Weisheitszahn OP – Antworten ohne Mythen und Panikmache


Die Entfernung der Weisheitszähne ist eine Routineoperation, die eine der häufigsten Eingriffe in einer oralchirurgischen Praxis darstellt. Besonders im jugendlichen Alter wird bei einer großen Anzahl Personen die Operation durchgeführt. Doch ist diese OP überhaupt zwingend notwendig? Wie läuft der Eingriff genau ab und welche Risiken sind dabei zu berücksichtigen? Alle diese Fragen und mehr werden in dem folgenden Artikel beantwortet.

Durch eine evolutionsbedingte Verkleinerung der Kiefer haben Weisheitszähne häufig nicht ausreichend Platz um Ihre regelrechte Position in der Zahnreihe einzunehmen. Durch den Platzmangel ausgelöst, kommt es oft zu Druckbeschwerden oder Zahnfleischtaschen, die unangenehme Schmerzen verursachen. Daher macht ist in vielen Fällen Sinn, die Zähne zwischen dem 15. und 19. Lebensjahr zu entfernen. In diesem Alter lassen sich die Zähne meistens recht komplikationslos entfernen, da oft noch keine langen Wurzeln vorhanden sind.

Jede Situation muss natürlich individuell beurteilt werden, eine Empfehlung kann nur mit der Beurteilung der Röntgenbilder getroffen werden.

Was sind eigentlich Weisheitszähne?

Die dritten großen Backenzähne, an letzter Stelle im Kiefer stehend werden auch Weisheitszähne genannt. Oft werden Weisheitszähne auch als Achter bezeichnet, da diese an der achten Position in der Zahnreihe stehen. Man nennt diese auch dritte großen Molaren. Anatomisch gesehen haben Weisheitszähne genau die selben Strukturen wie die anderen „großen“ Backenzähne. Die Position dieser Zähne macht sie allerdings zu etwas besonderem. Oft sind Weisheitszähne im Mundraum für einen langen Zeitraum nicht ersichtlich, da sie sich noch unterhalb des Zahnfleischs, im Kieferknochen befinden. Da sich der Platz in der Mundhöhle als nicht ausreichend darstellt, können die Zähne nicht wie gewöhnlich durch das Zahnfleisch durchbrechen. Das hat häufig eine ungewöhnliche Lage der Zähne zur Folge, bei denen in einigen Fällen nur kleine Höckerspitzen der Zähne durch das Zahnfleisch ersichtlich sind.

Weisheitszähne entwickeln sich deutlich später als die anderen bleibenden Zähne, also Folge werden Weisheitszähne erst mit 12 bis 14 Jahren röntgenologisch sichtbar. Es ist davon auszugehen, dass Weisheitszähne, die im Röntgenbild bis zum 14. Lebensjahr nicht sichtbar sind, nicht angelegt sind.

Was sind eigentlich Weisheitszähne?
In diesem Bild erkennen Sie die Weisheitszähne an der roten Markierung. Diese haben keinen Platz im Kiefer und müssen daher entfernt werden.

Warum sollten Weisheitszähne entfernt werden?

In vielen Fällen sollten vorhandene Weisheitszähne entfernt werden. Im folgenden Abschnitt wird besprochen, warum es häufig sinnvoll ist den Eingriff durchführen zu lassen. Wenn sich die Zähne aber ohne Probleme in den Zahnbogen einstellen, so besteht nicht immer zwingend die Notwendigkeit zur Operation.

Routinekontrolle durchführen lassen

Gehen Sie im Alter von 14-16 mit Ihren Kindern oder jungen Erwachsenen zum Zahnarzt und lassen Sie ein Orthopanthomogramm, dass heißt eine Übersichtsaufnahme des Kiefers und der Zähne erstellen. Oft wird eine solche Aufnahme bei laufender oder nach abgeschlossener kieferorthopädischer Behandlung ohnehin gemacht. Der Zahnarzt kann dann beurteilen ob Weisheitszähne vorhanden sind. Wenn Sie etwas Glück haben, so sind keine oder eventuell auch weniger als vier Weisheitszähne angelegt. Bei Beurteilung der Aufnahme kann der Behandler Ihnen umgehend Auskunft über die Platzverhältnisse im Kiefer geben.
Sollten Sie bereits ein höheres Alter erreicht haben gilt selbstverständlich das Gleiche. Lassen Sie röntgenologisch Prüfen ob Weisheitszähne vorhanden sind, beziehungsweise ob diese raus sollten.

