Herz-Kreislauf System. Es scheint, dass eine chronische Parodontitis das Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden enorm erhöht. Durch die erhöhte Verkalkung der Blutgefäße können leichter sogenannte thrombotische Ereignisse auftreten.
Weiterhin können die Bakterien unter Umständen eine Endokarditits auslösen, die Entzündung des Herzbeutels. Die angesprochenen Erkrankungen des HKS sind lebensbedrohlich.[2] [3]

Diabetes

Diabetes erhöht das Risiko an Parodontits zu erkranken. Allerdings besteht sogar eine Wechselwirkung zwischen den Bakterien der Parodontitis und dem Diabetes. Nachgewiesen wurde, dass der Blutzucker bei betroffenen Patienten wesentlich schlechter eingestellt werden konnte. [2][4]

Was können Sie tun bei Parodontitis?

Die Erkenntnis und das Verständnis der Krankheit ist hier der erste wichtige Punkt. Viele verstehen die Erkrankung nicht, sondern erkennen lediglich Symptome wie blutendes Zahnfleisch oder lockere Zähne. Wenn Sie diesen Artikel bis hierher gelesen haben, wissen sie, dass es entgegen vieler Meinungen tatsächlich notwendig ist, trotz blutendem Zahnfleisch weiter zu putzen.

Sie müssen Ihre Zahnpflege verbessern. Dazu gehört die elektrische Zahnbürste, die ein entscheidender Schritt zur optimalen Mundhygiene ist. Die Zahnbürste allein reicht allerdings nicht aus. Es ist ebenso wichtig, die Zahnzwischenräume zu pflegen. Sie sollten einmal täglich Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen verwenden.

Zusätzlich können Mundspüllösungen oder Mundwasser benutzt werden, um die Keimzahl im Mund etwas zu reduzieren und gleichzeitig den Atem frisch zu halten.

Weiterhin gilt es Risikofaktoren wie das Rauchen vollständig aufzugeben. Rauchen hat einen extremen Einfluss auf den Verlauf der Parodontitis und gilt als einer der wichtigsten Einflussfaktoren.

Welche Bakterien treten auf bei Parodontitis?

Bakterien Parodontits

Es gibt im Mundraum unzählige Bakterien, die allerdings nicht immer zwingend pathogen (krankmachend) sind. Viele Bakterien erfüllen wichtige Aufgaben zu Aufrechterhaltung des biologischen Milieus der Mundhöhle. Allerdings werden einige Bakterienarten vermehrt bei Personen gefunden, die unter Parodontitis leiden. Dazu gehören unter anderem Aggregatibacter actinomycetemcomitans (A.a.), Porphyromonas gingivalis (P.g.), Tannerella forsythia (T.f.), Treponema denticola (T.d.) und Prevotella intermedia (P.i.).

Diese Bakterien und deren Häufigkeit können mittels Keimtest beim Zahnarzt nachgewiesen werden. Diese Leistung ist zwar eine private Leistung und muss daher meistens von Ihnen bezuschusst werden, allerdings kann dieser Test durchaus Sinn machen. Der Zahnarzt führt einen Abstrich aus Ihren Zahnfleischtaschen durch, um zu untersuchen welche Bakterien dort hauptsächlich zu finden sind. Aus diesem Wissen kann eine individuell auf Sie angepasste medikamentöse Behandlung eingeleitet werden.

In bestimmten Situationen kann es daher sinnvoll sein zusätzlich zur mechanischen Parodontitistherapie (wie oben beschrieben) eine antibiotische Behandlung durchzuführen. Häufig wird eine Kombination aus Amoxicillin und Metronidazol verabreicht, sollte aber je nach Bakterienvorkommen individuell bestimmt werden. Dieser Antibiotika-Cocktail nennt sich Winkelhoff-Cocktail und kann als unterstützende Therapie durchaus Sinn machen. Eine antibiotische Behandlung alleine hat allerdings keinen Sinn, Sie benötigen immer auch eine Reinigung der Zahnfleischtaschen.

Parodontitis führt zu Zahnverlust

Zähne bei denen der Knochenabbau so weit fortgeschritten ist, dass ein Zahnerhalt nicht möglich ist, müssen entfernt werden. Dazu gehören Zähne, die trotz mehrmaliger Reinigung weiterhin stark entzündet oder eitrig sind. Ebenso müssen stark gelockerte Zähne oder Zähne, bei denen die Wurzeloberfläche zum Großteil freiliegt entfernt werden. Dennoch sollte jede Situation individuell sowohl klinisch als auch röntgenologisch beurteilt werden. In einigen Fällen kann es sinnvoll sein mittels Knochenersatzmaterial und Emdogain bereits verloren gegangenen Knochen wieder aufzufüllen.

