Wurzelspitzenresektion – Was Sie vorher wissen sollten!


Wurzelspitzenresektion - Was Sie vorher wissen sollten!

Die Wurzelspitzenresektion (WSR) gilt als eine der letzten Möglichkeiten einen Zahn zu erhalten. Die WSR kann grundsätzlich an jedem Zahn durchgeführt werden und ist etwas aufwendiger als die Zahnentfernung. Die Operation dauert je nach Zahn zwischen 15 bis 45 Minuten und ist in örtlicher Betäubung gut auszuhalten.

Die Wurzelspitzenkappung ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem die Wurzelspitze des betroffenen Zahnes mittels Fräse abgetrennt und gemeinsam mit der umliegenden Entzündung entfernt wird. Dafür wird das Zahnfleisch durch einen kleinen Schnitt vorübergehend zur Seite gelegt, um während des Eingriffs geschont zu werden. Im Anschluss wird das Operationsgebiet vernäht und gesäubert. Ziel der WSR ist, dass die Entzündung im Bereich der Wurzelspitze eines Zahnes dauerhaft eliminiert wird. Die Erfolgschancen liegen im Allgemeinen etwa bei 85%.

Wenn bei Ihnen in naher Zukunft eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt werden muss, so ist dieser Artikel Ihre Quelle für alle Informationen die Sie benötigen werden. Auch falls Sie noch Zweifel haben, ob Sie sich dem Eingriff überhaupt unterziehen wollen, dann bekommen Sie hier einen ausreichenden Überblick zu Entscheidungsfindung.

Warum ist eine Wurzelspitzenresektion nötig?

Warum ist eine Wurzelspitzenresektion nötig?

Eine Wurzelspitzenresektion wird durchgeführt, um einen entzündlichen Prozess an der Wurzelspitze zu entfernen und den Zahn so langfristig zu erhalten. In vielen Fällen ist eine WSR die Folge einer erfolglosen Wurzelbehandlung. Trotz der vorhergehenden Behandlung (Endodontie) ist weiterhin eine Entzündung an der Zahnwurzelspitze im Röntgenbild ersichtlich. Dies äußert sich häufig in dauerhaften Beschwerden, die sich besonders auf Belastung des Zahnes darstellen. Wurzelkanalbehandlungen haben lediglich eine Erfolgschance von etwa 90%, sodass sich statistisch jeder zehnte Zahn erneut entzündet.

Diese Zyste/Entzündung kann dann entweder durch einen erneuten Versuch der Wurzelbehandlung, also einer Revisionsbehandlung oder durch eine WSR entfernt werden. Ab einer gewissen Größe der Zyste ist allerdings meistens die Wurzelspitzenkappung die sinnvollere Alternative. Die Entzündungen an der Wurzelspitze sollten unbedingt behandelt werden, da diese Ihren Körper dauerhaft belasten. Gelegentlich verlaufen die Entzündungsprozesse chronisch, sodass kein merkliches Beschwerdebild vorhanden ist. Dennoch ist es absolut notwendig, diese zu behandeln, da solche Prozesse häufig zum Abszess, also zu einer „dicken Backe“ führen können. 

Oft ist der betroffene Zahn aber auch symptomatisch. Es zeigt sich ein Druckschmerz, der Zahn ist allgemein sehr empfindlich und gelegentlich ist auch eine Schwellungen vorhanden. In einigen Regionen können solche Schwellungen sogar gefährlich werden, sodass eine unbedingte Notwendigkeit der Behandlung besteht. Ein Ignorieren der Situation verschlimmert diese nur.
Ein typischer Befund eines solchen Zahnes kann auch eine sogenannte Fistel am Zahnfleisch sein. Die Fistel fühlt sich an wie ein kleiner Pickel, aus dem regelmäßig Eiter abfließt. Sie können häufig selber den Eiterpickel ausdrücken und so die Situation immer wieder beruhigen. Leider verheilt die Situation meistens nicht von selber, sodass ein Eingriff nötig wird.