Warum sollten die Zähne entfernt werden?

Der Kiefer des Menschen verlor über die letzten Jahrhunderte merklich an Größe, sodass die hintersten Backenzähne immer weniger Platz haben ihre vorgesehene Position einzunehmen. Dennoch sind bei vielen Menschen weiterhin vier Weisheitszähne vorhanden, die allerdings durch den angesprochenen Platzmangel funktionslos werden. Die Zähne liegen häufig schräg im Kiefer oder schauen nur zu einem Teil durch das Zahnfleisch durch. Dadurch können folgende Probleme verursacht werden:

  • Liegt der Weisheitszahn unter dem Zahnfleisch versteckt, so können sich Zysten um die Zahnkrone entwickeln oder der Zahn kann den Nachbarzahn schädigen. Sogenannte follikuläre Zysten können eine beträchtliche Größe annehmen und Teile des Kiefers beschädigen.
  • Häufig ist nur ein Teil des Weisheitszahnes sichtbar, der übrige Teil ist mit Zahnfleisch bedeckt. Diese Situation führt oft zu schmerzhaften Entzündungen, da sich Bakterien, Speiserest oder ähnliches in die vorhandene Zahnfleischkaputze festsetzen. Schlimmstenfalls kann dies zu schwerwiegenden Abszessen führen. Diese Situation wird Dentitio difficiles genannt und kann extrem unangenehm sein.
  • Aber auch Zahnfehlstellungen des Weisheitszahnes können zu Druckstellen in der Wange und der Zunge führen, da ein häufiger Bissverletzungen entstehen können.
  • Umstritten ist die Tatsache, ob Weisheitszähne mitverantwortlich sind für einen Zahnengstand, indem sie die übrigen Zähne zusammenschieben. Einige Studien etwa belegen, dass die Weisheitszähne eher weniger Einfluss auf einen Engstand haben, während vor allem Kieferorthopäden häufig in Sorge sind, dass die Zahnstellung nach der aufwendigen Behandlung durch die Weisheitszähne wieder verschlechtert wird.
  • Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Weisheitszahnentfernung bei Platzmangel sinnvoll ist. Häufig machen die Zähne beim Zeitpunkt der Entfernung noch keine Probleme, was eine Operation leichter und komplikationsärmer macht. Weiterhin sollten Beschwerdebilder wie Entzündungen oder Abszesse unbedingt vermieden werden, da die Operation im entzündeten Gebiet wesentlich unangenehmer ist.

Sollten Sie bereits ein höheres Alter erreicht haben, ist es nicht immer sinnvoll noch vorhandene Weisheitszähne, um jeden Preis zu entfernen. Es gibt Zähne, die vollständig im Knochen liegen und daher keinerlei Angriffsfläche für Entzündungen bieten.

Schrägstand eines Weisheitszahnes
Durch sehr enge Platzverhältnisse kann sich der Weisheitszahn nicht regelrecht in der Zahnreihe einstellen. Diese Situation muss aber bei Beschwerdefreiheit nicht zwingend operiert werden.

Zeitpunkt der Entfernung

Der optimale Zeitpunkt der Entfernung ist zwischen dem 15. und 19. Lebensjahr, da zu diesem Zeitpunkt die Zahnwurzeln meistens noch nicht vollständig ausgebildet sind und die Zähne daher in der Regel einfacher zu entfernen sind. Bis zum 30. Lebensjahr ist allerdings häufig eine sehr unkomplizierte Entfernung möglich, da der Kieferknochen noch recht weich ist. Im fortgeschrittenen Alter kommt es besonders auf die Lage der Zähne an, die den Schwierigkeitsgrad der Zahnentfernung bestimmen. Grundsätzlich ist aber festzuhalten, dass in jedem Alter jeder Zahn mit dem entsprechendem Aufwand entfernt werden kann. Hier gilt es immer das Risiko/Nutzen Verhältnis abzuwägen.

