Zahnschmerzen in der Schwangerschaft


Zahnschmerzen während der Schwangerschaft large

Zahnschmerzen treten oft in unpassenden Situationen auf, meistens am Samstag Abend, an Weihnachten und natürlich in der Schwangerschaft. Sie können trotz guter Zahnpflege, Prophylaxe und natürlich regelmäßigen Kontrollen nicht immer verhindern, dass Sie in eine solche Situation geraten.

Dieser Artikel informiert Sie über alle wichtigen Fragestellungen, wenn Sie während der Schwangerschaft Zahnschmerzen bekommen sollten. Dennoch ist es nur möglich konkret auf Sie zugeschnitten Aussagen im direkten Arzt-Patientin Gespräch zu treffen. Sie sollten immer auch ihren Gynäkologen mit ins Boot holen, der Ihre Schwangerschaft natürlich besser beurteilen kann als der Zahnarzt, um so die beste mögliche Behandlung zu planen.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass nur wirklich notwendige Behandlungen durchgeführt werden sollten, um das ungeborene Leben nicht zu gefährden. Dazu gehören beispielsweise Schmerzbehandlungen oder eitrige Entzündungen wie Abszesse. Die beste Zeit für Behandlungen während der Schwangerschaft ist die Zeit zwischen dem 4. und 7. Monat. Neben dem Schutz des ungeborenen Lebens, ist ebenfalls wichtig, die aus der Schwangerschaft resultierenden physischen und psychischen Besonderheiten der Mutter zu beachten. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen hat zum Thema Behandlung in der Schwangerschaft eine Stellungnahme veröffentlich die in diesem Artikel mehrfach erwähnt wird. [1]

Darf eine Behandlung durchgeführt werden?

Während der Schwangerschaft sollten nur Behandlungen durchgeführt werden, die sich nicht vermeiden lassen. Dazu gehören Schmerzbehandlungen oder auch akute Entzündungen, da diese für Mutter und ungeborenes Kind schädlich sein können. Insbesondere Entzündungen können unter Umständen langfristig zu gesundheitlichen Problemen bei Ihrem Kind führen. Eine Studie konnte zeigen, dass zu viel Interleukin-6 das Risiko für psychische Erkrankungen des Kindes erhöht.[2]
Wie bereits erwähnt ist der günstigste Zeitpunkt für die Behandlung zwischen dem 4. und 7. Schwangerschaftsmonat. In den ersten drei Monaten finden empfindliche Prozesse wie die Entwicklung der Organe statt und in den letzten drei Monaten steigt das Risiko einer Frühgeburt an. Daher sind diese beiden Phasen nicht optimal geeignet. Es gilt also: Behandlungen die nötig sind sollten durchgeführt werden, alles was noch warten kann muss nach der Entbindung gemacht werden.

Darf ein lokales Betäubungsmittel gespritzt werden?

Ja, während der Schwangerschaft ist es möglich zahnärztliche lokale Betäubungsmittel zu spritzen. Hier sollte allerdings auf die Auswahl des Präparates geachtet werden.

Lokale Anästhetika sind gut fettlöslich, was bedeutet, dass sie die Plazenta leicht passieren können und somit vom mütterlichen ins fetale Blut über gehen. Daher sollte eine Substanz gespritzt werden, die gut an Proteine bindet, um so im Blut der Mutter regelrecht „festgehalten“ zu werden. Aus diesem Grund können Articain, Bupivacain und Etidocain verwendet werden, die alle eine hohe Plasmabindungskapazität vorweisen. Articain ist ein lokales Betäubungsmittel, welches in Deutschland in Zahnarztpraxen ohnehin viel Verwendung findet. Falls Sie weitere wichtige Fakten zum Thema Lokalanästhesie erfahren wollen schauen Sie sich diesen Artikel an.

In allen lokalen Betäubungsmitteln sind zusätzlich zum Wirkstoff noch weitere Inhaltsstoffe enthalten. Der für eine schwangere Frauen interessante weitere Wirkstoff ist das Adrenalin. Das häufig verwendete Präparat „Ultracain“ mit dem Wirkstoff Articain enthalt ebenfalls Adrenalin. Dieses sollte möglichst gering dosiert werden um Komplikationen zu vermeiden. In der Konzentration 1:200000 ist Adrenalin auch während der Schwangerschaft erlaubt. Auf Prilocain und Mepivacain sollte während der Schwangerschaft verzichtet werden. [1]

Dürfen Röntgenaufnahmen der Zähne gemacht werden?

