Zahn Abschleifen-Ablauf&Warum Sie keine Angst haben müssen


Zahn Abschleifen-Ablauf&Warum Sie keine Angst haben müssen large

Bei Ihnen ist eine Krone, Brücke oder anderer Zahnersatz geplant und dafür müssen Zähne beschliffen werden? Diese Behandlung ist eine der häufigsten die in der Zahnarztpraxis durchgeführt werden und wird in Fachkreisen „Präparation“ des Zahnes genannt. Damit ist die „Vorbereitung“ des Zahnes zur späteren Aufnahme der Krone gemeint.

In diesem Artikel erfahren Sie alles über die Gründe, die Durchführung und auf was Sie nach der Behandlung achten müssen. Zuerst aber gilt: Machen Sie sich keine Sorgen. Die Behandlung kann zeitlich zwar relativ lange dauern, ist allerdings in keiner Weise gefährlich und meistens auch überhaupt nicht schmerzhaft.

Wenn Sie die gesamte Zahnbehandlung abgeschlossen haben, so ist es extrem wichtig Ihren Zahnersatz optimal zu pflegen, damit Sie möglichst lange etwas von der Krone haben.

Warum muss mein Zahn abgeschliffen werden?

Um Kronen, Brücken und anderen Zahnersatz anfertigen zu können müssen Zähne beschliffen oder präpariert werden. Die einfachste Form des Zahnersatzes ist die Krone, sie soll im Weiteren als Beispiel dienen:

Die neue Krone braucht Platz

Kronen können aus unterschiedlichen Materialien wie Gold, verschiedenen anderen Metallen oder auch Keramik bestehen. Alle diese Materialen brauchen eine gewisse Dicke oder Stärke (zum Beispiel 1,5 mm) um nicht unter der hohen Kaubelastung zu brechen. Daher muss ausreichend Platz zur Gegenbezahnung und auch zu den Nachbarzähnen geschaffen werden.

Der wichtigste Grund: Der Zahn muss rundherum gefasst werden

Um zu verstehen, warum der Zahn beschliffen wird, müssen Sie sich die Funktion der Krone bewusst machen. Die Krone soll dem Zahn verloren gegangene Stabilität zurückgeben. Dafür muss die Krone den gesamten Zahn umschließen, einschließlich der bereits bestehenden Füllungen und Defekte (wobei natürlich unter der Krone keine Karies belassen werden darf).
Dazu ein Beispiel: Stellen Sie sich ein Haus ohne Dach vor, dass zum Großteil immer wieder repariert und geflickt wurde. Es besteht die akute Gefahr das bei Belastung einzelne Wände brechen oder sogar das gesamte Haus einstürzt. Wenn ein Zahn zum Großteil aus Füllung besteht, laufen ebenfalls einzelne Wände Gefahr zu brechen. Auch neue Füllungen können keine ausreichende Stabilität gewährleisten, da sie lediglich den Defekt auffüllen aber nicht den gesamten Zahn stabilisieren. Daher wird der Zahn verkleinert und durch die Krone, wie im Bild dargestellt, umschlossen:

Stabilisierung des Zahnes durch eine Krone

Optimale Passform des Stumpfes für die Krone schaffen

Der neue Zahnersatz muss optimal auf den Zahnstumpf passen. Ein wichtiges Kriterium dabei ist der Rand der Krone. Vereinfacht beschrieben sollte der Spalt zwischen der Krone und dem bestehenden Zahn möglichst gering sein. Hierzu wird eine „Stufe“ im unteren Bereich des Zahnes geschliffen, auf der die Krone zum Liegen kommt.

Die beschriebenen Richtlinien treffen auf jede Art des Zahnersatzes zu.

Weitere Informationen zum Thema „Zahnkrone“ stellen wir in diesem Artikel für Sie vor.

Was passiert beim Beschleifen der Zähne?

Beschleifen des Zahnes

Der Zahnarzt beschleift mit Schleifinstrumenten, meistens Diamantschleifern, mit hoher Drehzahl den Zahn und kann ihm so die gewünschte Form geben. Dabei ist es enorm wichtig, das während des Vorgangs eine Wasserkühlung genutzt wird. Diese verhindert hohe Temperaturen und vermeidet somit die Beschädigung des extrem empfindlichen Zahnnerven.