Wie verläuft die Weisheitszahnoperation?

Die Weisheitszahnentfernung ist in vielen Fällen ein recht unkomplizierter Eingriff, der auch in örtlicher Betäubung durchgeführt werden kann. Bevor der Tag der Operation ansteht, müssen Sie sich bei dem Chirurgen Ihrer Wahl vorstellen, um ein Aufklärungsgespräch zu führen. In diesem werden Sie über Ihre spezielle Situation und die Risiken und Nebenwirkungen des Eingriffs aufgeklärt. Bei diesem Gespräch können Sie auch alle weiteren Fragen stellen, die bisher noch unklar sind. Im Anschluss daran, sollten Sie sich für die Art der Operation, örtliche Betäubung oder Vollnarkose, entscheiden. Für die die Behandlung in Vollnarkose wird ein weiteres Vorgespräch mit dem Anästhesisten notwendig.

Am Operationstag sollten Sie sich bequeme Kleidung anziehen. Falls Sie sich für die lokale Betäubung entschieden haben, dürfen oder sollten Sie vor dem Eingriff ganz normal essen. Im Falle der Narkose müssen Sie natürlich nüchtern bleiben.
Sie werden zunächst eingespritzt um im Operationsgebiet das Schmerzempfinden auszuschalten.

Durch einen kleinen Schnitt wird das Zahnfleisch eröffnet und zur Seite gelegt und dadurch geschont. Der Knochendeckel, der den Weisheitszahn bedeckt wird entfernt und der Zahn wird sichtbar. Um die Zähne im Unterkiefer möglichst schonend zu entfernen, müssen diese häufig in kleinere Teile zerlegt werden. Mittels Hebel und Zange werden die Weisheitszähne aus dem Kiefer bewegt. Die Wunde wird gesäubert und gespült und anschließend vernäht. In einigen Fällen wird ein medizinischer Streifen eingelegt.
Das durch die Operation entstandene Loch im Kiefer wächst über die nächsten 6-12 Monate vollständig zu.

Um den Eingriff besser zu verstehen, binden wir hier ein kurzes Video ein. Das Video ist leicht vereinfacht dargestellt, da es nur die Zahnentfernung im ganzen beschreibt. In einigen Situationen müssen die Zähne aber, wie oben beschrieben, getrennt werden.

Lokale Betäubung oder doch lieber Vollnarkose?

Grundsätzlich ist bei einer Weisheitszahnentfernung lediglich eine örtliche Betäubung vorgesehen, dass bedeutet ein lokales Einspritzen wie bei anderen zahnärztlichen Behandlungen auch. Der Patient ist vollständig bei Bewusstsein und bekommt die einzelnen Arbeitsschritte mit. Dabei sind allerdings keine Schmerzen spürbar, lediglich Druck ist durch lokale Betäubungsmittel nicht auszuschalten. Während der Operation kann es rumpeln oder knacken. Die Durchführung des Eingriffs ist natürlich etwas unangenehm aber auszuhalten. Jeder Patient nimmt die Belastung des Eingriffs unterschiedlich wahr und die Erfahrung zeigt, dass besonders die mentale Einstellung gegenüber dem Eingriff entscheidend ist.

Die Alternative ist die Vollnarkose, die von einem Anästhesisten durchgeführt wird. Während der Narkose schlafen Sie und bekommen vom Eingriff nichts mit. Sobald Sie aufwachen sind die Zähne entfernt. Nach der Narkose müssen Sie noch eine gewisse Zeit überwacht werden und sie dürfen für 24 Stunden kein Fahrzeug führen. Mit der Wahl der Narkose kann der Eingriff für Sie also wesentlich angenehmer ablaufen, allerdings müssen Narkoseleistungen in der Regel privat bezahlt werden. Es gibt sehr schwierige Weisheitszähne, bei denen die Narkose von der Krankenkasse übernommen wird. Sprechen Sie in diesen Fällen mit Ihrem Zahnarzt.
Das Beschwerdebild nach der Operation ist in beiden Fällen das gleiche.

