Rauchen nach der Zahnentfernung-Warum Verzicht sinnvoll ist


Rauchen nach der Zahnentfernung - Warum das sinnvoll ist

Zahnentfernungen sind häufig durchgeführte (kleinere) Operationen, die durch eine Zerstörung des vorhandenen Zahnes notwendig werden. Der meist relativ unkomplizierte Eingriff endet bei Rauchern häufig mit der Frage: „Darf ich nach der Zahnentfernung rauchen?“

Die kurze und einzig korrekte Antwort lautet: Nein, rauchen ist unter keinen Umständen erlaubt! Rauchen beeinflusst die Wundheilung negativ und kann zu ausgeprägten Entzündungen und Wundheilungsstörungen führen. Ihr Körper ist durch die Zahnentfernung ohnehin schon belastet und durch das Rauchen erschweren Sie die Wundheilung weiterhin. Verzichten Sie nach Möglichkeit bis zur vollständigen Wundheilung auf das Rauchen. Nach ca. 7 bis 10 Tagen sind die Phasen der Wundheilung soweit fortgeschritten, dass Rauchen wieder möglich wird.

Lesen Sie im folgenden Artikel warum es sinnvoll ist die Verhaltensregel zu beachten und was zu tun ist, falls Sie es doch nicht geschafft haben zu widerstehen.

Warum dürfen Sie nach der Zahnentfernung nicht rauchen?

Der Unterschied zwischen dem Tier und dem Mensch ist die beeindruckende Eigenschaft, dass der Mensch die Fähigkeit besitzt zu reflektieren und daher müsste die Formulierung eher lauten: „Warum sollten Sie nach der Zahnentfernung nicht rauchen?“ Wenn Verhaltensrichtlinien aufgestellt werden müssen diese begründet werden:

Giftstoffe der Zigarette verlangsamen die Wundheilung

Nach der Zahnentfernung oder Zahnextraktion befindet sich in der Mundhöhle eine Wunde, die in den meisten Fällen „offen“ ist. Grund dafür ist das jetzt „leere“ Zahnfach, welches nicht mit Zahnfleisch überdeckt ist. Es gibt spezielle Situationen, beispielsweise Weisheitszahnentfernungen, bei denen die Wunde dicht vernäht wird, das ist allerdings eher die Ausnahme. In beiden Fällen liegt eine Wunde vor, in die Nikotin und andere Giftstoffe der Zigarette eindringen können. Nikotin sorgt für eine temporäre Verengung der Blutgefäße (Vasokonstriktion genannt) und hemmt somit die Durchblutung. Studien gehen von 30% bis 40% Einschränkung der Durchblutung gegenüber Nichtrauchern aus. Körperabwehrzellen gelangen daher langsamer an die benötigte Stelle und die Wundheilung wird verzögert. Weiterhin gelangt weniger Sauerstoff in den Bereich der Wundfläche und die Geweberegeneration wird verlangsamt.

Das Wundkoagel kann durch Rauchen zerfallen

Nach der Zahnentfernung bildet sich ein sogenanntes „Wundkoagel“ im Zahnfach. Dieses Koagel ist vergleichbar mit dem natürlichen Wundverband auf der äußeren Haut (sehr vereinfachte Darstellung). Im Falle des Koagelverlustes kommt es zur Entzündung des Zahnfachs (in Fachkreisen auch Alveolitis genannt). Der Verlust des Koagels kann mehrere Ursachen haben, angefangen von mechanischen Ursachen bis hin zum Zerfall durch Rauchen. Das Zahnfach (die Alveole) wird dann als trockene Alveole bezeichnet und kann starke Schmerzen verursachen. Akute Alveolitis ist ein extrem schmerzhaftes Krankheitsbild, dass unbedingt vermieden werden sollte. Den „Wundverband“ stabil zu halten hat daher hohe Priorität und kann vom Zahnarzt unterstützt werden, zum Beispiel durch eine Naht oder einen Aufbisstupfer. Von Ihnen kann der Verzicht auf Zigarettenkonsum und schonen der Wunde ebenfalls dazu beitragen.

Gefahr der Blutvergiftung

Weitere Komplikationen können Abszesse oder auch infizierte Blutergüsse (Wundhämatome) sein. Im schlimmsten Fall droht durch die Kontamination der Wunde mit Giftstoffen aus den Zigaretten sogar eine Blutvergiftung. Je mehr Sie rauchen um so höher ist die Gefahr von Komplikationen.