Röntgenstrahlung kann an ungeborenem Leben größere Schäden verursachen, die bis zum Tod der Leibesfrucht führen können. Die möglichen Schäden sind dabei abhängig von der Dosis und der Schwangerschaftswoche.
Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es durch zahnärztliche Aufnahmen zu Schäden kommt als eher gering einzuschätzen. Es gibt bisher keine zuverlässigen Daten für die Dosis die zu Schäden führen kann, diese wird auch Schwellendosis genannt. Da die Schwellendosis unbekannt ist, sollte die Menge der erstellten Röntgenbilder in der Schwangerschaft auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Nur in wirklichen Ausnahmesituationen sollte geröntgt werden.
Wenn ein Röntgenbild dennoch erforderlich wird müssen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Vermeiden Sie Röntgenstrahlung in jedem Fall im ersten Trimenon Ihrer Schwangerschaft. [1][3]

Welche Medikamente darf ich einnehmen?

In der Schwangerschaft sollte darauf geachtet werden, welche Medikamente Sie einnehmen. Wenn es zu Schmerzen kommt müssen häufig Schmerzmittel aber auch Antibiotika eingenommen werden. Nehmen Sie Medikamente nur wenn unbedingt notwendig ein.

Schmerzmittel: Das am besten geeignete Medikament, dass im Falle von Schmerzen eingenommen werden sollte, ist Paracetamol. Es liegen relativ viele Studien vor, dass die Einnahme von Paracetamol keine Schäden am werdenden Leben verursacht. Dennoch passiert das Medikament die Plazenta, sodass auf eine Dauereinnahme verzichtet werden sollte. Die Einnahme über längere Zeit kann zu Leberschäden bei Ihrem Fötus führen.

Andere Schmerzmittel wie Ibuprofen oder auch Opiate sollten eigentlich vermieden werden. Die Leitlinie der DGZMK besagt zwar, dass in starken Schmerzsituationen mit Schwellung auf Ibuprofen oder Diclofenac zurückgegriffen werden kann, die Studienlage hier ist allerdings sehr dünn! Vor einer Einnahme sollten Sie in jedem Fall Rücksprache mit Ihrem Frauenarzt/Hausarzt halten. Eine Einnahme ist nicht zu empfehlen.

Insbesondere Aspirin (Wirkstoff: Acetylsalicylsäure) kann zu Blutungen bei Mutter und Fötus führen und muss daher während der gesamten Schwangerschaft vermieden werden.

Antibiotika:

Falls Antibiotika notwendig werden, sollte entweder ein Penicillin, Cephalosporin oder ein Makrolid-Antibiotika eingesetzt werden.

Penicillin: Eines der häufigsten verschriebenen Antibiotika in der Zahnarztpraxis ist das Amoxicillin.

Sollte eine Penicillin Allergie bestehen so kann auch ein Cephalosporin oder ein Markolid-Antiobiotikum verwendet werden. Beispiele für Markolide wären Clarithromycin, Azithromycin oder Roxithromycin.

Die Schwangerschaftsgingivitis

Die häufigste Ursache für Schmerzen während der Schwangerschaft, ist die sogenannte Schwangerschaftsgingivitis. Die Ursache dieser Erkrankung ist bis heute nicht ausreichend geklärt. Vermutlich ist die Umstellung der Hormone im Körper der Frau zum Großteil dafür verantwortlich. Bei nahezu allen Schwangeren treten Probleme auf, ein schwerwiegenderer Verlauf betrifft aber nur etwa 20%.

Die Schwangerschaftsgingivitis äußert sich durch entzündetes, geschwollenes Zahnfleisch. Häufig treten beim Zähneputzen oder sogar ohne ersichtlichen Grund Blutungen auf. Um diese Symptome zu verhindern sollten während der Schwangerschaft besondere Vorkehrungen getroffen werden:

  • Optimale Mundhygiene: Gründliches Zähneputzen mit einer elektrischen Zahnbürste als Voraussetzung für belagfreie Zähne; mindestens 2-mal täglich.
  • Zahnseide nach jedem Essen: Halten Sie die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen sauber um die Schwellung der Zahnpapillien zu verhindern.
  • Mundspülung: Mündspüllösung 1-2-mal täglich um die Keimzahl zu reduzieren.
  • Kontrollbesuche: Gehen Sie während der Schwangerschaft 2 Mal zur Routinekontrolle beim Zahnarzt
  • Zahnreinigung: Das Intervall für die Zahnreinigung im optimalen Fall auf 3 Monate reduzieren um auch Stellen der Zähne sauber zu halten, die sie selber nicht so gut reinigen können. Zwei Zahnreinigungen während der Schwangerschaft wären optimal.