Eine weitere Möglichkeit ist die der Sedierung. Einige Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen bieten mittels verschiedener Medikamente eine Art Dämmerschlaf an, die für eine erträglichere Behandlung sorgen soll. Ähnlich wäre auch die Behandlung unter Lachgas.

Operationsdauer der Zahnentfernung

Die Dauer des Eingriffs ist von mehreren Faktoren abhängig und nicht generell festzulegen. Routinemäßige Eingriffe dauern nur etwa 20 bis 60 Minuten. Es gibt deutlich schwierigere Eingriffe, bei denen sich die Zahnentfernung wesentlich aufwendiger gestaltet. Hier gilt es zu überlegen, ob alle 4 Weisheitszähne gleichzeitig entfernt werden oder ob die Operation auf mehrere Termine verteilt wird.

Einer der Hauptfaktoren, an dem der Schwierigkeitsgrad bemessen wird, ist das Alter des Patienten oder der Patientin. Als Faustregel gilt, je jünger der Patient, umso leichter die Operation. Die untere Grenze liegt je nach Entwicklungsstand des Patienten zwischen 13-15 Jahren. Zwischen 15 und 19 ist meistens das günstigste Alter, wobei bis 25 meistens eine recht einfache Entfernung möglich ist. Es gibt statistische Untersuchungen, die eine signifikante Steigerung des Schwierigkeitsgrades ab dem 27-30 Lebensjahr angeben. Hierbei ist selbstverständlich festzuhalten, dass die Schwierigkeit ein subjektives Kriterium ist.

Ein weiterer Faktor, der die Operationsdauer beeinflusst ist die Zahnlage. Je komplizierter ein Zahn im Kiefer liegt, umso länger dauert der Eingriff. Zähne die sich direkt unter dem Zahnfleisch befinden und recht grade stehen sind einfacher zu entfernen als quer oder tiefliegende Zähne.

Sollten wirklich alle 4 Weisheitszähne auf einmal raus?

Alle 4 Weisheitszähne auf einmal raus?

Generell ist es heutzutage in freier Praxis üblich, alle vier Weisheitszähne zusammen zu entfernen. Das hat den großen mentalen Vorteil, dass nur eine Operation notwendig ist. Diese Variante würde ich bei mir persönlich ebenfalls bevorzugen.
Es gibt allerdings einige wenige Ausnahmen, wie beispielsweise kompliziertere Zahnentfernungen. In diesen Fällen kann es tatsächlich Sinn machen, zuerst einseitig zu operieren. Nach dem Eingriff kann so eine Seite zum Kauen genutzt werden. Eine schnelle Regeneration ist ein weiterer Vorteil.

In Narkose sollten selbstverständlich alle vier Zähne entfernt werden. Das ist zum einen weniger belastend für Ihren Körper, zum anderen werden Kosten für eine Narkose eingespart.

Verhalten nach dem Eingriff

Wange kühlen nach Weisheitszahnoperation
Ein entscheidender Faktor schneller Genesung ist das ausreichende Kühlen der Wangen.

Nachdem die lokale Betäubung nachgelassen hat, werden sich Schmerzen bemerkbar machen, die normalerweise mit Ibuprofen gut in den Griff zu bekommen sind. Alternativ oder zusätzlich kann auch Novalgin eingenommen werden. Außerdem könnte es sein, dass Sie ein Antibiotikum verschrieben bekommen, dieses wird laut der Leitlinie aus dem Jahr 2012 sogar empfohlen. [1]

Die Schwellung sollte bis zu 5 Tage ausreichend gekühlt werden. Dabei ist es wichtig den Kühlakku nicht direkt auf die Haut zu applizieren, sondern in einem Tuch einzuschlagen. Sollten Sie sich nicht an diesen Hinweis halten, kann es leicht zu Unterkühlungen oder Verbrennungen kommen.