Ein letzter Fall soll noch angesprochen werden: Sollte ein Zahn eine Wurzelkanalbehandlung benötigen aber die Kanäle sind nicht aufzufinden, so kann ebenfalls eine Wurzelspitzenresektion Sinn machen. Hier ist allerdings mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit des Zahnverlusts zu rechnen. [2]

Der Operationsablauf der Wurzelspitzenresektion

Falls Sie sich nach reichlicher Überlegung für eine Wurzelspitzenresektion entschieden haben, so kann es sinnvoll sein sich mental auf die bevorstehenden Eingriff vorzubereiten. In diesem Abschnitt des Artikels wird deshalb kurz der Operationsverlauf geschildert. Zur besseren Visualisierung Im oben gezeigten Video sehen Sie grafisch animiert die Durchführung einer Wurzelspitzenresektion.
Für die Durchführung des Eingriffs ist die lokale Betäubung absolut ausreichend, sodass nach der Schmerzausschaltung im geplanten Operationsgebiet mit der Operation begonnen werden kann.

Um das Zahnfleisch zu schonen muss es vom Kieferknochen abgelöst werden. Mittels kleinem Schnitt und einem sogenannten Raspatorium wird das Zahnfleisch beiseite geschoben. Jetzt liegt der Kieferknochen frei und kann vorsichtig abgetragen werden, bis die Wurzelspitze ersichtlich wird. Gleichzeitig kann ein kleiner Bereich unterhalb der Wurzelspitze ebenfalls freigelegt werden, da sich in diesem Bereich oft die Entzündungen in Form von Zysten oder eingeschmolzenem Gewebe befinden. Jetzt kann die Wurzelspitze mit einer Fräse abgetrennt und dann vorsichtig entfernt werden. Zusätzlich muss die Zyste und das entzündete Gewebe ebenfalls entnommen werden. Der Wurzelkanal ist jetzt ersichtlich und sollte erweitert werden. Um den Zahn abzudichten, wird dieser mit einer Füllung von unten verschlossen. Diese besteht entweder aus Zement oder einem ähnlichen Material. Hier wird kein Kunststoff verwendet!

Bei größeren Zysten kann es notwendig werden, den Defekt mit etwas Knochenersatzmaterial aufzufüllen. Zuletzt wird das Operationsgebiet gesäubert und kann vernäht werden. Nach dem Vernähen wird zur Abschlusskontrolle ein Röntgenbild erstellt, dass zur Dokumentation und Überprüfung des Eingriffes dient. Zur histologischen Abklärung wird das Entzündungsgewebe untersucht. Sieben Tage später können die Nähte entfernt werden. Nach etwa sechs Monaten sollten Sie nochmals ein Röntgenbild erstellen lassen, um den Erfolg der Behandlung zu kontrollieren.[1]

Verhalten nach der Operation

Verhalten nach WSR

Unmittelbar nach der Operation sollten Sie auf Autofahren verzichten, lassen Sie sich abholen oder nutzen Sie die öffentlich Verkehrsmittel. Falls der Eingriff in Narkose stattgefunden hat, dürfen Sie nur in Begleitung die Praxis verlassen. Am besten wäre es sofort mit dem Kühlen zu beginnen. Nachdem die örtliche Betäubung nicht mehr wirkt, kann wieder (soweit möglich) normal gegessen werden. Da meistens nur eine Kieferhälfte betroffen ist, kann auf der „gesunden“ Seite noch ausreichend gekaut werden. Bis zu 5 Tage nach der OP sollte die Wange ausreichend gekühlt werden und körperliche Anstrengung ist bis zum Fäden ziehen verboten.

Sollten Nachblutungen auftreten, hilft zunächst ein nasser Waschlappen oder ein Tupfer, um Druck auf das Wundgebiet aufzubauen. Nachblutungen nach WSR sind eher selten, können allerdings vorkommen. Blut vermischt sich sehr schnell mit Ihrem Speichel und beim ausspucken kommt es Ihnen so vor, als ob Sie große Mengen Blut verlieren. Das ist meistens nicht der Fall. Dennoch verlangen stärkere Nachblutungen den Gang zum Arzt. Insbesondere wenn sich Blutpfropfen im Mund ansammeln, können Sie die Situation meisten nicht mehr kontrollieren.

Sie sollten trotz allem versuchen weitgehend normale bis weiche Kost zu sich zu nehmen, um Kreislaufstabilität zu gewährleisten. Trinken Sie ausnahmsweise ein zuckerhaltiges Getränk wie Spezi oder Limonade. Vermeiden Sie unbedingt das Rauchen mindestens bis zum Fäden ziehen. In unserem Artikel zum Rauchen nach Operationen erfahren Sie genau warum. Weiter sollten keine frischen Milchprodukte zugeführt werden, da diese Wundheilungsstörungen verursachen können.