Sie sollten diese Ratschläge wirklich beherzigen und ernst nehmen, da eine Schwangerschaftsgingivitis auch in eine Parodontitis nach der Schwangerschaft übergehen kann. Zudem kann es durch Entzündungen, wie bereits weiter oben erwähnt, auch zu Komplikationen während ihrer Schwangerschaft oder sogar zu Beeinträchtigungen für ihr Kind kommen.

Behandlungsvorgehen am Beispiel einer Wurzelbehandlung in der Schwangerschaft

Ein häufiges Ereignis während der Schwangerschaft kann die Wurzelbehandlung sein. Oft sind im Laufe des Lebens bereits einige Zähne mit (tiefen) Füllungen versorgt, sodass sich das Zahnmark oder auch der Zahnnerv entzünden könnte. In diesem Fall wird möglicherweise eine Wurzelbehandlung notwendig. Der entzündete Zahn schmerzt in der Regel stark, ist temperaturempfindlich und lässt Sie nachts nicht mehr schlafen. Eine Behandlung ist also zwingend erforderlich! Schauen Sie hier für weitere Informationen zum Thema „Wurzelbehandlung“.

Eine Wurzelbehandlung besteht aus mehreren Sitzungen, von denen allerdings nur die Schritte der Schmerzbehandlung während der Schwangerschaft durchgeführt werden sollten:
Eröffnung des Zahnes – Der Zahn wird für eine Wurzelkanalbehandlung vorbereitet indem er aufgebohrt wird. Das entzündete Nervgewebe wird entfernt.
Im weiteren Verlauf der Behandlung müssen einige Röntgenbilder erstellt werden um die Zahnlänge zu bestimmen. Daher wird die Behandlung lediglich bis zu diesem Punkt durchgeführt. In den Zahn wird ein Medikament eingelegt und er wird provisorisch verschlossen.
Die weitere Behandlung kann in Absprache mit Ihrem Zahnarzt nach der Entbindung erfolgen.

Was kann ich selber gegen Zahnschmerzen tun

Wenn Sie unter akuten Zahnschmerzen leiden hilft meistens nur der Gang zum Zahnarzt. Dennoch gibt es einige mögliche Hausmittel die Sie selber anwenden können um Ihre Schmerzen wenigstens vorübergehend etwas zu lindern. Die nachfolgenden Tips sollen Ihnen helfen, ersparen Ihnen allerdings nicht den Gang zum Zahnarzt:

Anwendung von Kälte auf den betroffenen Bereich

Kühlen Sie den schmerzenden oder sogar angeschwollenen Bereich mit einem Kühlpack oder Kühlakku. Das Kühlen hat zwei nützliche Auswirkungen die Ihre Situation direkt verbessern. Zum einen ziehen sich die Blutgefäße zusammen und die Schwellung nimmt ab. Das reduziert den Druck. Zum anderen leiten Nervenfasern bei kälteren Temperaturen wesentlich weniger gut, sie werden träge. Dadurch werden Schmerzreize nicht mehr so zuverlässig und schnell an das Gehirn weitergeleitet.

Zerkleinerte Zwiebeln

Zwiebeln wirken antibakteriell und somit auch entzündungshemmend. Legen sie die zerkleinerte Zwiebel aufn den betroffenen Zahn und kauen Sie. Wem das nicht schmeckt: Zwiebeln in ein Tuch wickeln und an die Wange halten.

Mit Salzwasser spülen

Lösen Sie Salz in einem Glas Wasser und behalten sie es 30-60 Sekunden im Mund. Schwanken Sie die Salzlösung im Mund hin und her und spucken Sie diese wieder aus. Schlucken Sie die Salzlösung nicht herunter, diese ist nicht als Getränk gedacht.