Studienlage zum Thema rauchen nach Zahnentfernung

Um die dargestellte Argumentation zu unterstützen, sollen die folgenden Studien dienen:

Die erste Studie aus dem Jahr 2014 wurde an Ratten durchgeführt, die nach der Zahnentfernung Zigarettenrauch ausgesetzt wurden. Verglichen mit der Kontrollgruppe, den „Nichtrauchern“, konnte eine signifikante Verschlechterung des Zustands des Zahnfachs festgestellt werden. Der Heilungsprozess wurde demnach durch das Rauchen negativ beeinflusst. Interessanter Fakt: Es gab eine dritte Kontrollgruppe bei der festgestellt werden konnte, dass das Rauchen unmittelbar vor der Zahnentfernung keine negativen Auswirkungen hatte. [1] Andere Untersuchungen und auch viele Empfehlungen raten allerdings auch ein Verzicht des Zigarettenkonsums bereits einige Tage vor der Operation an.

Auch die langfristige Entwicklung ihrer Knochenstruktur kann durch das Rauchen beeinflusst werden. So zeigt eine Studie von 2012, dass die Qualität des neu entstehenden Knochens minderwertiger ist, als die von einem Nichtraucher. Grade das Rauchen in den ersten Tagen nach Zahnentfernung hat laut der Studie einen hohen Einfluss auf das Endergebnis der Knochenqualität. Dieser Umstand ist ebenfalls wichtig falls Sie ein Implantat gesetzt bekommen haben, da die Haltbarkeit unmittelbar abhängig von der Knochenqualität ist.[2]

Eine dritte Studie belegt außerdem, dass das Rauchen Einfluss auf Weichgewebsstrukturen, also das Zahnfleisch, hat. In einer Studie aus dem Jahr 2018 wurde Fibrin auf Wunden appliziert. Das Fibrin ist ein natürliches Wundheilungsprodukt. Die Gruppe der Raucher schnitt auch hier im Heilungsergebnis deutlich schlechter ab. [3] Das Krankheitsbild der Parodontitis wird durch das Rauchen deutlich verstärkt. Falls Sie Probleme mit dem Zahnfleisch haben, lesen Sie alles in unserem Artikel zum Thema Parodontitis.

Die Studienlage ist daher eindeutig und sollte in jedem Fall beachtet werden. Es gibt sicherlich weitere Studien, diese sollten allerdings als Beleg ausreichen.

Wann darf ich wieder rauchen?

In diesem Punkt treffen die Interessen des Zahnarztes auf die des Patienten. Der Patient möchte so schnell wie möglich wieder genussvoll rauchen und der Zahnarzt sieht in Zigarette den Gegner der Wundheilung.

Die Empfehlung legt 7 bis 10 Tage als Zeitraum fest, die normalerweise ausreichen sollten die nötige Wundstabilität zu erreichen. Dennoch ist jeder Einzelfall individuell zu beurteilen. Ist lediglich ein Einzelzahn entfernt worden oder wurden Reihenextraktionen oder Weisheitszähne entfernt? Je größer der Eingriff war, umso wichtiger ist die Nikotinabstinenz! Bei größeren chirurgischen Eingriffen, die sie länger als eine Woche einschränken können, sollten Sie die Abstinenz vom Zigarettenkonsum auf jeden Fall ausdehnen.

Verschiedene Phasen der Wundheilung bestimmen die Dauer der Abstinez

Die Wundheilung kann in verschiedene Phasen unterteilt werden und läuft immer nach den gleichen Prinzipien ab.

1.Die erste Phase ist die sogenannte Exsudationsphase, in der der Körper auf die frisch entstandene Wunde reagiert, indem die Prozesse der Wundheilung eingeleitet werden. Die Wunde füllt sich mit Blut und Gewebewasser und das angesprochene Wundkoagel bildet sich. Besonders wichtig ist hier, dass die Wunde sauber und ohne Manipulationen reagieren kann. Rauchen in dieser Phase ist absolut kontrainduziert, also sollte in jedem Fall vermieden werden. Diese Phase dauert ca. 8 Stunden an.

2. In der zweiten Phase, der Resorptionsphase (Tag 1 bis 3), findet die Wundreinigung und Infektbekämpfung statt. Unterstützen Sie Ihren Körper unbedingt und verzichten sie auch hier vollständig auf das Rauchen.

3. Während der Proliferationsphase (3. bis 10. Tag) sprießen neue Gefäße in die Wunde ein, dass Wundkoagel kann sich stabilisieren. Wenn diese Phase ohne Komplikationen überstanden ist können Sie langsam wieder an die Zigarette denken.