Eine (ausgeprägte) Schwellung nach der Operation ist normal, diese sollte ihren Höhepunkt am zweiten bis dritten Tag erreichen und danach wieder abflachen. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Novalminsulfon können regelmäßig eingenommen werden. Nutzen Sie diese nach Bedarf, sparen Sie in den ersten Tagen aber nicht. Zusätzlich kann sich ein Hämatom, also ein blauer Fleck bilden. Sollten Sie ungewohnten, eitrigen Geschmack im Mund haben, muss die Wunde unter Umständen gespült werden. Lassen Sie, falls die Schwellung länger als den 5-6 Tage anhält, den Operateur die Wunde kontrollieren. Beim Zahnarzt oder Chirurg werden Ihnen nach der Operation meistens zusätzlich Verhaltensregeln mitgegeben, denen Folge geleistet werden sollte. 

Wann ist einer WSR nicht sinnvoll?

Welche Zähne sollen nciht behandelt werden

Es gibt Zähne, bei denen eine Wurzelspitzenresektion nicht mehr sinnvoll ist, da diese so geringe Chancen auf Erfolg hat, dass sich der operative Eingriff nicht lohnt. Hier eine Reihe von Situationen bei denen Sie hellhörig werden sollten:

  • Grundsätzlich sollte der Zahn noch relativ stabil sein. Es gibt einige Zähne, die eine sehr starke Lockerung haben, diese sollten vorher genau überprüft werden. Durch eine WSR wird ein Zahn an der Wurzel etwas kürzer, sodass der Zahn insgesamt noch etwas an Halt verliert. Wir haben einen Artikel über die Lockerung nach WSR verfasst, den Sie hier aufrufen können.
  • Zähne können nicht nur an der Wurzelspitze eine Entzündung haben, sondern auch zwischen den Wurzeln oder seitlich am Zahn. Solche Entzündungen können durch eine Wurzelkappung nicht behoben werden.
  • In einigen Fällen sind Zähne durch die vorhergehenden Behandlungen oder auch durch die Belastung im Laufe des Lebens gebrochen (Fraktur). Eine Zahnfraktur, also ein Spalt ist für Bakterien ein „Weg“ durch den Sie die Entzündung wieder aufflammen lassen können. Zähne die gebrochen sind sollten immer entfernt werden. 
  • Weiterhin gibt es große Zysten, die einen Zahnerhalt unmöglich machen. Der Zahn sollte vor der Operation nahezu komplett fest im Knochen stehen, wenn Zähne zu stark gelockert sind sollten sie eher entfernt werden. 
  • Zähne die unter starkem Parodontitis Befall leiden oder aus anderen Gründen tiefe Zahnfleischtaschen haben, sollten ebenfalls eher entfernt werden.

Sie sehen, dass es unterschiedlichste Gründe gibt, den Zahn nicht mehr zu operieren. Im Aufklärungsgespräch vor dem Eingriff wird ihr Zahnarzt auf alle diese Dinge natürlich auch achten. Dennoch ist die Wurzelspitzenresektion in vielen Fällen auch ein Mittel um den Zahn noch einige Jahre im Mundraum zu erhalten. Daher wird im nächsten Abschnitt erklärt, wie Wahrscheinlich ein „Zahnrettung“ durch WSR ist.

Wie Wahrscheinlich ist der Zahnerhalt nach der Operation?

Die Information, dass auch die Durchführung einer Wurzelspitzenresektion keine Garantie für den Zahnerhalt ist, ist ein Schock für viele Patienten. Dennoch sollte sich jeder, der sich für die Operation entscheidet über diesen Fakt im Klaren sein. In einem biologischen System wie Ihrem Körper, kann es niemals eine 100% Garantie geben. Die Erfolgschance hängt zum einen vom Zustand des Zahnes aber auch von der Wundheilung und dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Ein weiterer Faktor ist die Durchführung der Operation, also die Abhängigkeit vom Behandler.

Es gibt unzählige Studien über die Wahrscheinlichkeit von erfolgreichen Wurzelspitzenresektionen. In Lehrbüchern trifft man immer wieder auf Werte zwischen 80-85%. Eine tabellarische Zusammenfassung findet sich in der im folgenden verlinkten Veröffentlichung auf Seite 17. Dort werden Werte zwischen 78% bis 96% angegeben. Diese decken sich in etwa mit den Lehrbuchwerten von 85%. Sie können also in etwa davon ausgehen, dass etwas weniger als jeder 5. Zahn nach einer Wurzelspitzenresektion verloren geht.