In der Zeit nach dem Eingriff, können Sie die Zähne nicht wie gewohnt putzen. Sie sollten vor allem im Wundgebiet mechanische Belastung durch die Zahnbürste vermeiden. Daher ist es sinnvoll mit einer Mundspüllösung die Wunden sauber zu halten.

Am Tag der Op sollte Zucker in Form von (ausnahmsweise) Softgetränken wie Spezi zur Stabilisierung des Kreislaufs eingesetzt werden. Die Tage nach der Operation sollte zügig wieder mit dem Kauen begonnen werden, weiche Nudeln oder ähnliche Nahrungsmittel sind dafür geeignet. Durch die Bewegung der Kaumuskulatur wird die Durchblutung angeregt und das gesamte Beschwerdebild klingt schneller ab. Sie sollten auf sportliche Aktivitäten mindestens 1 bis 2 Wochen verzichten.

Weiterhin sollten Sie das Rauchen unterlassen, bis die Wunden vollständig ausgeheilt sind. Ein Artikel zum Thema rauchen nach einem chirurgischen Eingriff haben wir hier für sie verfasst.

Nach etwa 7-10 Tagen können im Normalfall die Fäden entfernt werden. Das Entfernen dauert nur wenige Minuten und ist in der Regel nicht schmerzhaft.

Risiken der Weisheitszahnentfernung

Über die Risiken der Weisheitszahnentfernung wird im Vorgespräch mit dem Oralchirurgen oder Zahnarzt im Detail gesprochen. Dennoch sind diese Gespräch oft so mit Informationen gefüllt, dass im Nachhinein noch Fragen entstehen können. Zur Vorbereitung oder Wiederholung hier von uns die wichtigsten Risiken:

  • Nach dem Eingriff wird es zu Schmerzen und Schwellungen im Bereich des Operationsgebietes kommen. Wie bereits oben angesprochen müssen Sie ausreichend Schmerzmittel nehmen und die Wangen gut kühlen.
  • Es kann nach dem Eingriff zu Nachblutungen kommen. Kleine Nachblutungen sind unproblematisch und können durch Sie selber gestoppt werden. Ein Waschlappen oder Taschentuch kann hier als Druckverband angewendet werden. Platzieren Sie den Waschlappen auf die Wunde und beißen Sie zu. Wenn sich im Mundbereich große Blutpfropfen bilden, müssen Sie zum Zahnarzt und die Wunden beurteilen lassen.
  • Nachbarzähne können beim Entfernen der Weisheitszähne geschädigt werden. Dieses Risiko ist vor allem davon abhängig, in welcher örtlichen Nähe die Weisheitszähne zu ihren Nachbarzähnen stehen. Dieses kann der behandelnde Arzt anhand des Röntgenbildes beurteilen.
  • Die Kieferhöhle kann beim Ziehen der oberen Zähne eröffnet werden und es entsteht eine Mund-Kieferhöhlen-Verbindung. Um die Kieferhöhle wieder zu verschließen, wird diese dann mit Schleimhaut dicht vernäht. Um eine komplikationslose Wundheilung zu ermöglichen, sollten Sie für 10 Tage auf das Schnäuzen verzichten. Ein Antibitiotikum verhindert die schädliche Bakterienbesiedlung der Kieferhöhle.
  • Im Unterkiefer verläuft ein Ausläufer des Nervus Trigeminis, der für das Gefühl in der Lippe und im Kinn zuständig ist. Zusätzlich verläuft auf der Innenseite der Zähne der Zungennerv. Bei einer Schädigung dieser Nerven kann es zu Gefühls- und Geschmackausfällen in dem zu versorgenden Bereichen kommen. Mittels Röntgenbild kann der Arzt die Wahrscheinlichkeit des Risikos beurteilen.
  • Es besteht sowohl beim Eingriff als auch im Anschluss eine theoretische Möglichkeit des Kieferbruchs. Insbesondere nach dem Eingriff kommt es je nach Lage des Zahnes unter Umständen zu kleinen Frakturen (Brüchen) des Unterkiefers, die gegebenenfalls sogar operiert werden müssen. Schonen Sie daher nach schwierigen Eingriffen unbedingt ihren Kiefer für 4 bis 6 Wochen.

