Zahn fühlt sich komisch an! Was kann das sein?


Zahn fühlt sich komisch an. Was kann das sein

Wenn sich ein Zahn plötzlich „komisch“ anfühlt, kann dies verschiedene Ursachen haben. Je nach Art der Beschwerden sollte dringend ein Zahnarzt aufgesucht werden. Bei der Anamnese ist es hilfreich, das komische Gefühl möglichst genau zu beschreiben. So kann der Zahnarzt einen Anfangsverdacht entwickeln und gezielte diagnostische Maßnahmen ergreifen. Manchmal ist das seltsame Gefühl auf harmlose und leicht zu behandelnde Ursachen zurückzuführen. Es kann aber auch eine schwerwiegendere Ursache vorliegen, die einen invasiveren Eingriff erfordert. Da die Beschwerden in diesem Fall mit der Zeit wahrscheinlich immer schlimmer werden, ist es ratsam, die Behandlung schnell durchzuführen.

Zähne sind Organe, die genau wie jedes andere Organ, vorübergehende Beschwerden auslösen können. Oft verbleibt ein komisches Gefühl lediglich 2-3 Tage und vergeht von selber. Eine eindeutige Ursache kann nicht ausgemacht werden und eine Behandlung ist nicht erforderlich. Weiterhin können allerdings auch Zahnfrakturen oder Entzündungen, sowie Überbelastung der Auslöser des komischen Gefühls sein. Hier wird Ihnen der Zahnarzt weiterhelfen können.

In dem vorliegenden Artikel werden wir zusammen die verschiedenen Ursachen erarbeiten, von denen dieses „komische Gefühl“ ausgelöst werden könnte. Dazu werden verschiedene Therapien beschrieben, die die unterschiedlichen Probleme lösen könnten. So können Sie sich zwar nicht unmittelbar selber helfen, allerdings bekommen Sie eine Idee vorauf Sie sich bei der folgenden Behandlung einstellen können.

Was sind mögliche Ursachen, wenn sich ein Zahn komisch anfühlt?

Als „komisch“ können vom Patienten vor allem Beschwerden wahrgenommen werden, bei denen es sich nicht um einfachen oder eindeutigen Zahnschmerz handelt. Da in den Zähnen selbstverständlich Nerven verlaufen (die sog. Zahnpulpa), sind Zähne sensible Organe, die trotz Ihres zunächst robusten Eindrucks sehr empfindlich sein können. Grundsätzlich können auch Entzündungen oder Karies andere Gefühle als stechende Schmerzen auslösen. Schmerzen und Gefühle sind allerdings subjektive Erscheinungen, die von Person zu Person unterschiedlich wahrgenommen werden. Dennoch wird in den folgenden Abschnitten versucht, die verschiedenen Gefühle und Sensationen so eindeutig wie möglich zu beschreiben:

Was kann hinter Druck stecken?

Kommt es an einem oder mehreren Zähnen zu einem Druckgefühl, ist es daher gut möglich, dass eine Entzündung des Zahnes oder ein Loch dahinter stecken. Aber auch Zahnfleischentzündungen können zu einem Druckgefühl führen. Dabei ist es mitunter für den Patienten nicht möglich, den genauen Ort des Druckes festzustellen. Manchmal kommen mehrere Zähne infrage, da das Gefühl schwammig ist und sich verteilt. Wenn es sich um eine Zahnfleischentzündung handelt, ist diese möglicherweise ohne Eingriff mit einem Gel/Salbe oder Antibiotikum behandelbar.

Druck kann ebenfalls durch nächtliches Zähneknirschen und die damit einhergehende Überbelastung einzelner Zähne entstehen. Dieses wird vom Betroffenen selbst meistens nicht bemerkt, der Zahnarzt kann aber oft durch Schlifffacetten auf den Zähnen den passenden Rückschluss ziehen. Beim Zähneknirschen wirken je nach Intensität enorme Kräfte auf die Zähne und den Kiefer ein. Je nach Gebissstruktur ist es möglich, dass einzelne Zähne besonders gereizt werden und ein Druckgefühl entsteht.
Häufig sind die Übergänge zwischen Druck- und Schmerzgefühl fließend. Wer beim Auftreten eines Druckes im Mund zu lange wartet, der kann je nach Fall bald feststellen, wie der Schmerzanteil in der Empfindung immer weiter wächst. Auch eine Zahnwurzelentzündung, die in der Regel ein sehr tiefes kariöses Loch bedeutet, kann sich zuerst durch Druck bemerkbar machen.