Wenn die Wunde nach der Operation gut verheilt und der Zahn in der nächsten Zeit unauffällig ist, dann kann etwa 6 Monate nach Abschluss der Behandlung ein Röntgenkontrollbild erstellt werden. Sollte nach 6 Monaten (oder früher bei Beschwerden) nach wie vor eine Entzündung bestehen, die röntgenologisch diagnostizierbar ist, so muss der Eingriff entweder wiederholt oder der Zahn entfernt werden. Bei einer Wiederholung des Eingriffs liegt allerdings nur noch eine statistische Wahrscheinlichkeit von 50% vor, den Zahn zu erhalten.

Sollte der Zahn röntgenologisch unauffällig sein und der Patient beschwerdefrei, kann der Zahn weiter behandelt werden. Häufig benötigen die Zähne dann eine Krone, die nach den 6 Monaten gemacht werden kann.

Nochmal: Eine Erfolgsgarantie in einem biologisch aktiven System gibt es nie, jeder der Ihnen eine 100% Garantie verspricht lügt.

Was sind die Risiken bei dem Eingriff?

Wie bei jedem ärztlichen Eingriff bestehen auch bei der Wurzelspitzenresektion verschiedene Risiken, über die Sie vor dem Eingriff individuell aufgeklärt werden. Generell ist eine WSR aber eher risikoarm.

WSR eher wenig Risiko

Allgemeine Risiken:

  • Nach der Wurzelspitzenresektion werden Sie eine Schwellung und Schmerzen haben. Die Schwellung müssen Sie unbedingt mehrere Tage gut kühlen und gegen die Schmerzen sollten Sie ausreichend Schmerzmittel einnehmen.
  • Es kann zu kleineren oder in seltenen Fällen auch stärkeren Nachblutungen kommen. Wenn Sie sich unsicher sind, suchen Sie Ihren Zahnarzt auf, damit er die Situation kontrollieren kann.
  • Sie werden unter Umständen kleinere oder große blaue Flecken, sogenannte Hämatome, bekommen. Diese sehen zwar manchmal gefährlich aus, sind allerdings recht harmlos.
  • Nach jeder Operation besteht das Risiko der Wundinfektion. Halten Sie sich bitte an die Verhaltensregeln, um eine Entzündung der Wunde möglichst zu vermeiden. Sollte es zu starken Wundinfektionen kommen, muss die Wunde ausgespült werden und Sie müssen eventuell ein Antibiotikum einnehmen.
  • Jeder Zahn der operiert wurde kann ein sogenanntes Rezidiv ausbilden; das heißt die Entzündung flammt wieder auf. In diesem Fall wird der Eingriff als Misserfolg gesehen und muss unter Umständen entfernt werden. Erste Zeichen für Misserfolg ist die Bildung einer Fistel oder eitriger Geschmack im Mund.
  • Sollten die Wurzeln der Nachbarzähne in unmittelbarer Nähe der zu behandelnden Wurzel stehen, so kann es passieren, dass die Nachbarzähne beschädigt werden.

Im Oberkiefer:

  • Im Seitenzahnbereich des Oberkiefers befindet sich die Kieferhöhle, häufig in örtlicher Nähe der Zahnwurzeln. Beim Entfernen der Wurzel kann diese mit sehr viel Pech in die Kieferhöhle befördert werden. Dieser „Fremdkörper“ kann Entzündungen in der Kieferhöhle auslösen (Sinusitis). Daher ist es zwingend, diesen wieder zu entfernen. Dieser Eingriff kann oft nur in Vollnarkose durchgeführt werden.
  • Häufiger ist die Eröffnung der Kieferhöhle. Diese sogenannte Mund-Kieferhöhlen Verbindung (Mund-Antrum-Verbindung) braucht etwa 10 Tage um wieder vollständig auszuheilen. Vermeiden Sie starken Druckaufbau, wie zum Beispiel schnäuzen. Diese Komplikation ist recht harmlos.

Im Unterkiefer:

Im Unterkiefer befindet sich ein Gefühlsnerv, der Nervus Alveolaris Inferior. Dieser Ausläufer des fünften Hirnnervs (Trigeminus) kann bei Operationen im Unterkiefer gequetscht oder beschädigt werden, sodass ein temporäres oder dauerhaftes Taubheitsgefühl ausgelöst werden kann. Das Risiko ist je nach Zahn zu Nervlage individuell zu beurteilen. Bei vielen Zähnen ist das Risiko sehr gering, machen Sie sich nicht zu viele Sorgen.