Anhaltendes Taubheitsgefühl nach der Operation

Sollten Sie unter anhaltendem Taubheitsgefühl nach der Operation leiden, ist das vergleichbar mit einer Betäubung beim Zahnarzt. Dieses Beschwerdebild stellt sich als pelzige, kribbelige Empfindung dar.

Erstmal keine Panik! Bei der Operation werden Nerven häufig leicht gequetscht und gedrückt, sodass die Nerven „beleidigt“ sind und die Gefühlsempfindungen nicht mehr wie gewohnt weiterleiten. In viel Fällen kommt das Gefühl nach 6 bis 12 Monaten vollständig wieder. Es gibt allerdings Situationen, in denen der Nerv dauerhaft geschädigt wird und eine kleine Gefühlsstörung zurück bleibt. Mit Sicherheit lässt sich das erst nach 12-24 Monaten feststellen, da die Nerven relativ lange regenerieren können.

Wann kann ich wieder essen?

Wann darf ich wieder essen?
Nach der Operation ist mit eingeschränkter Mundöffnung zu rechnen, sodass auf Burger zunächst verzichtet werden muss.

Am Tag der Operation ist die Nahrungsaufnahme sehr schwierig, denn der gesamte Mund ist meist noch für mehrere Stunden nach dem Eingriff betäubt. In dieser Phase kann es sogar kontraproduktiv sein zu essen, da leicht Bissverletzungen und Verbrennungen passieren können. Selbst wenn Sie sich kräftig auf die Zunge oder Wange beißen, merken Sie den Einbiss nicht. Warten Sie bis die örtliche Betäubung fast komplett verschwunden ist, nehmen Sie eine Schmerztablette und essen Sie eine nahrhafte Suppe.

Am zweiten Tag dürfen Sie langsam mit der Aufnahme von weicher Nahrung beginnen. Kaufen Sie vor dem Eingriff Nahrungsmittel ein, die einfach zuzubereiten. Kartoffelbrei oder Babybrei sind am zweiten Tag Lebensmittel mit der optimalen Konsistenz. Versuchen Sie ganz langsam leichte Kaubewegungen durchzuführen. Vermeiden Sie in jedem Fall zu feste Nahrung da diese Wundschmerzen auslösen kann.

Ab dem dritten Tag sollten Sie unbedingt versuchen möglichst viel zu Kauen. Durch die Bewegung der Kaumuskulatur wird ihr gesamter Kieferbereich und die Wangen wieder besser durchblutet und die Situation kann schneller verheilen. Ab dem 3. Tag sind weiches Toast oder weiche Nudeln die Nahrungsmittel der Wahl. Sollte die Schwellung des Zahnfleischs im Mund noch sehr groß sein, vermeiden Sie es auf dem Zahnfleisch zu kauen.

Darf ich Milchprodukte zu mir nehmen?

Bis zum Fäden ziehen sollten Sie auf frische Milchprodukte aller Art konsequent verzichten. Erlaubt hingegen ist H-Milch oder abgekochte Milch. In der frischen Milch befinden sich Bakterien, die die Wunden besiedeln könnten. Diese können im schlimmsten Fall Wundheilungsstörungen auslösen. Nach dem Entfernen der Fäden können Sie wieder zu Ihren gewohnten Essgewohnheiten zurückkehren.

Essensreste in den Wunden?

Nach der Weisheitszahnoperation bleiben häufig kleine offene Wunden für ca 2-3 Wochen bestehen. Diese „Löcher“ sind in einigen Fällen beabsichtigt und lassen sich nicht vermeiden. Problematisch wird die Situation immer dann, wenn sich zu viele Essenreste in der Wunde sammeln. In der Praxis wird die Wunde dann gründlich ausgespült.