Worauf der Zahnarzt weiterhin achtet:

  • Im Inneren des Zahnes befindet sich das Zahnmark, auch häufig als Zahnnerv betitelt. Das Zahnmark sollte während der Präparation möglichst geschont werden um langfristige Folgeschäden zu vermeiden. Daher befindet sich der Zahnarzt im Zwiespalt zwischen „nervschonendem Arbeiten“ und gleichzeitig ausreichender Formgebung. Denn entfernt der Zahnarzt zu wenig Substanz wird die Krone von der Stärke unter Umständen zu gering und bricht.
  • Häufig sind große Teile des Zahnes vor der Präparation verloren oder beschädigt, sodass vorher noch Füllungen gemacht werden müssen. Diese Füllungen werden daher passender weise auch „Aufbaufüllungen“ genannt.
  • Der Zahnarzt achtet auch darauf, dass der Übergang von Krone zu Zahn möglichst in der Nähe oder sogar leicht unterhalb des Zahnfleisches liegt. Das hat den Vorteil, dass später Kronenränder nicht sichtbar sind. Besonders im Bereich der vorderen Zähne kann dieses Detail entscheidend für das Endergebnis sein.
  • Nach dem Beschleifen: Nachdem der Zahn beschliffen ist, ist ein großer Teil des Zahnschmelzes entfernt und das Zahnbein (Dentin) liegt frei. Das Dentin ist weniger widerstandsfähig als der Schmelz. Außerdem befinden sich im Dentin kleine Kanälchen mit Nerven, die äußere Einflüsse registrieren. Wenn der Zahnarzt mit dem Luftpüster den Zahn trocknet kann es gelegentlich sein, dass Sie das bereits merken. Daher muss der Zahn, wenn die Krone nicht am selben Tag eingesetzt wird, mit einem Provisorium versorgt werden.

Sobald der Zahn die gewünschte Form erreicht hat, muss für die Herstellung der Krone ein Abdruck gemacht werden. Dieser ist dann entweder für einen Zahntechniker vorgesehen, der im Labor eine Krone herstellt oder es wird ein optischer Abdruck genommen und die Krone wird in der Praxis selber hergestellt.
In beiden Fällen werden noch gewissen Materialien zur Blutstillung, für das Zahnfleisch und für den Abdruck selber verwendet. Die Erklärung dieser Materialien würde allerdings den Rahmen des Artikels sprengen würden.

Was können die Folgen des Beschleifens sein?

Im Allgemeinen ist die Zahnpräparation relativ risikoarm. Natürlich bestehen wie bei jedem ärztlichen Eingriff auch Risiken:

Präparationstrauma: Es kann passieren, dass das Zahnmark durch das Beschleifen traumatisiert wird. Der Zahn reagiert daraufhin empfindlich auf Belastung und kann auch auf Wärme und Kälte Schmerzen verursachen. Diese Temperatur- oder auch Druckempfindlichkeit kann nach dem Beschleifen des Zahnes allerdings für eine gewisse Zeit auch normal sein. Geben Sie Ihrem Zahn nach dem Einsetzen der Versorung (Krone, Brücke, etc…) etwa 8-12 Wochen Zeit. Sollten die Schmerzen dauerhaft werden oder zu stark müssten Sie vorher zu Ihrem Zahnarzt gehen. Der Zahnnerv ist dann vermutlich nicht zu erhalten und eine Wurzelbehandlung wäre eine mögliche therapeutische Konsequenz.

Eröffnung des Zahnmarks: Sollte der Zahnarzt beim Beschleifen die Zahnpulpa eröffnen, so ist die direkte Konsequenz meistens die Wurzelbehandlung. Häufig wird der Zahnersatz dann zunächst provisorisch eingesetzt, um den Zahn noch zu beobachten. Wenn das bei Ihnen der Fall sein sollte, können Sie hier alles zur Wurzelbehandlung lesen.

Warum dauert das Beschleifen eigentlich so lange?

Zahn beschleifen für den Zahnersatz

Sie haben vielleicht schonmal festgestellt, dass der Zahnarzt für die Präparation extrem lange braucht. Wenn Sie sich allerdings den Artikel bis hierhin durchgelesen haben, merken Sie wie viel beim Präparieren eines Zahnes beachtet werden muss. Denken Sie während der Behandlung daran, dass es um Ihren Zahn geht der möglichst optimal versorgt werden soll, damit der Zahnersatz auch lange hält. Die investierte Zeit ist es also in jedem Fall wert.