Wenn Sie die Risiken betrachten, macht es unter Umständen Sinn, in einigen Fällen die Zahnextraktion der WSR vorzuziehen. Wenn die Prognose des Zahnes im Allgemeinen eher schlecht ist, kann die Zahnentfernung mit anschließendem Implantatersatz unter Umständen die bessere Lösung sein. Die aufgeführten Risiken und Nebenwirkungen sind bis auf die Schwellung und Schmerzen alle sehr selten. Dennoch sollten Sie Ihre speziellen Risiken im Arzt-Patienten Gespräch abklären.

Schmerzen beim Eingriff?

Wie bereits weiter oben angesprochen, ist die Wurzelspitzenkappung in örtlichen Betäubung gut durchzuführen. Der Eingriff ist etwas unangenehm, die Geräusche sind ungewohnt und es kann etwas rumpeln. Dennoch brauchen Sie sich keine Sorgen machen, Sie werden keine starken Schmerzen verspüren.

Sollte der Zahn unter einer akuten Entzündung leiden, oder die Backe bereits angeschwollen sein, kann es sinnvoll sein für eine Tage ein Antibiotikum einzunehmen und die Operation danach durchzuführen. Es kann passieren, dass das lokale Betäubungsmittel schlechter wirkt, da dieses im entzündeten Gebiet inaktiviert werden kann. Dennoch ist auch im akuten Zustand eine OP manchmal sinnvoll um das Problem schnellstmöglich zu beheben. Auch diese Situation sollten Sie mit Ihrem Behandler besprechen.

Fäden lösen sich?

Chirurgische Fäden für die WSR

Das Operationsgebiet wird im Normalfall mit einem nicht auflösbarem Faden vernäht. Die Fäden sollten nach etwa 7-10 Tagen wieder entfernt werden. Dafür ist keine Betäubung notwendig.
Die Fäden dienen postoperativ (also nach der OP) dafür, dass Wundgebiet zu stabilisieren. Ohne die Fäden würde die Wunde deutlich länger zum verheilen benötigen.

Sollten sich nach dem Eingriff vereinzelt Fäden lösen, ist dass in der Regel kein Problem. Putzen Sie die Wunde vorsichtig und üben Sie nicht zu viel mechanischen Druck aus. Wenn sich mehrere Fäden lösen, sollten Sie die Wunde kontrollieren lassen. In extrem seltenen Fällen muss die Wunde nochmal vernäht werden.

Der Unterschied einer Wurzelkappung zwischen Front- und Seitenzahn

  • Vom Prinzip und Durchführung der Operation ist es egal an welchem Zahn die Wurzelpitzenresektion durchgeführt wird. Dennoch bestehen einige Unterschiede über die Sie bescheid wissen sollten:
  • Im vorderen Bereich ist es etwas leichter den Zahn zu operieren und daher werden viele Wurzelspitzenresektionen im Frontzahnbereich auch vom Zahnarzt gemacht.
  • Frontzähne haben häufig nur eine Wurzel, sodass die Operationsdauer etwas kürzer ist.
  • Im Seitenzahnbereich werden Sie häufig zum Oralchirurgen oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurg überwiesen. Die Operationsdauer beträgt meistens etwa 20-40 Minuten pro Zahn.
  • Seitliche hintere Backenzähne haben mehrere Wurzeln, die alle gekappt werden sollten. Es sei denn es ist röntgenologisch und klinisch ersichtlich, dass die Entzündung definitiv nur eine Wurzel betrifft.

Ist eine Krankschreibung wirklich nötig?

In der Regel werden Sie nach einem chirurgischen Eingriff krankgeschrieben. Die jeweilige Situation muss natürlich vom behandenden Arzt beurteilt werden, um die Dauer der Krankschreibung festzulegen. In der Regel reichen bei kleineren Eingriffen im Frontzahnbereich 1-3 Tage völlig aus, während bei den etwas größeren Eingriffen im Seitenzahnbereich auch bis zu 5 Tage gewählt werden. Diese Angaben sind reine Gefühlswerte und keine verlässlichen Angaben. Der Zahnarzt entscheidet immer individuell, wie lange er Sie von der Arbeit befreit.

Gibt es private Kosten?