Schließlich ist es möglich, dass durch eine Zahnarztbehandlung selbst ein gewisses Druckgefühl verursacht wird. Bei manchen Eingriffen werden umliegende Nerven gereizt, sodass es in den folgenden Tagen zu Missempfindungen kommen kann. Dies sollte sich nach spätestens einer Woche geben. Wer sich unsicher ist, kann jederzeit beim Zahnarzt anrufen und seine Beschwerden schildern. Dieser kann dann entscheiden, ob sie sich noch im üblichen Rahmen bewegen oder nachgebessert werden muss.

Wenn eine neue Füllung an einem Zahn gemacht wurde, so kann eine nicht optimale Passform der Füllung ebenfalls zu Druckschmerz führen.

Wenn noch Weisheitszähne im Kiefer vorhanden sind, können diese durch ausgelöste Wachstumsschübe zu starken Druckschmerzen führen. Lassen Sie beim Zahnarzt röntgenologisch Kontrollieren, ob Weisheitszähne vorhanden sind und ob diese eventuell keinen Platz im Kiefer haben.

Fazit Druckschmerz: Bei Druckschmerz sind häufig zu hohe Belastungen einzelner Zähne oder des Kiefergelenks Schuld. Oftmals werden Druckbeschwerden aber auch von Weisheitszähnen ausgelöst.

Beschwerden bei Wärme und Kälte

Neben einem gereizten Nerv oder Karies können freiliegende Zahnhälse eine erhöhte Empfindlichkeit bedeuten. Typisch ist hierfür eine sehr hohe Sensibilität gegenüber kalten und heißen Getränken und Speisen. Die Nerven werden nicht mehr ausreichend vom Zahnfleisch geschützt. Ursache kann ein Rückgang des Zahnfleisches sein, das durch eine bakterielle Entzündung (Parodontitis) verursacht wird. Das unangenehme Gefühl beim Kontakt mit Hitze oder Kälte kann auch als leichtes Ziehen auftreten; es muss nicht zu Schmerzen kommen. Auch beim Verzehr von Süßem können die Beschwerden auftreten.

Fazit Temperaturempfinden: Oft wird erhöhtes Temperaturempfinden durch einen entzündeten Zahnnerv ausgelöst, eine Wurzelbehandlung wäre die notwendige Folge. Die Zahnhälse sollten ebenfalls überprüft werden.

Pochen im Zahn

Wird im Zahn ein Pochen wahrgenommen, liegt das meist an einer Entzündung. Das entzündete Gewebe wird stärker durchblutet. Daher nehmen wir unseren Puls nun auch dort bewusst wahr. Das Pochen muss nicht immer von Schmerzen begleitet werden. Auch bei Schmerzfreiheit sollte es aber als Warnsignal verstanden werden, das eine Untersuchung erfordert. Dies gilt ganz besonders dann, wenn das Pochen sich bereits ausgeweitet hat und vielleicht schon im Kiefer oder in der Wange wahrgenommen wird. Auch hier ist es möglich, eine Art von Druck oder Taubheit zu spüren, die sich nicht nur auf den kranken Zahn begrenzen muss. Das „Ausstrahlen“ von Beschwerden ist bei Zähnen typisch. Ist es erst einmal soweit gekommen, können Schmerzmittel nur noch zeitweise Linderung verschaffen, wenn überhaupt. Die Ursache muss unbedingt behandelt werden.

Fazit: Entzündungen des Zahnnervens oder auch beginnende Abszesse lösen ein Pochen aus!

Der Zahn wird als „zu hoch“ wargenommen

Wenn sich ein Zahn plötzlich wie „erhöht“ anfühlt, dann ist dies ein typisches Zeichen für eine Nervenentzündung. Beim Zubeißen entsteht im Gebiss das Gefühl, dass ein Zahn höher herausragt als sonst. Möglicherweise treten dabei auch Schmerzen auf. Hier ist der Gang zum Zahnarzt dringend nötig, da wahrscheinlich eine Nervenentzündung vorliegt, die eine Wurzelbehandlung erfordert. Der Zahn hat an der Wurzelspitze bereits eine Entzündung ausgebildet und diese macht sich in Form eine Zyste bemerkbar. Diese Zyste drückt den Zahn leicht nach oben und löst diese als „zu hoch“ beschriebe Zahnstellung aus.

