Warum wackelt mein Zahn nach der Wurzelspitzenresektion?


Wurzelspitzenresektion lockerer Zahn danach

Die Wurzelspitzenresektion ist ein Eingriff, der meistens als letzte Maßnahme durchgeführt wird um einen Zahn zu erhalten. Die Zähne sind häufig bereits wurzelgefüllt und dennoch weiterhin entzündet. Oft befindet sich auch eine Zyste in unmittelbarer Nähe der Wurzelspitze, was diesen Eingriff notwendig macht. Die Alternative zur Wurzelspitzenresektion oder auch Wurzelspitzenkappung ist die Zahnentfernung.

Wer allerdings seinen Zahn weiterhin gerne erhalten will muss sich wohl oder übel einer Wurzelspitzenkappung unterziehen. Häufig fällt auf, dass Zähne nach Wurzelspitzenresektionen eine leichte (oder stärkere) Lockerung zeigen. Dieser Artikel erklärt Ihnen die möglichen Ursachen und Gründe.
Warum Sie trotz Lockerung des betroffenen Zahnes nicht direkt den Kopf in den Sand stecken sollten, erfahren Sie ebenfalls wenn Sie weiterlesen.

Wenn Ihr Zahn bereits wurzelkanalbehandelt ist, dann haben Sie selber keinen großen Einfluss mehr auf das Schicksal des Zahnes. Sie sollten Ihre Mundhygiene optimieren, um diese Situationen langfristig zu verhindern. Schauen Sie sich dazu diesen Artikel an.

Zunächst wird erklärt, worum es sich bei einer Wurzelspitzenresektion überhaupt handelt:

Was ist eine Wurzelspitzenresektion?

Die Wurzelspitzenresektion (WSR) oder Wurzelspitzenkappung ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem der unterste Teil der Wurzelspitze eines Zahnes entfernt wird.

Warum ist eine WSR nötig?

Eine Wurzelspitzenresektion ist nötig,

  • wenn sich nach einer Wurzelkanalbehandlung mit Wurzelfüllung weiterhin eine Entzündung am behandelten Zahn befindet.
  • wenn ein Zahn aufgrund seiner verengten Wurzelkanäle nicht auf herkömmliche Art behandelt werden kann.
  • wenn die Zahnwurzel im unteren Drittel gebrochen ist.
  • (falls Wurzelfüllmaterial deutlich überpresst wurde) [nach aktuellem Stand der Endodontie ist leicht überpresstes Wurzelfüllmaterial gelegentlich sogar erwünscht, auch apikaler Puff genannt].

Erfolgswahrscheinlichkeit für die WSR

Die statistische Erfolgswahrscheinlichkeit für eine WSR liegt relativ hoch. Eine Studie aus dem Jahr 2018, in der Studien und Literatur von 1966 bis 2016 auf die Erfolgsquote von Wurzelspitzenresektionen untersucht wurden, beziffert diese auf 82% bis 95%.
Die angesprochene Studie untersucht zusätzlich den Erfolg verschiedener Füllmaterialien die bei der WSR verwendet werden können.[1]

Durchführung der WSR

Das Zahnfleisch wird durch einen Schnitt zunächst gelöst und der Knochen freigelegt. Es wird ein Zugang zu Ihrer Zahnwurzel mittels Fräse geschaffen. Die Wurzelspitze wird freigelegt und abgetrennt. Es kann zum Abschluss eine Füllung zum Verschluss des Zahnes durchgeführt werden.

Alternativen

Wenn Sie den operativen Eingriff vermeiden wollen, so stehen Ihnen diese Optionen zur Verfügung. Nicht jeder Zahn ist für jede Option zwingend geeignet, sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt wie er die Erfolgsaussichten einschätzen würde.

Erneute Wurzelbehandlung (Revision): Eine erneute Durchführung der Wurzelkanalbehandlung kann erfolgreich sein. Es gibt Spezialisten, sogenannte Endodontologen, die Revisionen häufig durchführen. Meistens ist diese Behandlung allerdings mit privaten Kosten verbunden.

Zahnentfernung (Extraktion): Die Alternative zur Revision und WSR ist immer die Zahnentfernung. Mit der Entfernung des Zahnes ist die Ursache für die Entzündung nicht mehr vorhanden und somit Ihr Problem zunächst gelöst. Sie sollten aber immer auch in Betracht ziehen, dass Sie dann eine Zahnlücke haben die versorgt werden muss.

Die genaue Stellung der Indikation, dh. wann eine WSR notwendig wird, mit Ursachen und auch die möglichen Risiken würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Daher wird hier auf die folgende Leitlinie verwiesen, die allerdings von 2008 ist und somit Ihre Gültigkeit verloren hat. Diese wird sicherlich überarbeitet, ist dennoch aber natürlich weiterhin größtenteils korrekt. [2] Eine weitere Leitlinie von 2009 (ebenfalls nicht mehr gültig) stellt ebenfalls die Wurzelspitzenresektion dar. [3] Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen stellt ebenfalls inhaltlich eine Übersicht über die WSR in verschiedenen Versionen zur Verfügung.[4]

Falls Ihnen diese Informationen nicht ausreichen, haben wir noch einen ausführlichen Artikel zum Thema „Wurzelspitzenresektion“ verfasst.

Warum wackelt mein Zahn nach der Behandlung?