In der Regel wird eine Wurzelspitzenkappung von der Krankenkasse übernommen, sodass für Sie keine Kosten anfallen. Es gibt einige Ausnahmesituationen, bei denen Sie die Kosten privat tragen müssten. Diese Regeln sind im Abrechnungskatalog der Kassen festgelegt und recht komplex und kompliziert zu verstehen. Der Zahnarzt muss Sie über die anfallenden Privatkosten aufklären.

Einige Zahnärzte und Oralchirurgen, die die Wurzelspitzenkappung durchführen erhöhen den Aufwand für die Operation, sodass eine Zuzahlung verlangt werden kann. Diese ist auf einen erhöhten zeitlichen Aufwand oder durch den Einsatz besonderer Materialien oder Arbeitsgeräte wie ein Operationsmikroskop zurückzuführen. Diese Zuzahlung ist ganz vom Zahnarzt abhängig und variiert daher stark. Informieren Sie sich vorher bezüglich der Zuzahlung.

Wie lange dauert es, bis alles verheilt ist?

Heilung

Nach der Operation durchlaufen Sie mehrere Phasen der Wundheilung. Die für Sie belastende Zeit sind die ersten 7-10 Tage. In dieser Zeit ist das Risiko für akute Wundinfektionen am höchsten und die körperliche Belastung des Eingriffs wirkt nach. Haben Sie diese Phase überstanden, so können Sie sehr beruhigt sein.

Nach etwa sechs Monaten kann röntgenologisch kontrolliert werden, ob die Entzündung wiedergekommen ist oder ob der Zahn erfolgreich therapiert werden konnte. Das Röntgenbild sollte nicht zu früh gemacht werden, sonst kann es sein, dass es keine Aussagekraft hat. Warten Sie aber auch nicht zu lange, damit die Entzündung nicht unentdeckt bleibt.

Ist eine Behandlung in Narkose möglich?

Eine Behandlung in Narkose ist theoretisch möglich, falls Sie diese unbedingt wollen. Generell würde ich Ihnen von dieser Option eher abraten, überlegen Sie sich den Zahn entfernen zu lassen.
Dennoch gibt es spezielle Situationen in denen eine Narkose sinnvoll ist. Sie müssen diese allerdings privat zahlen, da der Narkosearzt nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird. Die Höhe der Kosten sind vom Narkosearzt abhängig.

Alternative Behandlungen

Es gibt alternative Behandlung zur Wurzelspitzenresektion, die oben bereits angesprochen wurden:

Erneuter Versuch der Wurzelbehandlung: Diese Behandlung wird auch Revisionsbehandlung genannt. Dabei wird die aktuelle Wurzelbehandlung aus dem Zahn entfernt und später erneuert. Für eine solche Behandlung macht es unter Umständen Sinn, zum Endodontologen zu gehen, der Spezialist für Wurzelkanalbehandlungen. Dieser kann unter dem Mikroskop unter Umständen die Behandlung so optimieren, dass Sie zum Erfolg führt. Auch hier ist natürlich kein Erfolg garantiert und die Behandlungen sind mit privaten Zuzahlungen verbunden.

Zahnentfernung: Die einfachste Alternative zur Wurzelspitzenresektion ist die Zahnentfernung. Nach der Zahnentfernung ist zwar das Problem zunächst behoben, die Frage der späteren Versorgung stellt sich aber unmittelbar nach Ausheilen der Wunde. In der heutigen Zeit, ist die Implantologie so weit fortgeschritten, dass Sie sich ruhigen Gewissens für ein Implantat entscheiden können.

Weitere Fragen

Es gibt zwei Fragen die immer wieder gestellt werden, auf die hier kurz eingegangen werden soll:

Muss eine Krone für diesen Eingriff entfernt werden?

Nein eine Krone und auch anderer Zahnersatz ist während der WSR nicht störend und kann belassen werden.

Wann wird am Gaumen operiert?

Wenn die Wurzelspitzenresektion an einem der oberen seitlichen, hinteren Backenzähne durchgeführt werden muss, so kann es notwendig sein, den Gaumen zu eröffnen. Über diesen Zugangsweg wird die innere der drei Wurzeln gekappt. Diese ist von außen in den meisten Fällen nicht erreichbar. Sollte das notwendig sein, so verlängert sich die Operationsdauer.

Literatur

[1]https://link.springer.com/article/10.1007/s100060050008

[2] https://d-nb.info/994921551/34

Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

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