Zähne die verloren gehen, müssen langfristig ersetzt werden. Wenn Sie in Betracht ziehen sich Implantate setzen zu lassen, dann sollten Sie zunächst die anderen Zähne behandeln lassen. Sie verlieren die Implantate ebenso wie Ihre eigenen Zähne wenn Sie nichts gegen die Entzündungen im Mundraum unternehmen.

Welches Antibiothikum sollte eingenommen werden?

Wie bereits weiter oben angesprochen ist eine Pauschalaussage hier relativ schwierig zu treffen. Je nach unterschiedlicher Ausprägung des Bakterienspektrums ist es durchaus sinnvoll Antibiotika spezifisch zu verabreichen. Dazu muss lediglich aus den Zahnfleischtaschen ein Abstrich genommen und untersucht werden. Die häufigste Kombination ist der bereits angesprochene Winkelhoff-Cocktail aus Amoxicillin und Metronidazol. Gelegentlich wird auch Clyndamycin als Mittel der Wahl verwendet.

Kann man Parodontitis vererben?

Verschiedene Studien belegen, dass eine gewisse „Neigung“ oder „Tendenz“ zu Parodontitis vorliegen kann. Betroffene Patientengruppen leiden häufiger an Zahnfleischentzündungen als andere und sollten besonders gut auf Mundhygiene und Prophylaxemaßnahmen achten. Bei entsprechender Mundhygiene ist es daher trotz erhöhtem Risiko möglich den Ausbruch der Krankheit zu verhindern oder zu kontrollieren. Dennoch sollten Patientin mit Neigung zur Parodontitis unbedingt Risikofaktoren wie das Rauchen aufgeben um keine unnötigen Krankheitsverläufe zu provozieren.

Bei absoluter Bakterienfreiheit und optimaler Mundhygiene ist es nicht möglich an Parodontitis zu erkranken. Die Abwesenheit von Mirkoorganismen ist somit eine Garantie für die Abwesenheit von Parodontitis. Sie können diese Krankheit verhindern!

Ist Parodontitis heilbar?

Parodontitis kann bis zu einem gewissen Grad der Erkrankung durch die Kombination von zahnärztlicher Behandlung und Mitarbeit des Patienten gestoppt werden. Häufig ist das Ziel der Behandlung die Situation, die beim Behandlungsbeginn vorliegt gleichbleibend über möglichst lange Zeit zu halten. Sie müssen sich bewusst machen, dass Sie sich den Rest Ihres Lebens in Behandlung befinden. Der Behandlungsaufwand ist zu Beginn etwas höher, kann bei guter Mundhygiene aber recht schnell wieder minimiert werden, sodass Behandlungsintervalle weiter auseinander liegen.

Dennoch wird sich ihr Knochenniveau nicht wieder vollständig zurückbilden. Das ist allerdings bei konstanter Situation und guter Mundhygiene auch nicht notwendig. Wichtig ist, dass die „Wundverhältnisse“ und die Entzündungen aus dem Körper eliminiert werden. Experten sprechen häufig von „Handtellergroßen“ Entzündungen die eine durchschnittliche Parodontitis verursacht. Sind Sie von diesen Entzündungen geheilt, kann von einer erfolgreichen Therapie ausgegangen werden.

Knochen künstlich wieder aufbauen

Knochenersatzmaterial einzulagern, um den durch Parodontitis geschädigten Knochen wieder aufzubauen hat nur in einigen Situationen die Aussicht auf Erfolg. Vereinfacht gesagt kann Knochen nur in Taschen eingebracht werden, die eine Art trichterförmigen Defekt haben, sodass sich um den künstlichen Knochen überall noch eigener Knochen befindet. Zusätzlich sollte unbedingt Emdogain verwendet werden, ein Protein mit exzellenten Ergebnissen. Taschen in die Knochenersatzmaterial eingelagert wird, müssen absolut sauber sein, sonst kann der Knochen unter Umständen abgestoßen werden.

Sie müssen Knochenersatzmaterial und Emdogain privat zahlen und sollten daher vor dem Start der Behandlung einen Kostenvoranschlag einholen.

Zusammenfassend ist in einigen Situationen durchaus ein Erfolg mittels Knochenaufbau zu erwarten, bei generalisiertem (dh. allgemeinem) Knochenabbau ist dies allerdings häufig nicht möglich oder sinnvoll.

Parodontitis Kosten?

Die Kosten für die „normale“ Parodontitis Behandlung werden in der Regeln von der Krankenkasse übernommen. Dafür muss ein Antrag mit den gemessenen Taschentiefen eingereicht werden. Die Kasse entscheidet dann, ob eine Behandlung gerechtfertigt ist.
Auch die chirurgische Parodontaltherapie wird nach Antrag bei der Kasse, wenn Bedarf besteht, übernommen.