Wir geben unseren Patienten nach einer gewissen Zeit häufig selber eine kleine Spritze mit Aufsatz mit, sodass diese alle ein bis zwei Tage die Wunde selber spülen können. Spülen Sie aber nicht zu häufig in der Wunde, diese braucht Zeit und Ruhe um abzuheilen.

Sollten Sie die Essensreste zu lange in der Wunde belassen, entzünden sich diese und es fließt eitriges Sekret ab. Die Wange wird unter Umständen wieder stärker anschwellen.

Bitte lassen Sie sich von einem weißlichen Belag auf den Wunden nicht irritieren. Dies sind häufig sogenannte Fibrinfäden, die als Bestandteile der Wundheilung notwendig sind. Bei Zweifeln können Sie sich beim Behandler rückversichern.

Postoperative Krankschreibung

Eine Krankschreibung nach Weisheitszahnoperation ist in den meisten Fällen sinnvoll und nötig. Die Dauer beträgt zwischen 3 und 7 Tagen und dient der Regeneration nach einem operativen Eingriff.
Unterschätzen Sie nicht, dass körperliche Anstrengung die Wundheilung verlangsamt und verzögert und verzichten Sie daher in der Zeit der Krankschreibung konsequent auf Belastung.

Erneute Schwellung 4 bis 6 Wochen nach dem Eingriff

In etwa 2% – 5% der Fälle kommt es etwa vier bis sechs Wochen nach der Operation nochmal zu einer leichten Schwellung. Diese Situation ist absolut typisch und lässt sich oft nicht vermeiden. Ursache ist eine kleine Entzündung, die sich im Wundgebiet gebildet hat.
Oberflächlich ist das Zahnfleisch zu diesem Zeitpunkt zwar schon vollständig verheilt, in der Tiefe befindet sich aber noch der Knochendefekt. Dieser braucht etwa 6 Monate bis er vollständig mit Knochen durchbaut ist. In dieser Zeit ist es möglich, dass sich Bakterien oder kleinere Speisereste verfangen und eine Reaktion des Körpers auslösen.
Um die Schwellung zu behandeln, muss der Zahnarzt durch eine kleine Öffnung die Wunde wiederholt ausspülen. Dadurch kann der Eiter abfließen und die Wange schwillt in den folgenden Stunden ab.

Weitere Allgemeine Tips und Verhaltensweisen

Vermeiden Sie körperliche Anstrengung in Form von Sport für ein bis zwei Wochen vollständig.

Globuli können begleitend eingenommen werden

Globuli nach Achter Ex

Globuli erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die Wirkung der homöopathischen Mittel konnte studientechnisch zwar noch nicht zweifelsfrei belegt werden, viele Patienten berichten aber von einer geringen Schwellung und einem sehr erträglichen Beschwerdebild nach der Operation.
Die meisten Globuli sollten sie unter die Zunge oder im Mund zergehen lassen. Die Wirkstoffe werden schon über die Mundschleimhaut aufgenommen. Globuli sind in der Regel gut verträglich und haben wenige bis keine Nebenwirkungen. Sie dienen zur Selbstbehandlung und sind in der Apotheke frei verkäuflich.

Das wohl beliebteste und häufigste angewendete Mittel (für Weisheitszahnoperationen) ist Arnica mit der Potenz D12. Dieses hilft gegen Schwellung, Druckempfindlichkeit und Hämatome. Sie sollten drei Mal täglich 5 Globuli einnehmen um die optimale Wirkung zu erzielen. Auf dieser Seite finden Sie ausführliche Informationen zum Thema Globuli.

Rauchen Sie nicht nach der Operation

Nach der Operation sollten Sie bis zum Fädenziehen in keinem Fall zur Zigarette greifen. Die Inhaltsstoffe des Glimmstängels sind extrem schädlich für die Wunden und können zu Entzündungen führen. Ein detaillierter Artikel zum Thema Rauchen nach einer Operation finden Sie hier auf unserer Seite.

Literatur

Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

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