Sie sollten in jeder Phase der Wundheilung auf Ihren Körper hören. Verschlechtert der Zigarettenkonsum ihren Zustand oder führt zu stärkeren Schmerzen stoppen sie das Rauchen unmittelbar wieder.

Ich habe doch geraucht und jetzt starke Schmerzen. Was kann ich tun?

Die erste und wichtigste Maßnahme ist jetzt das Rauchen vollständig einzustellen. Jede weitere Zigarette verschlechtert Ihre Situation. Halten Sie die Wunde sauber, kühlen Sie die betroffene Seite. Die Wunde ist unter Umständen bereits entzündet.

Sie sollten umgehend Ihren behandelnden Zahnarzt aufsuchen, dieser kann den Zustand der Wunde am besten beurteilen.

Leichte Beschwerden

Nehmen Sie das Schmerzmittel ein, dass Ihnen nach der Zahnentfernung verschrieben wurde. Meistens handelt es sich um Ibuprofen oder Novalgin. Medikamente die das Blut verdünnen sollten nicht eingenommen werden.

Mittlere bis starke Beschwerden

Sollten Schmerzmittel Wirkungslos bleiben muss der Zahnarzt gegebenenfalls tätig werden:

Einlage einer Tamponade oder eines Streifens getränkt in einem Medikament. Dadurch wird die Wunde beruhigt und abgedichtet. Diese Tamponade muss täglich gewechselt werden.

Wunderöffnung: Durch die erneute Wunderöffnung wird ein neuer Wundpropf provoziert. Dadurch kann die Wunde wieder abgedichtet werden. Das Beschwerdebild sollte nach erneutem Eröffnen der Wunde relativ schnell besser werden.

Je nach Ausprägung der Entzündung muss ein Antibiotikum eingenommen werden.

Darf ich nach anderen Behandlungen rauchen?

Um diese Frage zu beantworten, muss ein Unterschied zwischen den unterschiedlichen Eingriffen getroffen werden.

Nicht das Körperinnere betreffend

Alle Behandlungen beim Zahnarzt die nicht das Körperinnere oder Gewebe betreffen fallen unter diese Kategorie. Diese Eingriffe sind weniger invasiv. Beispiele dafür wären Füllungen oder Zahnbleaching. Nach diesen Behandlungen ist eine Gefahr der Entzündung eher gering und somit kann der gewohnte Zigarettenkonsum aufrechterhalten werden.

Chirurgische Eingriffe

Bei allen chirurgischen Eingriffen wie Wurzelspitzenresektionen und Implatationen muss unbedingt auf das Rauchen verzichtet werden. Die Gründe sind natürlich dieselben wie bei der Zahnentfernung und daher sollten hier die gleichen Verhaltensregeln beachtet werden.

Wurzelbehandlungen

Nach der Wurzelbehandlung werden gelegentlich Zähne offen gelassen, sodass eine Verbindung in das Körperinnere besteht. In diesen Fällen ist rauchen ebenfalls nicht empfehlenswert.

Welche Stoffe, die in der Zigarette enthalten sind, sind gefärlich für die Wundheilung?

Für die Wundheilungsstörungen sind verschiedene Stoffe verantwortlich:

Nikotin

Nikotin wirkt, wie weiter oben bereits angesprochen, gefäßverengend. Dadurch sinkt die Durchblutung. Weiterhin werden Prozesse ausgelöst, die die Fließfähigkeit des Blutes herabsetzen, sodass die Gerinselbildung im Blut erhöht wird.

Kohlenmonoxid

Kohlenmonoxid behindert den Sauerstofftransport erheblich.

Blausäure

Blausäure unterbricht die Zellatmung.

Alle aufgeführten Stoffe lösen daher vor allem eine Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff aus, die sogenannte Hypoxie. Die Hypoxie ist dann verantwortlich für die verlangsamte Wundheilung.[4]

Dazu kommen weitere Zusatzstoffe aus der Zigarette wie tabakspezifische Nitrosamine, 3-Ethenylpyridin, Phenol, Cresol, Naphtalen, Formaldehyd und Schwermetalle. Diese alle Sorgen für eine zusätzliche Verschmutzung der Wunde.

Abschließendes Worte

Dieser Artikel soll Ihnen insbesondere Darstellen „warum“ es sinnvoll ist auf das Rauchen in den ersten Tagen nach einer Zahnentfernung zu verzichten. Dadurch steigt Ihre Motivation die für diese Lebenssituation richtige Entscheidung zu treffen.

Referenzen:


Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

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