Unterschiedliche Verdachtsdiagnosen je nach Zahn

Einige Zähne haben aufgrund ihrer Position oder ihrer Vorgeschichte eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, spezielle Leiden zu entwickeln. So sollte bei komischen Gefühlen in Schneidezähnen genau überlegt werden, ob diese vielleicht einem Schlag oder sonstiger Krafteinwirkung ausgesetzt waren. Dies kann schon eine beim Trinken aus Versehen an die Zähne gekommene Glasflasche sein. Mit einem Röntgenbild oder einer 3D- Aufnahme können beim Zahnarzt Risse und auch Entzündungen am Zahn ausgeschlossen werden.

Komisches Gefühl trotz bereits durchgeführter Wurzelbehandlung

Zähne, an denen eine Wurzelbehandlung durchgeführt wurde, können auch nach einem erfolgreich verlaufenen Eingriff noch Entzündungen entwickeln. Außerdem ist es möglich, dass der Zahn ein paar Tage nach der Behandlung eine erhöhte Empfindlichkeit aufweist. Wenn der Patient das Gefühl hat, es stellt sich zu lange keine Besserung ein, kann mit dem Zahnarzt besprochen werden, ob ein erneuter Termin notwendig ist. Häufig sind die Beschwerden jedoch nach einigen Tagen vorbei. Sollte sich aber tatsächlich eine erneute kleine Entzündung im wurzelbehandelten Zahn entwickelt haben, so kann eine Wurzelspitzenresektion nötig sein. Aber auch hier ist ein Riss im Zahn als Ursache möglich. Dies führt dann leider häufig zur Entfernung des Zahnes.

Eine weitere komische Empfindung, die an einem wurzelbehandelten Zahn auftreten kann, ist das Gefühl, der Zahn wäre „taub“ oder tot. Dies ist auch richtig; der Nerv wurde entfernt, der Zahn „lebt“ nicht mehr. Eine entsprechende Empfindung ist daher normal und kommt häufig vor, kann aber irritierend sein. Sie kann so weit gehen, dass der Zahn sich wie ein Fremdkörper anfühlt. Wenn sonst aber keine anderen Beschwerden bestehen, der Zahn im Röntgenbild unauffällig ist und der Zahnarzt auch durch weitere Diagnostik nichts Verdächtiges bemerkt, so kann der Patient lediglich weiter beobachten. Normalerweise tritt aber eine Gewöhnung ein und die Beschwerden verschwinden.

Diagnostik und Behandlung

Der Zahnarzt lässt sich die Beschwerden erst einmal so genau wie möglich beschreiben und untersucht dann den Zahn. Je nach Fall schaut er ihn sich von allen Seiten an, klopft ihn ab und prüft seine Vitalität (Kältetest). Danach ist in den meisten Fällen mindestens ein Anfangsverdacht oft schon gegeben. Der Arzt kann aus den Reaktionen des Patienten das Problem oft gut eingrenzen. Ein Röntgenbild kann dann weitere Sicherheit geben.

Je nach Zustand des Zahnes erfolgt ein Eingriff sofort oder es wird ein weiterer Termin vereinbart. Manche Entzündung muss erst antibiotisch behandelt werden, bevor es weitergehen kann. Manchmal kann auch ein sofortiger Eingriff erste Beschwerden lindern, der Patient muss aber trotzdem erneut – gelegentlich auch mehrfach – erscheinen.

Wenn die Beschwerden durch eine Überbelastung der Zähne zu erklären sind, so wird eine Zahnschiene hergestellt, die vorm Zähneknirschen nachts schützt. Möglicherweise kann auch ein Kürzen einzelner Zähne Abhilfe schaffen. Dies muss der Arzt im Einzelfall entscheiden.

Während bei einem Riss leider oft die Entfernung des Zahnes unumgänglich ist, kann bei vielen anderen Beschwerden zahnerhaltend gearbeitet werden. Dies ist immer die wünschenswertere Alternative, da ein künstlicher Zahnersatz, je nach Typ, aufwendiger sein kann. Eine professionell ausgeführte Wurzelbehandlung kann heutzutage Zähne retten, die früher aufgegeben worden wären. Eine maschinelle Wurzelbehandlung ist hierbei noch erfolgversprechender als eine manuelle, wird von Krankenkassen aber nicht immer übernommen. Lassen Sie sich im Zweifel ausführlich über die einzelnen Behandlungsoptionen vom Zahnarzt beraten.

Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

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