Leistungen, die hohen Materialaufwand erfordern wie eine Knocheneinlagerung müssen privat gezahlt werden. Die Kombination aus dem Knochenaufbaumaterial und Emdogain kostet für eine Tasche etwa 350 Euro. Sie sehen, dass dieser Aufwand finanziell recht hoch ist. Dafür lassen sich mit Emdogain hervorragende Ergebnisse erzielen. Diese Ergebnisse wurden sogar von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bestätigt. [5]

Welche Mundspülung bei Parodontitis?

Mundspülung bei Parodontitis

Bei Parodontitis können Sie verschiedene Mundspülungen zur Reduzierung der Bakterien einsetzen. Es besteht ein unüberschaubarer Markt für Mundwasser. Hier stellen wir Ihnen zwei ausgewählte Produkte vor, die sehr gut einsetzbar sind:

Chlorhexamed

Chlorhexamed ist ein Standardpräparat, mit sehr guter Wirkung. Neben dem antibakteriellen Effekt sorgt es für einen frischen Atem und lindert so Ihre Symptome. Besonders in frühen Stadien der Zahnfleischentzündung, kann Chlorhexamed unterstützend neben der Therapie beim Zahnarzt eingesetzt werden.

Bitte verwenden Sie Chlorhexamed nicht länger als 14 Tage am Stück, sonst kann es zu Verfärbungen der Zunge und der Zähne kommen. Weiterhin kann es passieren, dass Ihr Geschmackssinn beeinträchtigt wird. Diese Verfärbungen sind zwar reversible (das heißt verschwinden wieder), sind allerdings nicht angenehm und sollten daher vermieden werden.

Listerine Total Care

Listerine Total Care ist eine gute Alternative, falls Sie dauerhaft eine Mundspülung verwenden möchten. Mit diesem Produkt können Sie die Nebenwirkungen des Chlorhexameds vermeiden und dennoch eine gute antibakterielle Wirkung erzielen.

Bitte denken Sie daran, dass Mundspülungen nicht das Putzen der Zähne ersetzen können. Sie müssen die Zähne unbedingt mechanisch reinigen, die Mundspülung ist lediglich als unterstützende Therapie gedacht. Zusätzlich zu den eigentlich Wirkstoffen sind hier noch ätherische Öle und Fluoride enthalten, die positive Auswirkungen auf die Mundgesundheit haben.

Benötige ich spezielle Zahnpasta?

In der Regel ist es wichtiger gründlich und vor allem regelmäßig die Zähne zu pflegen. Es bringt wenig, wenn Sie tagelang schlechte Mundhygiene betreiben, um dann an einem Tag 60 Minuten zu investieren.
Wer allerdings zu Parodontitis neigt und noch ein paar extra Prozent herausholen möchte, der kann zu der Meridol Parodontax greifen, bei der die Konzentration der antibakteriellen Wirkstoffe gegenüber den normalen Zahnpasten erhöht ist.

Ölziehen als Alternative Behandlungsmethode?

Ölziehen ist eine natürliche alternative Behandlungsmethode, dessen Wirkung bereits studientechnisch belegt ist. Gegen alternative Behandlungsmethoden ist absolut nichts einzuwenden, solange diese nur als Zusatz zu den bisher beschriebenen Maßnahmen erfolgen. Durch alleinige Anwendung von Ölziehen ist ein Behandlungserfolg nicht gesichert und sogar unwahrscheinlich. Nachweißlich ist allerdings, dass durch Ölziehen die Bakterienanzahl in der Mundhöhle reduziert wird und somit eine erfolgreiche Behandlung unterstützt werden kann. AUch in der Listerine Total Care sind ätherische Öle vorhanden. Ölanwendungen ersetzen nicht die täglichen übrigen Mundhygienemaßnahmen!

Welches Öl bei Parodontitis?

Bisherige Studien konnten den Erfolg von Sesam und Sonnenblumenöl belegen. Nehmen Sie einen Esslöffel nach dem Zähneputzen in den Mund und halten Sie das Öl etwa 20 Minuten in Bewegung. Spucken Sie das Öl danach aus aber spülen Sie zunächst nicht mit Wasser nach, um die Wirkdauer zu verlängern.

Take-Away-Message

Selbst wenn Sie diesen Artikel nur überflogen haben, so soll hier nochmals der wichtigste Punkt hervorgehoben werden. Parodontitis ist eine Krankheit, die sich schleichend manifestiert und schwierig zu behandeln ist. Der entscheidende Faktor in der Parodontitis-Therapie sind Sie als Patient, der durch die Mundhygiene den Erfolg maßgeblich beeinflusst. Wenn der Zahnarzt bei Ihnen eine Taschenreinigung durchgeführt hat, müssen Sie selber alles dafür tun um die Ihre Mundhygiene zu optimieren und Ihre Zähne noch viele Jahre im Mundraum zu belassen.

Literatur

Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

Recent Content