Nelken oder Nelkenöl

Nelken haben eine sehr beruhigende Wirkung auf Zähne. Sie wirken desinfizierend und antiseptisch, wenn Sie das Öl direkt auf den Zahn tropfen. Alternativ mit dem betroffenen Zahn auf einer Nelke kauen.

Teebaum Öl und verschiedene Tees

Teesorte wie Kamille oder Salbei haben ebenfalls eine beruhigende Wirkung und sind leicht entzündungshemmend.

Wirsing für das Zahnfleisch

Besonders die Frauen, die von der oben beschriebenen Schwangerschaftsgingivitis betroffen sind, sollten sich frische Wirsingblätter in ein Tuch einwickeln und an die betroffene Wange halten. Sie können auch auf den Blättern kauen. Wirsing enthält bestimmt Enzyme, die abschwellend wirken

Sind die Schmerzen für das Kind schädlich?

Sie sollten Ihre Zahnschmerzen nicht ignorieren, sondern ernst nehmen und behandeln lassen. Durch Schmerzen erhöht sich Ihr Stresslevel, was in Ihrem Körper wiederum den Cortisolspiegel erhöht. Dadurch kann sich das Fruchtwasser verändern und unter Umständen den IQ ihres Kindes verschlechtern. Weiterhin kann Stress bei Ihrem Kind eine erhöhte Aktivität von HHNA (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse) bei ihrem Kind auslösen was zu Hyperaktivität führen kann. [4]

Weiterhin ist auch zusätzlicher Stress nicht gut für Sie. Während einer Schwangerschaft sind Komplikationen nicht ausgeschlossen die Sie ohnehin unter starke körperliche Anspannung setzen. Laut einer Studie kann dieser Stress Angststörungen, Missmepfinden und Depressionen auslösen und bis hin zu psychosozialen Veränderungen führen.

Zahnschmerzen bekommen durch Schwangerschaft?

Wer kennt den Spruch „Ein Zahn, pro Kind“ nicht? Tatsächlich ist diese Volksweisheit sogar durch eine Studie belegt.[5] Diese Studie beweist klar den Zahnverlust der Mutter durch Schwangerschaft.
Vollständig geklärt ist das Phänomen wissenschaftlich jedoch nicht. Einige Theorien sprechen von hormonellen Veränderungen im Speichel, der sonst die Zähne vor Karies schützt. Andere sprechen von geringem Haushalts- und Zeitbudget der werdenden Mütter die dadurch nötige Zahnarzttermine nicht wahrnehmen. Andere Theorien behaupten, dass die Zahngesundheit unter dem häufigen Erbrechen während der Schwangerschaft leidet.

Prävention vor der Schwangerschaft!

Nehmen Sie sich die in diesem Artikel besprochenen Dinge zu Herzen und kümmern sich bei Kinderwunsch, am besten also schon vor der Schwangerschaft um Ihre Zähne. Wenn ein Kind bei Ihnen in Planung ist, sollten sie eine Routineuntersuchung beim Zahnarzt wahrnehmen und diesem von Ihrem Kinderwunsch erzählen. Der Zahnarzt kann jetzt (da sie noch nicht Schwanger sind) bei Verdacht Röntgenbilder erstellen. So kann vorher jede noch anstehende Baustelle beseitigt werden und es kommt nicht zu unnötigen Stresssituationen.

Quellen und Literatur

Alle hier getroffenen Aussagen wurden sorgfältig recherchiert und mit Quellen und Literaturangaben belegt. Dennoch ist grade bei so empfindlichen Themen wie Schwangerschaft immer auch ein Austausch zwischen Frauenarzt/Hausarzt und Zahnarzt nötig. Dieser Artikel soll mit wertvollen Informationen dienen, die Ihnen zunächst weiterhelfen Ihre Situation richtig einschätzen zu können. Bitte verlassen Sie sich nicht ausschließen auf diese Informationen sondern suchen Sie auch das persönliche Arzt-Patienten Gespräch!

Dentalplanet

Hallo! Ich bin Dr. Martin Hartmann. Ich bin Zahnarzt und führe täglich meinen Beruf aktiv aus. Das Verfassen von verständlichen und dennoch informativen Fachartikeln macht mir neben meinem Hauptberuf unheimlich viel Spaß. Insbesondere spezialisiere ich mich auf die Behandlung von ängstlichen und panischen Patienten.

Recent Content