Wie Sie sich nach der Präparation verhalten sollten

Nachdem der Zahn beschliffen ist, haben Sie vermutlich ein Provisorium eingesetzt bekommen und der Termin für die Fertigstellung steht fest. Damit bis dahin alles optimal verläuft halten Sie sich an folgende Dinge:

Schonen Sie ihr Provisorium: Provisorien sind vorübergehender Zahnersatz, der nicht die Qualität der fertigen Arbeit liefern kann. Sowohl optisch als auch funktionell bestehen daher Einschränkungen mit denen Sie bis zum Einsetzen leider leben müssen. Vermeiden Sie daher harte Sachen um die Bruchgefahr zu minimieren und verzichten Sie auf klebriges um einen Verlust des Provisoriums zu verhindern. Was ist eigentlich genau ein Provisorium? Hier klicken um mehr zu erfahren.

Tip: Sollte Ihnen das Provisorium in einer ungünstigen Situation herausfallen versuchen Sie es mit Zahnpasta wieder zu befestigen.

Abwarten bis die Betäubung nachlässt: Häufig wird vor der Behandlung ein Lokalanästhetikum eingespritzt um Schmerzfreiheit zu gewährleisten. Sie sollten mit dem Essen und Trinken warten, bis die Betäubung vollständig verschwunden ist, um Bissverletzungen oder Verbrennungen zu vermeiden. Wenn Sie ausreichend lange warten kann Ihnen aber nichts mehr passieren, da das Gefühl meist wenige Stunden nach Verlassen der Praxis wiederkommt.

Warum muss ich keine Angst haben vor dem Beschleifen?

Für viele ist jeder Gang zum Zahnarzt mit Angst, Panik oder aber wenigstens einem unguten Gefühl verbunden. Niemand schaut morgens in den Kalender und jubelt vor Freude, wenn mal wieder ein Zahnarzttermin ansteht. Angst ist ein subjektives, irrationales Gefühl, daher sollten Sie sich in diesem Fall die objektiven Fakten des Eingriffs verdeutlichen:

Routineeingriff: Der oben beschriebene Eingriff ist das tägliche Brot eines jeden Zahnarztes. Kein Zahnarzt ist aufgeregt oder nervös, wenn es darum geht einen Zahn für eine Krone oder Brücke vorzubereiten und daher können auch Sie ganz entspannt sein. Überlegen Sie sich mit welcher Routine Sie Dinge erledigen, die Sie täglich tun! Wie leicht fällt es Ihnen Ihre alltäglichen Arbeitsroutinen auszuführen?

Betäubung: Durch die heutige Möglichkeit der lokalen Betäubung ist es gut machbar Ihnen eine schmerzfreie Behandlung zu gewährleisten. Es gibt verschiedene lokale Betäubungsmittel. Wenn Sie sehr empfindlich auf Arbeiten reagieren, die in Ihrem Mund durchgeführt werden, gibt es Lokalanästhetika mit einer höheren Adrenalinkonzentration. Diese Wirken besser und länger als die herkömmlichen und viele Zahnärzte haben diese bereits in Ihrer Praxis vorrätig.

Moderne Möglichkeiten der Abformung: Wer lässt schon gerne einen Abdruck über sich ergehen? Spätestens seit der ersten Zahnspange beim Kieferorthopäden hat jeder Erfahrungen mit Abdrücken im Mund gemacht. Viele Zahnärzte arbeiten heute mit dem einem optischen Abdruck, der häufig aber nicht immer möglich ist. Der optische Abdruck erspart Ihnen sowohl den konventionellen Abdruck als auch das Provisorium, da häufig sogar die Krone noch am selben Tag fertig gestellt wird.

Empfindlicher Zahn nach dem Beschleifen: Bleiben Sie ruhig, auch wenn der Zahn nach der Behandlung leichte Überempfindlichkeit zeigt. Am Zahn wurde viel gearbeitet und dieser muss sich in den nächsten Wochen wieder beruhigen.

Motivieren Sie sich: Sie lassen die Behandlungen über sich ergehen um als Ergebnis schönen Zahnersatz zu erhalten. Der Zahnersatz ist sowohl optisch als auch kaufunktionell wichtig Ihre Mundgesundheit zu erhalten.

Wenn Sie dennoch Angst vor dem Zahnarzt haben sollten, haben wir hier einen sehr ausführlichen Guide für Sie verfasst, der Ihnen sicher weiter hilft.

Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

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