Es gibt im wesentlichen zwei mögliche Gründe für den Lockerungsgrad des Zahnes. Oft sind beide Gründe in Kombination verantwortlich an der Lockerung:

Der Zahn ist häufig durch den entzündlichen oder auch zystischen Prozess gelockert. Eine Zyste kann je nach Ausdehnung einen größeren Knochendefekt auslösen. Je größer die Ausdehnung der Zyste, umso weniger Knochen ist vorhanden, der den Zahn stabilisieren kann. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Zahn eine Lockerung aufweist. Nach der Durchführung der Wurzelspitzenresektion ist dieses Entzündungs- beziehungsweise Zystengewebe vollständig entfernt.

Die Zahnwurzel wird, wie oben besprochen, gekürzt. Dadurch verliert der gesamte Zahn an Länge und ist mit weniger Oberfläche im Knochen stabilisiert. Je nachdem in wie weit die Wurzel eingekürzt werden musste kann es zu einer Lockerung des Zahnes kommen.
Je größer die Entzündung und der Defekt demnach ist, umso größer die Wahrscheinlichkeit das der Zahn nach der Operation wackelt.

Zahn vor der OP bereits locker?

Allerdings kann der Zahn auch vor der Durchführung der Operation bereits wackeln. Daher muss die Situation vorher in jedem Fall kritisch untersucht werden. Ist der Grund der Lockerung die Zyste an der Wurzelspitze kann durchaus eine WSR versucht werden.
Schwieriger ist die Situation wenn der Zahn aufgrund von Parodontitis (ugs.:Parodontose) bereits gelockert ist. In diesem Fall ist der Knochen um die Wurzeln durch eine Entzündung des Zahnfleisches und des Knochens zurückgegangen. Dieser Rückzug des Zahnhalteapparates kann je nach Ausprägung gegen eine Wurzelspitzenresektion sprechen.

Kann mein Zahn wieder fest werden?

Diese Frage ist pauschal nicht zu beantworten und muss für jeden Zahn individuell beurteilt werden. Dennoch besteht die Möglichkeit das Zähne nach einer WSR wieder fest werden!

Konnte der Entzündungsprozess erfolgreich entfernt werden, so befindet sich nach der Operation zunächst ein Defekt im Knochen. Dieser Defekt sollte sich innerhalb der nächsten 6-12 Monate wieder komplett mit Knochen auffüllen. Meistens ist es sinnvoll ein Röntgenbild zur Kontrolle nach etwa 6 Monaten anzufertigen. Sollte der Knochen sich erfolgreich regeneriert haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Zahn sich zumindest zum Teil wieder stabilisiert hat. Konnte kein Erfolg erzielt werden, wird die Festigkeit des Zahnes sich eventuell nicht verändert haben. Was jetzt zu tun ist lesen Sie im nächsten Abschnitt:

Entzündung wieder da? Trotz Lockerung nochmal WSR?

Das die Entzündung am Zahn wiederaufgetreten ist, äußert sich in verschiedenen Symptome:

  • Der Zahn fängt wieder an zu Schmerzen. Besonders auf Druck fühlt er sich schmerzhaft oder zu hoch an.
  • Eine Schwellung ist wieder aufgetreten. Diese ist gerötet und fühlt sich warm an.
  • Es hat sich eine Fistel gebildet. Eine Fistel wird oft als „Eiterpickel“ beschrieben. Der Eiter entleert sich über einen Gang, den sogenannten Fistelgang. Die Fistel tut meistens nicht weh und wird oft zu lange ignoriert. Hier ist allerdings Behandlungsbedarf angezeigt!
  • Auf dem Röntgenbild nach 6 Monaten ist immer noch eine Entzündung zu erkennen.

In allen diesen Fällen muss abgewägt werden, ob sich eine erneute WSR wirklich lohnt. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist bei der zweiten Operation etwas geringer als bei der ersten. Jede Situation ist auch hier nochmal individuell zu beurteilen, im Zweifel ist es meistens sinnvoll sich gegen eine weitere Operation zu entscheiden. Wenn große prothetische Arbeiten an einem Zahn befestigt sind, wie zum Beispiel Brücken, sollte unter Umständen eine weitere WSR in Betracht gezogen werden.

Was kann getan werden um meinen Zahn zu stabilisieren?

Sollte die WSR erfolgreich überstanden sein und der Zahn ist nach der Behandlung leicht gelockert, so kann der Zahn durch einige Maßnahmen stabilisiert werden. Das kann aber nur bei sonst unauffälligem Befund funktionieren:

Der Zahn sollte vorübergehend etwas gekürzt werden um die Belastung zu minimieren.

Der Zahn kann geschient werden: Eine Schienung ist eine Stabilisierung des Zahnes mit Hilfe der Nachbarzähne.

Verschiedene Lockerungsgrade des Zahnes

Zähne können verschiedene Lockerungsgrade zeigen. Lockerungsgrad I-III. Lockerungsgrad 1 meint die geringste Lockerung, während Lockerungsgrad III die stärkste Lockerung beschreibt.

Zähne die Lockerungsgrade I-II aufweisen können meist noch eine gewissen Zeit mittels WSR erhalten werden, Zähne mit Lockerungsgrad III sind meistens eher nicht zu erhalten und sollten daher entfernt werden.

Literatur

Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

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